Tragödie von Chapecoense
Flugplan zu eng

71 Menschen sind tot - darunter fast die ganze Elf von AF Chapecoense. Weil das Flugzeug, das sie nach Kolumbien bringen sollte, zu wenig Kerosin hatte. Eine an dem Unglücksabend wichtige Person verteidigt sich nun - sie wird bedroht.

Medellín. Nach dem Flugzeugabsturz in Kolumbien mit 71 Todesopfern hat die zuständige Fluglotsin eigene Fehler zurückgewiesen. Sie habe das Menschenmögliche getan, um das Leben der Insassen zu retten, erklärte die Frau in einem Brief, aus dem kolumbianische Medien zitierten. Die Maschine war nach bisherigen Erkenntnissen wegen Treibstoffmangels abgestürzt.

Die Mannschaft des brasilianischen Clubs Chapecoense war auf dem Weg zum Finalhinspiel um den Südamerika-Cup gegen Atlético Nacional Medellín. Nach der Überführung der Leichen ist für diesen Samstag eine große Trauerfeier im Stadion des Fußballclubs geplant.

Die bolivianische Regierung entzog der Charterfluggesellschaft LaMia mit sofortiger Wirkung die Lizenz. Zudem wurde die Spitze der nationalen Luftfahrtbehörde für die Zeit der Ermittlungen freigestellt. Die Maschine vom Typ Avro RJ85 war am Montagabend beim Landeanflug auf Medellín verunglückt. Sechs Insassen überlebten. Die Maschine war von Chapecoense gechartert worden.

Aufs Tanken verzichtet

Es wird spekuliert, ob der Miteigentümer, der als Pilot mit an Bord war, aus Spargründen auf einen Tankstopp verzichtet haben könnte. Nach einem Bericht der bolivianischen Zeitung "El Deber" war der Flugplan zu eng - demnach wurde die Flugzeit mit 4:22 Stunden berechnet, für diese Zeit reichten die Treibstoffvorräte - normalerweise muss aber ein Puffer eingeplant werden, falls auf einen anderen Flughafen ausgewichen werden muss. Daher muss sich die bolivianische Luftfahrtbehörde auf unangenehme Fragen einstellen: Der Flugplan wurde im Vorfeld am Flughafen in Santa Cruz abgenommen.

"Leider waren meine Anstrengungen vergeblich", sagte die Lotsin, die am Flughafen in Medellín im Dienst war. Die Frau beklagte, nach den von Medien veröffentlichten Aufnahmen des Funkverkehrs zwischen dem Piloten und ihr Drohungen erhalten zu haben. "Leider habe ich erreicht, dass Unwissende und Berufsfremde, die die Prozeduren nicht kennen, meine physische Integrität und meine persönliche Ruhe bedrohen", heißt es im Text. Der Vorsitzende der Fluglotsenvereinigung, Carlos Llanos, habe die Echtheit der Erklärung bestätigt, berichtete CNN Español.

Nur Priorität gemeldet

Da der Pilot zunächst nur eine Priorität bei der Erteilung der Landeerlaubnis gemeldet hatte, aber keinen Notfall, war zunächst einem anderen Flugzeug die Landegenehmigung erteilt worden. Es soll ebenfalls Probleme gemeldet haben. Dadurch musste das Flugzeug mit der Fußballelf in eine Warteschleife - rund 15 Kilometer vom Flughafen stürzte es ab.
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