Rosenmontagszügen in Köln, Düsseldorf und Mainz
Spott in vollen Zügen

Die langwierige Regierungsbildung ist auch auf den Motivwagen der Rosenmontagszüge Thema: „Hasenfuß“ Christian Lindner (FDP) rennt mit vollen Hosen vor der Verantwortung weg. Bilder: Federico Gambarini/dpa
 
12.02.2018, Nordrhein-Westfalen, Köln: Tanzmariechen nehmen an dem Rosenmontagszüge teil. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ / Urheber: Rolf Vennenbernd

Deutschland steht vor einer "Großen Kollision" und wird auch 2111 noch mit Merkel zu tun haben. Keine Panik. Solche Szenarien entstammen - Alaaf und Helau - nur einigen närrischen Fantasien. Zu sehen bei den großen Rosenmontagszügen.

Köln/Düsseldorf/Mainz. Als wäre es nicht schon heftig genug - jetzt schlagen auch noch die Narren aus den Karnevalshochburgen zu. Bei den Rosenmontagszügen in Köln, Düsseldorf und Mainz werden Angela Merkel, der Nur-Noch-Ganz-Kurz-SPD-Chef Martin Schulz, die GroKo-Quälerei und die Selbstdemontage der Sozialdemokraten verspottet. Auf die tolle Tage in Berlin folgt das jecke Echo aus dem Rheinland.

Merkel unverwüstlich

Von Schulz bleibt nicht viel übrig - in Düsseldorf dreht der Ex-SPD-Superstar sich selbst mit letzter Kraft durch den Fleischwolf. Und Merkel? Da sind sich die Wagenbauer einig - die Kanzlerin schafft sie alle. Die Kölner lassen Merkel im engen roten Blaser als Discoqueen auftreten - ihre Melodie: "Staying Alive" - "Am Leben bleiben". In Düsseldorf thronte sie als Schwarze Witwe über den Schädeln verblichener Polit-Größen wie Peer Steinbrück, Philipp Rösler und Edmund Stoiber. In Mainz nickte sie als Uralt-Schildkröte in alle Richtungen.

Während das Motto der 11 000 Teilnehmer im größten und ältesten Rosenmontagszug "Mer Kölsche danze us der Reih" ("Wir Kölner tanzen aus der Reihe") lautet, heißt es beim rheinischen Rivalen in Düsseldorf: "Jeck erst recht!" Die Motive des dortigen Wagenbauers Jacques Tilly - stets bis zuletzt top secret - gelten als besonders provokant.

Nahles bringt die Apokalypse

SPD-Fraktionschefin Andrea Nahles, die die Sozialdemokraten bald auch als Parteichefin retten soll, dürfte ihr satirisches Konterfei nicht sehr charmant finden: Breiter als hoch, in roten Boxhandschuhen kommt sie daher - die Narren orakeln: "Genossen, das ENDE ist NAHles!" FDP-Chef Christian Lindner flieht vor Regierungsverantwortung - "von tollen Posen zu vollen Hosen", reimt das Tilly-Team.

In den großen Zügen wird zudem Dampf abgelassen gegen den "Dieselsumpf". Die #MeToo-Debatte ist ebenfalls Thema - etwa in Kölle, dort aber sehr brav: Zwei Männer im Schweinekostüm hecheln einer Frau hinterher. Comedian Guido Cantz, WDR-Zugkommentator, formuliert da deutlich frecher: "Nicht jeder, der mit dem Schwanz wedelt, ist ein Regisseur." Auch die Mächtigen weit fernab der Narren-Hauptstädte sind zum Höhepunkt des Straßenkarnevals nicht sicher vor Häme: Ein nackter US-Präsident Donald Trump wird von einem russischen Bären namens "Russlands Affäre" plattgemacht. Die britische Premierministerin Theresa May bringt die Missgeburt "Brexit" zur Welt. Und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un stemmt - mit leicht debilem Lächeln - eine Atomrakete.

In Köln wurde der Zug von einem Unglück überschattet: Dort ging eine Pferdekutsche durch, drei oder vier Menschen wurden laut Polizei verletzt und ins Krankenhaus gebracht. Die Pferde wurden von Tierärzten versorgt. Nach einer etwa halbstündigen Unterbrechung konnte der Zug fortgesetzt werden. Der Deutsche Tierschutzbund fordert seit längerem ein Tierverbot bei Karnevalszügen.

Doch es gibt nicht nur "Saueres": Allein in Köln hatte der Zug 300 Tonnen Süßigkeiten geladen, darunter 700 000 Schokoladentafeln, 220 000 Schachteln Pralinen und 300 000 Mini-Blumensträuße.
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