20.08.2017 - 22:12 Uhr
Deutschland & Welt

Skurriler Rechtsstreit um Königswürde Im Namen des Apfels

In Brandenburg sägt ein Mann am Thron der amtierenden Apfelkönigin. Er will nämlich selbst Hoheit sein. Bei der Abstimmung 2016 ist er gescheitert - jetzt geht es vor Gericht.

Prozess um die Königswürde: Marko Steidel geht gerichtlich gegen die Wahl von Apfelkönigin Antonia Lieske vor. Bild: Bernd Settnik/dpa
von Agentur DPAProfil

Guben. In der brandenburgischen Kleinstadt Guben ist das Ehrenamt als Apfelkönigin so beliebt, dass sogar vor Gericht um den Thron gestritten wird. Alles dreht sich um einen Mann, der sich auf einem Apfelfest vom Volk zur Hoheit wählen lassen wollte. Sein Plan scheiterte - die Krone sitzt auf dem Haupt einer jungen Frau.

Das wollte sich Marko Steidel (42) nicht gefallen lassen und begann zu klagen, inklusive Schadenersatzforderungen von zusammengenommen 25 000 Euro. Am morgigen Dienstag steht die Hauptverhandlung beim Amtsgericht Cottbus an. Die Justiz muss in diesem Verfahren klären, ob die Wahl zur Apfelkönigin im September 2016 gültig war. Steidel will mit seiner Klage erreichen, dass die amtierende Apfelkönigin Antonia Lieske keine Auftritte mehr als Hoheit absolvieren darf. Er ist überzeugt: Die Wahl war manipuliert. Der Anwalt des örtlichen Tourismusvereins, der die Krönung alljährlich ausrichtet, hält die Vorwürfe für haltlos. Als Grund, warum er auf den Titel so scharf ist, nennt der Kläger: "Man kommt rum." Auf seinem Hof in Groß Drewitz bei Guben erklärt der Hobbytrödler, es wäre sein erster Adelstitel gewesen, wenn es beim "Appelfest" geklappt hätte.

Nur noch drei Wochen

Dass die Amtszeit der jetzigen Apfelkönigin in drei Wochen mit der nächsten Wahl ohnehin vorbei sein wird, beeinflusst sein juristisches Vorgehen nicht. Es gehe um Gerechtigkeit. Eines seiner Argumente ist, dass seine Kontrahentin bei der Wahl keinen Führerschein gehabt habe. Das habe es bei allen anderen Apfelköniginnen davor nicht gegeben. Der Verein Marketing und Tourismus Guben beteuert, dass ein Führerschein keine Bedingung gewesen sei.

Keine zweite Chance

Antonia Lieske absolviert einen weiteren Termin mit Krone im blonden Haar. Die 21-Jährige, die eine Ausbildung zur Altenpflegerin macht, ist traurig, dass sie mit dem nächsten Apfelfest am 9. und 10. September keine Königin mehr sein wird. "Dieses Wohin-Fahren, irgendwas darstellen, etwas repräsentieren - das macht mir unheimlich Spaß." Dass ihr Ex-Gegenkandidat gegen ihre Wahl vorgehen will, sei keine Belastung für sie gewesen.

Für die nächste Wahl ließ der Tourismusverein Steidel nicht zu, weil es die Bedingung gab, dass man in den vergangenen zwölf Monaten nicht gerichtlich gegen den Verein vorgegangen sein darf. Auch diese Absage wollte der 42-Jährige nicht hinnehmen und versuchte es mit einer einstweiligen Verfügung - vergeblich.

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