15.03.2018 - 22:36 Uhr
Deutschland & Welt

Rund 30 Männer festgenommen Randale in Flüchtlingsheim

Der Großeinsatz der Polizei in einem Flüchtlingsheim in Nordschwaben wird zu einem Großeinsatz für die Justiz. Die Polizei nahm bei der stundenlangen Aktion in der Einrichtung in Donauwörth rund 30 Männer fest.

Vor dem Bahnhof stehen sich Polizei und Flüchtlinge gegenüber. Mehr als 100 überwiegend abgelehnte Asylbewerber aus Gambia kamen zum Bahnhof und wollten nach Italien ausreisen. Beim Versuch einer Abschiebung ist die Polizei in Donauwörth auf heftigen Widerstand gestoßen. Bild:dpa
von Agentur DPAProfil

Donauwörth. Nach heftigen Protesten gegen einen Polizeieinsatz im Flüchtlingsheim Donauwörth hat die Staatsanwaltschaft gegen 30 Bewohner Haftbefehle beantragt. Damit sollen fast alle Männer, die zunächst vorübergehend festgenommen wurden, nun ist Gefängnis. "Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft Augsburg besteht der dringende Tatverdacht des Landfriedensbruchs", teilte das Polizeipräsidium in Augsburg zur Begründung mit.

Die Vorführung der überwiegend aus Gambia stammenden Flüchtlinge im Alter von 17 bis 33 Jahren bei den Haftrichtern des Augsburger Amtsgerichtes werde voraussichtlich bis in die Abendstunden des Donnerstags dauern, sagte ein Polizeisprecher. Einige Haftbefehle seien bereits erlassen worden. Das Verhalten einiger Asylbewerber sei "völlig indiskutabel", sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). "Hier bei uns einerseits Schutz und Sicherheit zu suchen, aber andererseits gleichzeitig derartige Randale zu veranstalten und unser Rechtssystem zu missachten, geht gar nicht." Die Deutsche Polizeigewerkschaft verlangte angesichts der Zwischenfälle in dem nordschwäbischen Asylbewerberheim eine Verstärkung der Sicherheitsdienste in den entsprechenden Einrichtungen im ganzen Freistaat. Daran wird laut Herrmann zusammen mit der für die Heime zuständigen Sozialministerin Emilia Müller (CSU) auch bereits gearbeitet. Zudem werde das Polizeipräsidium "je nach Lage die Polizeipräsenz an der Donauwörther Aufnahmeeinrichtung weiter erhöhen".

Am Mittwoch war es in der Aufnahmeeinrichtung zu Widerstandsaktionen der Bewohner gekommen, nachdem die Polizei am frühen Morgen einen Flüchtling wegen einer geplanten Abschiebung abholen wollte. Die Beamten mussten zunächst abziehen und später mit Verstärkung der Bereitschaftspolizei zurückkehren. Insgesamt wurden 32 Männer vorläufig festgenommen. Der Einsatz dauerte bis in die Abendstunden. Die zwei Bewohner, gegen die kein Haftbefehl beantragt wurde, kamen später in andere Wohnheime.

Nach Angaben der Polizei zertrümmerten einige Bewohner eine Reihe von Fensterscheiben und Mobiliar oder warfen Gegenstände in Richtung der Einsatzkräfte. Ein Flüchtling soll sich mit einer Eisenstange den Beamten entgegengestellt haben, er wurde allerdings schnell überwältigt. Ein Diensthund wurde bei dem Einsatz verletzt, Menschen kamen nicht zu Schaden.

"Die Stimmung war insgesamt sehr aggressiv und angeheizt", berichtete Polizeisprecher Siegfried Hartmann. Die Mitarbeiter der vor Ort tätigen Malteser hätten sich sogar in der Rezeption eingesperrt, weil sie mögliche Übergriffe der Bewohner fürchteten. "Sie wurden anschließend von Security-Kräften bei günstiger Gelegenheit in Sicherheit gebracht." Der Bayerische Flüchtlingsrat kritisierte den Polizeieinsatz "als massiven Einschüchterungsversuch" der Asylbewerber. Bayerns Behörden hätten es wohl gerne, wenn Flüchtlinge "ruhig und gelassen" auf ihre Abschiebung warteten.

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