Treffen in Genf
Zypern könten geteilte Inselteile wieder vereinen

 
Noch ein Händedruck, bevor die Zypern-Konferenz in Genf beginnt (von links): der griechische Vertreter Zyperns, Nicos Anastasiades, UN-Generalsekretär António Guterres und der türkische Vertreter Zyperns, Mustafa Akinci. Bild:dpa

Die Zyprer haben die Riesenchance, ihre geteilte Insel wieder zusammenzubringen: Nach bilateraler Vorarbeit in Genf suchen sie mit Hilfe der UN und der Partner aus Athen, Ankara und London den Durchbruch.

Genf. Erstmals seit 43 Jahren verhandelten am Donnerstag in Genf Vertreter der Volksgruppen auf Zypern sowie der Garantiemächte Türkei, Griechenland und Großbritannien über eine Wiedervereinigung der Mittelmeerinsel. UN-Vermittler Espen Barth Eide sprach von einem "historischen Ereignis".

Erbitterte Debatte

Er setzt darauf, dass in den kommenden Tagen eine Lösung mit zwei Bundesstaaten in einem föderalen System zustande kommt. Zunächst reisten die Außenminister an. Im Falle eines Durchbruchs würden auch der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan, der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras und die britische Premierministerin Theresa May nach Genf reisen.

UN-Generalsekretär António Guterres eröffnete die Konferenz. Zuvor wollten griechische und türkische Zyprer noch Landkarten mit ihren Vorschlägen zur Grenzziehung austauschen - eines der größten Streitthemen bei den jahrelangen Versuchen der Annäherung. "Eine emotional sehr geladene Angelegenheit", sagte Eide. Dabei geht es darum, welche Ländereien vertriebene griechische Zyprer zurückbekommen. Umstritten waren bislang auch eine mögliche rotierende Präsidentschaft und die Frage, ob die Türkei als Sicherheitsgarantie weiter Soldaten auf der Insel stationieren darf.

Lösungen erarbeiten

Eide äußerte sich optimistisch über die Erfolgsaussichten: "Wir haben produktive Verhandlungsrunden gehabt." Vorgespräche unter Leitung von Nikos Anastasiades für die griechischen und Mustafa Akinci für die türkischen Zyprer hätten zu den meisten schwierigen Fragen Antworten gefunden. Details nannte er nicht. "Das Prinzip bleibt: Nichts gilt als vereinbart, bis alles vereinbart ist", so Eide. Sollte es ein Abkommen geben, müssten die Zyprer beider Inselteile die Vereinbarung in einem Referendum absegnen.

Seit 1974 ist Zypern nach einem griechischen Putsch und einer türkischen Militärintervention geteilt. Dennoch ist ganz Zypern seit 2004 Mitglied der EU. Das EU-Regelwerk gilt jedoch - solange es keine Lösung des Konflikts gibt - nicht im türkisch-zyprischen Norden.

HintergrundZypern ist gut 9250 Quadratkilometer groß - knapp zwei Prozent der Fläche entfallen auf zwei souveräne britische Stützpunkte. Im Süden leben knapp 900 000 Menschen, mehrheitlich griechische Zyprer.

Auf die türkische Republik Nordzypern entfallen 36 Prozent der Fläche. In dem von türkischen Truppen besetzten Gebiet im Norden leben rund 300 000 Menschen. Davon sind nach Schätzungen nur 135 000 "echte" türkische Zyprer.

Die anderen sind Siedler aus Anatolien sowie etwa 35 000 türkische Soldaten. Die türkischen Zyprer gelten wie ihre griechisch-zyprischen Nachbarn als EU-Bürger. Viele von ihnen haben sich einen Pass oder Ausweis der Republik Zypern besorgt und können damit visumfrei in der EU reisen. Auf den zyprischen Euro-Münzen ist der Name Zypern sowohl auf Griechisch (Kypros) als auch auf Türkisch (Kibris) gedruckt. (dpa)
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