Riesiges Poker-Turnier im "King's Casino" in Rozvadov
"Full House" im Nirgendwo

Vor 14 Jahren baute der tschechische Unternehmer Leon Tsoukernik sein King's Casino. Bilder: Meister (2)
 
Das King's hat den größten Poker-Saal Europas. Bis zu 2000 Spieler haben dort Platz.

Millionen Dollar teuere Kunstwerke schmücken das "King's Casino" in Rozvadov. Gäste aus Saudi-Arabien, der Türkei und den USA buchen Hotelzimmer in Waidhaus und Georgenberg. Am 19. Oktober startet hier das größte Pokerturnier Europas. Auch die Ex-Sportstars Mika Häkkinen und Boris Becker haben sich angekündigt.

Rozvadov. Vor kurzem hat sich Leon Tsoukernik ein Bild von Andy Warhol gekauft. "Daimler Motorkutsche" für 25 Millionen Dollar, wie er sagt. Zuvor hing es in der Prager Nationalgalerie. Jetzt lehnt es im hinteren Bereich seines Kasinos an der Wand. Gesichert nur von Plastikstützen. "Ich glaube, es ist sein größtes Werk. Es ist eigentlich mehr wert als das Kasino", sagt er. "Ich hatte noch keine Zeit, es aufzuhängen."

Leon Tsoukernik (43) ist eigentlich Kunst- und Antiquitätenhändler. Gleichzeitig hat der tschechische Unternehmer das wichtigste europäische Pokerturnier nach Rozvadov bei Waidhaus (Kreis Neustadt/WN) geholt. Eigentlich hatte er mit dem Glücksspiel gar nichts am Hut, sagt er. Ein Zufallsereignis hat ihn auf die Idee gebracht, ins Kasino-Geschäft einzusteigen.

Riesiger Spiel-Saal

"Vor 14 Jahren haben wir bei Null angefangen," erinnert sich Tsoukernik. Der gebürtige Russe hatte damals eine Freundin in Prag. Als sie deren Eltern in Tachov besuchten, "hat mir jemand dieses Land angeboten, und ich hab's gekauft". Und plötzlich habe jeder aus der Kasino-Industrie ihm das Land abkaufen wollen. "Dann hab ich mich entschlossen, mein eigenes Kasino zu bauen."

Im vergangenen Jahr hat der tschechische Unternehmer seinen Spieltempel vergrößert und um ein Vier-Sterne-Hotel erweitert (wir berichteten). Er hat damals zehn Millionen Euro investiert. Mittlerweile hat das "King's" laut Tsoukernik den größten Poker-Saal Europas. Dem Unternehmer schwebt ein europäisches Las Vegas vor. "Du brauchst ein gutes Haus, gutes Personal - die Leute kommen aus Finnland oder aus den USA. Das spielt keine Rolle. Das Kasino ist mitten im Nirgendwo. Aber du kommst leicht hin. Die Leute kommen für das Spiel."

Jetzt steht das größte Turnier in der Geschichte des Kasinos bevor: die "World Series of Poker Europe" ("WSOP Europe"). Es ist die bedeutendste Poker-Veranstaltung außerhalb von Las Vegas. Zuvor fand sie in London, Cannes, Enghien-les-Bains bei Paris und in Berlin statt. Diesmal ist Rozvadov dran.

Am 19. Oktober geht's los. Internationale Größen werden sich bis zum 10. November in elf Poker-Disziplinen messen und darin Weltmeister küren. Der Geschäftsführer der Poker World-Series, Ty Stewart, suchte laut Pressemitteilung seit vielen Jahren in Europa nach einem Zuhause für Poker: "Wir konnten nicht den richtigen Ort oder auch den richtigen Partner finden, um das zu bieten, was wir auch in Las Vegas haben", erklärt Stewart. "Aber ich glaube fest an Leons Vision, seine Passion und das 'King's Casino', dass es die beste 'WSOP Europe' überhaupt wird. Wir können es kaum erwarten, dass es ein europäisches Äquivalent zur 'WSOP' in Las Vegas gibt - so wie wir es uns immer erträumt haben." Mehr als 20 Millionen Euro Preisgeld seien garantiert. In den riesigen Poker-Saal passen bis zu 2000 Spieler. Der deutsche Sender Sport 1 und der amerikanische Sender CNBC wollen laufend berichten. Teilnehmen kann prinzipiell jeder - solange er die saftigen Eintrittsgelder von 550 bis 111 111 Euro bezahlen kann. "Wir wollen Vegas-Standard bieten", sagt Tsoukernik.

