14.09.2017 - 22:10 Uhr
Deutschland & Welt

Sicherheitsvorkehrungen beim Oktoberfest Blumenkübel und Bodycams

Immer wieder diese Bilder: Ein Lastwagen fährt in eine Menschenmenge. In München hatten die Sicherheitsbehörden dieses Szenario schon sehr früh im Auge - und sehen dem Groß-Event Oktoberfest gelassen entgegen.

Der Andrang auf dem Münchener Oktoberfest wird wieder groß sein. Um die Wiesn-Besucher zu schützen, wurden noch mehr Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Bild: Peter Kneffel/dpa
von Agentur DPAProfil

München. Die Wiesnbesucher kommen in diesem Jahr auf ihrem Weg zum Fest an noch mehr Pflanzkübeln mit bunten Blumen vorbei. Sie dienen der Sicherheit: Mehr Betonsperren als bisher sind auf den Zufahrtsstraßen rund um das Festgelände aufgebaut, um letzte Schlupflöcher für möglicherweise heranrasende Autos zu schließen. Nach all den Anschlägen mit Lastwagen wie in Nizza, Berlin und Barcelona haben die Behörden ihre Vorkehrungen für das Oktoberfest nochmals überprüft und verschärft.

Allein an diesem Wochenende, wenn Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) das größte Volksfest der Welt mit dem Anstich eröffnet, werden bis zu 500 000 Menschen erwartet. Besucher dürfen wie schon im Vorjahr keine großen Taschen und Rucksäcke mitbringen. Das Maximalvolumen gibt Wiesnchef Josef Schmid mit "drei Milchtüten" an. Er mahnt: "Lasst die Taschen zu Hause."

Für die Sicherheit sei alles getan, was getan werden könne, heißt es unisono bei Polizei, Sicherheitsbehörden und Stadt. "Wir haben gründlich gearbeitet, wir haben viele Stunden mit den Sicherheitsbehörden zusammengesessen", so Schmid. Bis zu 650 Ordner und damit bis zu 200 mehr als im Vorjahr werden an den Zugängen die Massen kontrollieren. Eine neue Lautsprecheranlage soll die Besucherströme bei einem Alarm besser leiten. Noch mehr und höher auflösende Videokameras überwachen das Festgelände - und sollen auch bei der Festnahme von Dieben helfen, die alljährlich aus vielen Ländern anreisen.

An den Zufahrten gibt es versenkbare Poller als Bollwerk. Dachten die Behörden früher an Selbstmordattentäter mit Autobomben, so geht es heute um Lastwagen als Instrument für tödliche Anschläge. Als Konsequenz wurden sämtliche Lieferwagenfahrer einer Sicherheitsüberprüfung unterzogen. Die Fahrzeuge, die tonnenweise Hendl, Brezen und Würste herankarren, werden in Stichproben kontrolliert.

"Wir sind gut gerüstet", sagt der Pressesprecher der Münchener Polizei, Marcus da Gloria Martins. Rund 600 Polizeibeamte werden im Einsatz sein, einige Teams mit Bodycams. Das soll abschrecken. Wie schon in den Vorjahren gilt über dem Fest ein Flugverbot - auch für Drohnen.

Die Wiesn beginnt im Endspurt der Bundestagswahl. Es gebe grundsätzlich eine Gefahr, dass Terroristen Ereignisse mit großer medialer Aufmerksamkeit nutzten, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) zuletzt. In Frankreich und Großbritannien gebe es Vermutungen, dass Terroristen gezielt die Zeit vor Wahlen für Attacken wählten. Nun wendet sich der Blick der Wirte, der Schausteller und der Festleitung gen Himmel. Nur das Wetter bereitet Schmid Sorgen. Dabei meint er weniger mögliche Stürme. "Wir haben sehr stabile Zeltbauten, da sind wir sehr gelassen", sagt er. Der TÜV habe alle Bauten auf dem Festgelände überprüft. Aber ein verregneter Anstich wäre ein schlechter Start.

Wirte heben Preise kräftig an

Kurz vor dem Auftakt des Münchener Oktoberfests bestätigt eine volkswirtschaftliche Analyse das Gefühl vieler Besucher: Wie Volkswirt Thomas Strobel von der italienischen Bank Unicredit ermittelt hat, steigen die Preise auf dem Oktoberfest diesmal um 3,1 Prozent - deutlich über der Entwicklung der sonstigen Verbraucherpreise. Der Index wird gebildet aus den Preisen für zwei Mass Bier, ein halbes Hendl und eine Fahrkarte der Münchner Verkehrsgesellschaft. 2016 lag die Wiesen-Inflation noch höher bei 3,5 Prozent. Ein anderer Trend: Es wird weniger getrunken. Der Pro-Kopf-Bierkonsum stieg laut Unicredit-Analyse über drei Jahrzehnte von 1985 bis 2016 kontinuierlich von rund 0,9 Litern auf einen Spitzenwert von 1,3 Litern. 2016 aber waren es im Schnitt nur noch 1,18 Liter pro Besucher. (dpa)

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