03.09.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Rund um die Themen Geldanlage und Aktienhandel gibt es viele Spruchweisheiten: Eier, Messer und Kanonen

Weisheiten gibt es viele. Manche handeln vom Umgang miteinander, zum Beispiel der Spruch: "Wie man in den Wald ruft, so schallt es heraus." Andere Regeln beschreiben mit bestechender Einfachheit das Wetter: "Nach Regen kommt Sonnenschein" etwa. Wiederum andere Regeln beschäftigen sich mit dem Thema Geld. "Es gibt viele Börsenweisheiten", sagt der Finanzwissenschaftler Professor Martin Weber von der Universität Mannheim. Doch wie viel Wahrheit steckt in solchen Sprüchen?

Im Laufe der Zeit haben Händler an den Börsen viele Regeln aufgestellt. Doch nicht alle dieser Weisheiten sind in der Praxis für Kleinanleger geeignet. Archivbild: hfz
von Agentur DPAProfil

Zahlreiche Börsenregeln entstanden, als die enge globale Vernetzung von Märkten und Börsen sowie sekundenschneller Computerhandel noch Visionen einer fernen Zukunft waren. "Die Weisheiten wurden oft abgeleitet aus Beobachtungen", erklärt Weber. Wertpapierhändler zogen aus ihren Erfahrungen Erkenntnisse, die sie in eingängigen Sätzen zusammenfassten. Einer wissenschaftlichen Überprüfung halten nicht alle Regeln stand, andere erwiesen sich allerdings als richtig.

Lege nie alle Eier in einen Korb: Diese Regel zählt zu den bekanntesten. Die Idee: Nicht nur in eine Anlageform investieren, sondern das Geld verteilen. Experten sind sich einig, dass diese Regel stimmt. "Das ist auch wissenschaftlich nachgewiesen", sagt Weber. "Streuung minimiert das Risiko." Aus einem einfachen Grund: Wer sein Geld über mehrere Anlageklassen verteilt, muss nicht um sein gesamtes Vermögen fürchten, wenn eine Anlage ins Minus rutscht. Im Idealfall gleichen Gewinne einer anderen Anlage dieses Minus sogar wieder aus.

The trend is your friend: Auch diese Regel wird oft bemüht. Die Idee: Wer einem Trend oder anders gesagt einer positiven Entwicklung eines Wertpapiers folgt, gewinnt. Steigt der Kurs, bleibt der Anleger dabei, fällt der Kurs, verkauft er die Aktie. "Das hört sich gut an", sagt Prof. Weber. Aus Sicht des Wissenschaftlers funktioniert das aber für Kleinanleger eher nicht: "Dahinter steckt ja die Idee, dass Kursentwicklungen vorhergesehen werden können."

Greife nie in ein fallendes Messer: Diese Regel beschreibt das Gegenteil der Trend-Regel. Denn wenn die Kurse fallen, so die Annahme, sollten Anleger lieber die Finger davon lassen. Schließlich kann niemand wissen, wie weit die Kurse noch fallen. "Ein Abwärtstrend wird schnell zur Verkaufspanik und somit zu einer Kurslawine", sagt Christian Fischl. "Ein Paradebeispiel dafür war der Zusammenbruch des Neuen Marktes", erklärt der Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Huber, Reuss & Kollegen aus München.

Sell in May and go away - but remember to come back in September: Der Sommer ist Urlaubszeit, auch an der Börse. Warum also nicht die Titel verkaufen, die bis dahin gut gelaufen sind? Dann könnte man die Papiere im September zu günstigeren Preisen wieder kaufen. "Diese alte Börsenregel ist in der Vergangenheit sehr oft eingetreten" sagt Fischl. "Allerdings gibt es immer wieder Jahre, wo genau das Gegenteil eintritt." Eine Garantie, dass diese Regel aufgeht, haben Anleger also nicht.

Kaufe, wenn die Kanonen donnern: Bricht ein Krieg aus, ist das eine schlechte Nachricht. Die Folge: Kurse an den Aktienmärkten geben nach. Anleger, die in dieser Zeit investieren, können daher profitieren, wenn der Konflikt beendet ist, weil die Kurse der soliden Unternehmen dann wieder steigen. "Das hat sich leider in bedauerlicher Weise als richtig erwiesen", erläutert Uwe Zimmer. "Die besten Kaufkurse gibt es leider bei Krieg oder Katastrophen", sagt der Vorstand der Merido Vermögensverwaltung in Köln. "Die Herde verhält sich immer gleich, egal was der Auslöser ist."

Dennoch sollten Anleger sich von dieser Regel nicht zu sehr beeinflussen lassen, betont der Vermögensverwalter Thomas Freiberger. Fehlerhafte Preise könnten entstehen - jedoch in keinem vorhersehbaren Muster, aus dem dauerhaft ein Vorteil entstehen würde.

Hin und her macht Taschen leer: Unruhiges Handeln tut Privatanlegern selten gut. Denn wer Wertpapiere häufig verkauft und wieder kauft hat vor allem eines: hohe Kosten. "Wer hektisch viel kauft und wieder verkauft, macht viele Fehler und die Kassen der Banken voll", sagt Vermögensverwalter Urban. Denn die Geldinstitute kassieren bei jeder Transaktion Gebühren.

Allerdings gibt Prof. Weber zu bedenken: Eine ruhige Hand könne zwar helfen, die Kosten gering zu halten, Anleger sollten ihr Depot aber immer im Auge behalten. Entwickelt sich ein Papier oder eine Anlageklasse grundsätzlich über einen längeren Zeitraum schlecht, kann es durchaus sinnvoll sein, sich davon zu trennen.

Aktien kaufen und schlafen legen: Dieser Rat stammt vom Altmeister der Börse, dem 1999 verstorbenen André Kostolany. Sein Credo: "Kaufen Sie Aktien, nehmen Sie Schlaftabletten." Wer seine Wertpapiere nach vielen Jahren dann wieder anschaut, werde feststellen, dass er reich ist. "Die Zeiten sind vorbei", urteilt Vermögensverwalter Zimmer. "Der liebe André Kostolany stammt aus einer anderen Ära." Denn heute gebe es einen regen Informationsaustausch, weltweit vernetzte Börsen und einen schnellen globalen Handel. "Man kann schnell kalt erwischt werden."

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