Neben dem ehemaligen Formel-Eins-Weltmeister Mika Häkkinen hat sich auch Tennis-Olympiasieger Jewgeni Kafelnikow angekündigt. Auch der ehemalige Tennisprofi Boris Becker besucht wie bereits im August erneut das "King's". Die Poker-Fachpresse dürfte sich aber vor allem um Fedor Holz scharen: Der 24-Jährige aus Saarbrücken ist derzeit der erfolgreichste deutsche Pokerspieler und hat auf Turnieren inzwischen über 23 Millionen Dollar verdient.

"Poker ist ein Sport"

Sie alle werden voraussichtlich auch am teuersten Turnier teilnehmen. Es ist eine Benefizveranstaltung zugunsten von "One Drop". Die gemeinnützige Organisation setzt sich für sauberes Trinkwasser in Entwicklungsländern ein. Das "King's" spendet laut eigenen Angaben mehr als 1,2 Millionen Euro aus den Einnahmen des Turniers an "One Drop". Seit 2011 ist das Benefizturnier Tradition bei der "WSOP".

"Poker ist ein intelligentes Spiel, es ist ein Sport. Es hat mit dem, was in einem Kasino passiert eigentlich gar nichts zu tun", sagt Tsoukernik. 70 Prozent seien Können, 30 Prozent Glück. "Du spielst mit Chips. Du zahlst 100 Euro und spielst mit 10 000 Chips. Wenn du anfängst, weißt du, wie viel es dich kostet." Klar, manche Spieler seien süchtig, gibt er zu. "Aber ich glaube nicht, dass Poker Süchtige anzieht." Tsoukernik meint, Poker sei das am wenigsten süchtig machende Spiel, das ein Kasino anbieten kann. "Ich mag keine Spielsüchtigen. Ich mag Menschen, die rechnen und die kommen, um sich zu amüsieren."

Hotels und Pensionen profitieren250 000 Gäste haben laut Angaben von Tsoukernik das Kasino im Jahr 2016 besucht. Daraus ergebe sich ein Jahresumsatz von etwa 300 Millionen Euro. Von den Gästen profitieren die Hotels und Pensionen der Region: "Wir nutzen jedes nur erdenkliche Hotel", sagt Tsoukernik. Die Spieler kommen aus der ganzen Welt. "Wir haben Gäste aus Amerika, der Türkei und Saudi-Arabien", sagt Evi Holfelder vom Hotel "Number One" in Waidhaus. Seit einem halben Jahr ist sie für die WSOP ausgebucht. "Montag bis Freitag kommen die Geschäftsleute, und Freitag bis Sonntag haben wir nur Gäste vom Kasino. Wenn die nicht kämen, wäre unser Hotel leer." Mitunter bekommen die Hotels ihre Kasino-Gäste gar nicht zu sehen. "Sie brauchen ruhige Zimmer", sagt Matthias Stahl vom Amedia Hotel in Weiden. "Sie richten ihren Tagesablauf nach dem Kasino", meint Stephan Freudenreich vom "Landhotel Lindenhof" in Vohenstrauß. "Die Matches gehen bis in die Nacht. Wenn sie ausscheiden, kommen sie mit dem Shuttle-Bus zu uns." Sie würden kaum frühstücken, bis mittags schlafen und irgendwann liege dann die Zimmerkarte an der Rezeption, meint Holfelder. (dko)


Ich mag keine Spielsüchtigen. Ich mag Menschen, die rechnen und die kommen, um sich zu amüsieren.Kasino-Chef Leon Tsoukernik
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