01.09.2017 - 19:36 Uhr
Deutschland & Welt

Schlimmster Monsun seit Jahren Katastrophale Monsunzeit

Die jährlichen Regenfälle in Südasien bringen diesmal Leid in einem Ausmaß, das es hier lange nicht mehr gab. Mehr als 1700 Menschen sind in der Monsunzeit gestorben. Während die Welt nach Texas schaut, verlieren die schutzlosesten Bewohner einer armen Region alles.

Ein Vater trägt in Lakhimpur (Indien) seinen Sohn durch ein überflutetes Gebiet. Etwa 41 Millionen Menschen in Indien, Nepal und Bangladesch sind betroffen, teilt die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften mit. Bild: dpa
von Agentur DPAProfil

Kathmandu/Dhaka/Neu Delhi. Was einmal eine Straße war, ist nun ein Fluss. Aus dem Wasser ragen Hausdächer hervor. Ein Boot mit einer obdachlos gewordenen Familie an Bord gleitet vorbei. Mehr als 1700 Menschen sind in Südasien in diesem Sommer bei Überschwemmungen ums Leben gekommen. Monsun ist zwar jedes Jahr, diesmal ist er aber besonders verheerend.

"Wir wurden mitten in der Nacht wach, als ein Fluss in der Nähe überflutete", erzählt der Bauer Lekhnarth Khatri vom Geschehen Mitte August in dem nepalesischen Dorf Jhapa an der indischen Grenze. Die meisten Bewohner hätten sich in einer hochgelegenen Schule in Sicherheit gebracht. Es habe zwei Tage gedauert, bis Helfer Reis und Kochutensilien brachten. "Mehr als 200 Kinder, Frauen und alte Leute hatten zwei Tage lang nichts zu essen." Von der Regierung sei nichts gekommen, erzählt Khatri. "Wir haben unsere gesamte Reisernte verloren, und wir wissen nicht, wie wir ohne Hilfe über die Runden kommen sollen." Auch mit den entstandenen Schäden müssten sie allein zurechtkommen. "Unser Haus ist unbewohnbar geworden, überall ist Schlamm", sagt der 32-Jährige. Auch Kleidung und Bettwäsche sei nun unbrauchbar. Vor allem sei das Dorf immer noch größtenteils von der Außenwelt isoliert. "Unsere Kinder können nicht zur Schule gehen, weil die Fluten die Straßen weggeschwemmt haben."

Teile Südasiens erleben nach Einschätzung des Roten Kreuzes die schlimmsten Überschwemmungen seit Jahrzehnten. Das wiegt umso schwerer, bedenkt man, dass es in der Region jedes Jahr in der Monsunzeit von Juni bis September Hochwasser und Erdrutsche mit hunderten Toten gibt. Etwa 41 Millionen Menschen in Indien, Nepal und Bangladesch seien derzeit betroffen, teilt die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften mit. Einige Dörfer seien komplett abgeschnitten.

Die Behörden hätten keinen Notfallplan, sagt der nepalesische Wasserwirtschaft-Experte Madhukar Upadhya in Kathmandu. "Das Ausmaß mag diesmal anders sein, aber das ist ein jährlich wiederkehrendes Ereignis", sagt er. Es fehle auch an Mitteln - etwa Boote, um Gestrandete zu retten. "Die Katastrophe hat die schutzlosesten Menschen getroffen. Die Folgen werden Krankheit, Armut und Nahrungsknappheit sein. Und es wird bald wieder aus den Nachrichten verschwinden, und dann sind wir wieder am Anfang." In Bangladesch wurden nach offiziellen Angaben seit der zweiten Augustwoche rund 700 000 Häuser beschädigt und gut ein Zehntel davon komplett zerstört.

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