Sturm "Harvey" sorgt für Verwüstungen in Texas
Wasser und kein Ende

Der US-Polizist Daryl Hudeck trägt in Houston (USA) Catherine Pham und ihren Sohn Aiden durch die Fluten. Tropensturm "Harvey" hat im US-Staat Texas schwere Verwüstungen angerichtet und Überschwemmungen verursacht. Ein Ende der Naturkatastrophe ist noch nicht in Sicht. Meteorologen rechnen mit Regenfällen bis zum Ende der Woche. Bild: David J. Phillip/AP/dpa
 
Helfer tragen eine alte Frau im Rollstuhl durch das Wasser auf einer überfluteten Straße. Bild: Jon Shapley/Houston Chronicle/dpa

Zehntausende verlieren ihr Zuhause, noch mehr sind ohne Strom, vielen fehlt sogar Trinkwasser: Sturm "Harvey" hat aus Teilen von Texas ein Katastrophengebiet gemacht. Retter kämpfen gegen die Fluten.

Houston. Die verheerenden Überschwemmungen nach dem Tropensturm "Harvey" machen nach Einschätzung der Behörden bis zu 30 000 Menschen in Texas vorübergehend obdachlos. Besonders betroffen ist die Millionenmetropole Houston, in deren Großraum insgesamt 6,5 Millionen Menschen leben. Die US-Katastrophenschutzbehörde FEMA rief die Bevölkerung auf, sich an den Hilfsarbeiten zu beteiligen. Schnelle Besserung ist nicht in Sicht: "Wir sehen katastrophale Überflutungen, die wahrscheinlich noch schlimmer werden, weil das Wasser nur langsam abfließt", sagte der Leiter des Nationalen Wetterdienstes, Louis Uccellini. Der Sturm sog über den am Ende des Sommers sehr warmen Golf von Mexiko extrem viel Feuchtigkeit auf, die er nun als Regen wieder abgibt. Der heftige Regen ließ in der Nacht zum Montag etwas nach. In den nächsten Tagen könnten weitere 50 Zentimeter Regen pro Quadratmeter zu den ohnehin extremen Wassermengen hinzukommen.

Mindestens zwei Tote

Hunderttausende waren am Montag ohne Strom, weil die oft über Holzmasten verlegten Leitungen der Gewalt von Wind und Wasser nicht standhalten konnten. Mindestens zwei Menschen starben. Die Behörden gehen von weiteren Todesopfern aus. Die Bergung stehe aber bisher nicht im Vordergrund. Die Rettungsmannschaften konzentrierten sich darauf, in Gefahr geratene Menschen in Sicherheit zu bringen. Die Teams gingen mit Booten und Hubschraubern vor. Die Infrastruktur in und um Houston ist weitgehend zusammengebrochen. Der Internationale Flughafen der Stadt ist geschlossen. Auch außerhalb Houstons machte der Sturm viele Häuser dem Erdboden gleich. Verschmutztes Trinkwasser wurde mehr und mehr zum Problem. Die Behörden riefen die Bevölkerung auf, Trinkwasser abzukochen.

Raffinerien geschlossen

"Harvey" bedeute auch für die in der Region von Houston vorherrschende Ölindustrie einen schweren Schlag. Viele Raffinerien sind geschlossen, teilten unter anderem die Ölkonzerne Shell und Exxon mit. Experten gehen davon aus, dass derzeit 22 Prozent der Ölförderung im Golf von Mexiko stillstehen und täglich eine Million Barrel (je 159 Liter) Öl nicht verarbeitet werden. Der Bürgermeister von Houston, Sylvester Turner, verteidigte seine Entscheidung, die Millionenstadt trotz des heraufziehenden Wirbelsturms nicht vorbeugend zu evakuieren. Stattdessen riet die Stadtregierung den Bewohnern, sich innerhalb der Stadt in Sicherheit zu bringen.

Für US-Präsident Donald Trump ist es die erste große Naturkatastrophe, mit der er in seiner rund siebenmonatigen Amtszeit konfrontiert ist. Auf Ersuchen des texanischen Gouverneurs Greg Abbott hatte Trump bereits am Freitag für Teile von Südtexas den Notstand ausgerufen. Damit können rascher Bundeshilfen ins Katastrophengebiet fließen. Das Nationale Hurrikan-Zentrum (NHC) stufte "Harvey" zwar immer weiter herunter, sodass er nun nicht mehr als Hurrikan gilt. Nach Angaben von Meteorologen ist "Harvey" der zweitstärkste Wirbelsturm, seit "Katrina" vor zwölf Jahren die Gegend um New Orleans schwer getroffen hatte.
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