Rekord-Regenfälle in den USA
Louisiana rüstet sich für Fluten

Die freiwillige Helferin Elizabeth Hill (8) spielt in einer Unterkunft in der St. Thomas Presbyterian Church in Houston mit dem wegen des Tropensturms Harvey evakuierten Skyler Smith (7). Bild: Jay Janner/dpa

Nach Texas zittert nun der Nachbarstaat Louisiana vor der Regen-Katastrophe. Die Einwohner von New Orleans sollen Essen, Getränke und Medikamente für mindestens drei Tage bereithalten, sagt Bürgermeister Landrieu.

Houston. Nach tagelangen beispiellosen Regenfällen über dem US-Bundesstaat Texas hat Tropensturm "Harvey" jetzt Louisiana erreicht. Nach Angaben des Nationalen Hurrikan-Zentrums traf "Harvey" am frühen Mittwochmorgen (Ortszeit) in der Grenzregion der beiden Nachbarstaaten zum zweiten Mal auf Land. Die Meteorologen warnten vor lebensbedrohenden Überflutungen. New Orleans, das bereits 2005 von Wirbelsturm "Katrina" verwüstet wurde, rüstet sich für katastrophale Regenfälle.

Bürgermeister Mitch Landrieu hat den Bewohnern empfohlen, ihr Haus nicht zu verlassen. Er riet ihnen, Essen, Getränke und Medikamente für mindestens drei Tage vorrätig zu haben. Einem Bericht des Senders CNN zufolge hat der Bundesstaat die Zahl seiner Rettungsboote und der einsatzbereiten Hubschrauber verdoppelt. Sorgen bereitete eine bislang nicht funktionierende Großpumpe im Abwassersystem der Stadt, die dem Bürgermeister zufolge inzwischen von Experten repariert worden ist. Derzeit seien 107 der 120 Pumpen in New Orleans im Einsatz.

Ausgangssperre in Houston

In Texas blieb die Lage unübersichtlich. Über die genaue Zahl der Todesfälle herrschte Unklarheit. Die "New York Times" berichtete am Dienstagabend (Ortszeit) von etwa 30 Toten durch "Harvey". Nach Angaben von CNN vom frühen Mittwochmorgen wurden mindestens elf Tote bestätigt. Darunter befindet sich den Berichten nach ein Polizist aus Houston, der am Sonntag auf dem Weg zur Arbeit von den Fluten erfasst worden sei.

"Wenn die Straßen in Texas erst einmal wieder passierbar sind, erwarte ich einen signifikanten Anstieg der Todeszahlen", sagte ein Gerichtsmediziner der "New York Times". Klarheit dürfte erst herrschen, wenn die Fluten zurückgegangen sind und die Bergungstrupps Zugang zu überfluteten Häusern bekommen. In Houston verhängte Bürgermeister Sylvester Turner am Dienstagabend eine Ausgangssperre, um Plünderungen zu verhindern. US-Präsident Donald Trump machte sich am Dienstag in der vom Hochwasser betroffenen Stadt Corpus Christi ein Bild von der Lage. Trump besuchte eine Feuerwache und lobte die Arbeit von Einsatzkräften und Behörden. "Texas kommt mit allem zurecht", sagte der Präsident. Wirtschaftsführer und Prominente spendeten große Summen für die Hochwasseropfer. Viele sind nicht gegen Flutschäden versichert.

Rekord-Regen

Verwirrung gab es um einen Dammbruch in der Nähe von Houston. Die Behörden im Brazoria County hatten den Bruch bekanntgegeben und die Bewohner unterhalb des Dammes zum sofortigen Verlassen ihrer Häuser aufgefordert. "Macht, dass ihr wegkommt!" Dann hieß es, der Damm sei stabilisiert, die ausgetretene Wassermenge sei vernachlässigbar. In Brazoria County wurde eine Ausgangssperre zum Schutz vor Plünderern für die Gegenden verhängt, wo eine Zwangsevakuierung angeordnet worden war.

Die Regenfälle erreichten einen Rekordwert: In der Stadt Pearland im Südosten von Houston wurden seit Freitag Niederschlagsmengen von 125 Zentimetern gemessen, wie der Nationale Wetterdienst mitteilte.
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