Richter geht über Forderung der Anklage hinaus
Lebenslänglich für Raubmörder

Die Angeklagten erhielten die Höchststrafe. Sie sollen ein Brüderpaar überfallen und gequält haben, um an Geld zu kommen. Ein Opfer starb, das andere rettete sich schwer verletzt. Bild: dpa

Sie haben zwei Brüder brutal überfallen, eines der Opfer starb. Nun müssen die Täter lebenslang ins Gefängnis. Nach einem dritten Mann wird noch gefahndet.

Bielefeld. Es war ein brutaler Raubmord für gerade mal 700 Euro. Ein Bruderpaar wurde auf einem einsamen ehemaligen Bauernhof in Ostwestfalen überfallen. Der 63-Jährige konnte sich nach der Tat schwer verletzt zu den Nachbarn schleppen. Während die Täter mit der Beute flüchteten, lag sein Bruder (64) bereits tot in der Wohnung.

400 000 Euro waren in dem Haus in Rietberg versteckt, wie sich später herausstellte. Das Geld hatten die Brüder mit ihrer Autowerkstatt verdient und durch eine extrem sparsame Lebensweise angespart. "Von dieser hohen Summe wussten die Täter nichts. Aber es hatte sich in der Gegend herumgesprochen, dass die Brüder nach der Reparatur eines Autos das Geld immer in bar einsteckten", sagte der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung.

Dritter Täter auf der Flucht

Das Landgericht Bielefeld verurteilte die zwei Angeklagten (47 und 49) einen Tag vor Heiligabend zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Grund: gemeinschaftlicher Mord aus Habgier, versuchter Raub mit Todesfolge und gefährliche Körperverletzung. Für das Gericht spielt es für das Urteil keine Rolle, dass ein dritter mutmaßlicher Täter seit der Tat im November 2015 noch auf der Flucht ist. "Es gab von Anfang an einen Tatplan. Dafür gibt es eindeutige Hinweise", sagte der Vorsitzende Richter. So habe eine Zeugin ausgesagt, dass das Trio die Beute später teilen wollte. Außerdem seien die beiden Täter im Haus äußerst brutal vorgegangen.

Dabei ist es nach Ansicht des Gerichts nicht entscheidend, wer am Ende eines der Opfer erwürgt hat. "Abschließend werden wir das nicht klären können", sagte Richter Marc Brüning. Die Täter waren maskiert. Der überlebende Bruder, der als Nebenkläger auftrat, hatte die Männer nicht identifizieren können. Für die Kammer sei das aber für die Bewertung der Tat nicht entscheidend.

Dafür gab es Indizienbeweise, da am Tatort DNA-Spuren der Täter gefunden wurden. Dem 49-Jährigen konnte auch nachgewiesen werden, dass er das Fluchtfahrzeug fuhr. Das Auto war wegen Ermittlungen in der Autoschieber-Szene in Ostwestfalen mit einem Peilsender versehen, von dem die Täter nichts ahnten. Bei dem 47-Jährigen waren sich die Richter sicher, dass er mit im Haus war und dort gewalttätig wurde.

Das Gericht begründete das Urteil mit dem barbarischen Vorgehen der Täter. "Beim Bruder des Opfers hat diese Tat wohl größere seelische Wunden ausgelöst als er uns hier vor Gericht erzählt hat", sagte der Richter. Er hatte sich nach massiven Schlägen auf den Kopf blutüberströmt zu Nachbarn geschleppt.

Deutlich höhere Strafe

Das Gericht ging mit dem Urteil über die Forderung der Staatsanwaltschaft hinaus. Zwar hatte Ankläger Christoph Mackel für den jüngeren der beiden Angeklagten ebenfalls auf lebenslang plädiert. Für den Fahrer des Fluchtwagens hatte er jedoch 14 Jahre Haft gefordert. Die Verteidiger wollten für ihn wegen Mangels an Beweisen einen Freispruch.

Die beiden Männer nahmen das Urteil äußerlich unbeeindruckt auf. Im Verfahren hatten sie sich nicht geäußert. "Das können wir ihnen nicht anlasten", sagte der Richter abschließend. "Wir waren aber schon verwundert, dass sie geschwiegen haben. Dem Nebenkläger wäre zu wünschen gewesen, mehr zu erfahren."
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