24.02.2017 - 20:00 Uhr
Deutschland & Welt

Todesfall überschattet Wiener Society-Event: Opernball mit trauriger Note

Es ist wie eine Reise in die gute alte, etwas verstaubte Zeit: Auf dem Wiener Opernball drehen sich 5000 Besucher in den schönsten Roben im Dreivierteltakt. Während Richard Lugner im siebten Himmel schwebt, trübt eine Nachricht die Stimmung der anwesenden Politiker.

Der Tod von Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser überschattete den Opernball. Bundeskanzler Christian Kern (Zweiter von links, mit Eveline Steinberger-Kern, Doris Schmidauer und Bundespräsident Alexander Van der Bellen) gedachten sichtlich bewegt der Politikerin. Bild: dpa
von Agentur DPAProfil

Wien. Ein Todesfall überschattete den Staatsball, der diesmal mit einer Schweigeminute begann. Kurz vor Beginn des Festes wurde bekannt, dass die über alle Parteigrenzen hinweg beliebte Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser gestorben war. Die Kinderärztin und SPÖ-Politikerin erlag mit 53 Jahren ihrem Krebsleiden. Sie hatte seit zwei Jahren gegen die Krankheit angekämpft, darüber auch in der Öffentlichkeit gesprochen und bis zuletzt gearbeitet.

Bundeskanzler mit Tränen

Es sei nicht nur ein Tag der Freude, sondern auch ein Abend der Trauer, meinte Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) in einer Ansprache, die auch live im Fernsehen übertragen wurde. "Manche Ereignisse holen einen auf den Boden der Realität zurück", sagte Kern mit Tränen in den Augen. Er verließ den Ball genauso wie Bundespräsident Alexander Van der Bellen kurz nach der Eröffnung.

Die kurzfristigen Planänderungen im Ablauf haben die Organisatorin, die in diesem Jahr erstmals dem Ball vorstand, herausgefordert. "Aber in Wien können wir ja sehr gut improvisieren", sagte Maria Großbauer. Der Opernball sei ein guter Anlass, die Kunst und das Leben zu feiern. Und er ist ein einträgliches Geschäft. Im Vorjahr machte er am Abend einen Reingewinn von 1,1 Millionen Euro.

Musikalischer Höhepunkt war der Auftritt von Startenor Jonas Kaufmann (47). Der gebürtige Münchener gab bei der Eröffnung mit Stimmgewalt und Charisma zwei Stücke zum Besten. "So viel Platz zum Singen hatte ich noch nie", freute er sich. Opernstar Anna Netrebko (45) kam ebenfalls. "Ich freue mich, einmal nicht auftreten zu müssen und den Abend nur genießen zu können", so "Donna Anna".

Richard Lugner bekam von all dem nur wenig mit. Er schwebte mit US-Schauspielerin Goldie Hawn (71) im siebten Himmel. Lugner war so fröhlich wie selten zuvor: Keine cholerischen Ausbrüche oder Verzweiflung über seinen teuer engagierten Stargast wie in den Jahren zuvor. Der 61. Wiener Opernball war für den Bauunternehmer ein Fest der Harmonie. Seine Begleitung gab sich am Donnerstagabend ohne Allüren. Hawn sei wie eine Prinzessin und überhaupt nicht zickig, so der 84-Jährige.

Lugner fröhlich

Die It-Girls Paris Hilton oder Kim Kardashian hatten in der Vergangenheit für mehr Falten auf seiner Stirn gesorgt. Diese waren diesmal nicht nur wegen der jüngsten Botox-Behandlung glatt. Von der schwierigen Zeit, die hinter "Mörtel" liegt, war nichts zu merken. Der Bauunternehmer, der im vergangenen Jahr an Prostatakrebs erkrankte, lebt für den Opernball. Sein Lebenselixier ist das alljährliche Blitzlichtgewitter. Auch Goldie Hawn, die österreichische Wurzeln hat, schien ihren Aufenthalt in der Alpenrepublik tatsächlich zu genießen. Ihre Fans hielt sie via Social Media auf dem Laufenden - Schnitzel und Sacher-Torte essen sowie ein Konzertbesuch.

Medienprofi Goldie Hawn

Auf Alkoholisches verzichtete sie am Opernball, griff lieber zu Tee. "Ich werde manchmal müde, wenn ich Champagner trinke", sagte Hawn dem ORF. Auf andere Interviews verzichtete sie. Sie blieb den ganzen Abend in Lugners Loge. Auch der versprochene Walzer wurde wegen des großen Andrangs kurzfristig abgesagt. Mit Ende des Vertrags, um Punkt Mitternacht, verließ Hawn fast wie Aschenputtel die Oper. Mit einem Lächeln auf den Lippen.

Ansonsten zog der Ball nur wenige andere Stars an. Der Trainer der österreichischen Fußball-Nationalelf, Marcel Koller, feierte bestens gelaunt bis spät in die Nacht. Auf Einladung des österreichischen Finanzministers Hans Jörg Schelling kam die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde. Dabei war auch Cathy Lugner (27). Zu einer Konfrontation zwischen dem Baulöwen und seiner Ex-Frau kam es aber nicht. "Ich werfe nicht mit Schmutz, aber ich bin froh, wenn ich sie nicht mehr sehen muss", sagte Richard Lugner.

 

 

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