03.12.2017 - 20:54 Uhr
Deutschland & Welt

Unglück in Prag Brücke stürzt in die Moldau

Sie sind auf einem Spaziergang, als die Brücke unter ihnen plötzlich einbricht: Vier Menschen entgehen in Prag nur knapp dem Tod.

Bizarre Trümmer am Moldaustrand: Eine 260 Meter lange Fußgängerbrücke ist am Samstag in Prag eingestürzt. Vier Menschen wurden verletzt. Medien kritisieren die Stadtverwaltung. Bild: Kateøina Sulová/CTK/dpa
von Agentur DPAProfil

Prag. Beim Einsturz einer Fußgängerbrücke über die Moldau sind am Samstag in Prag vier Menschen verletzt worden. Ein 60 Jahre alter Mann und eine 63 Jahre alte Frau kamen mit zahlreichen schweren Verletzungen auf die Intensivstation. Zwei weitere Menschen zogen sich Prellungen und Gelenkverletzungen zu, wie der tschechische Rettungsdienst mitteilte. Die 260 Meter lange Fußgängerbrücke aus dem Jahr 1984 verband den nördlichen Stadtteil Troja, wo sich der Botanische und der Zoologische Garten befinden, mit der sogenannten Kaiserinsel.

Suche nach Verschütteten

Die als Hängebrücke ausgeführte Konstruktion gab am Samstagnachmittag unvermittelt nach. Der Gehweg aus Betonplatten war an Stahlseilen aufgehängt und fiel auf voller Länge in den Fluss. Nur noch das Geländer ragte aus dem Wasser. "Ich habe einen merkwürdigen Knall gehört", berichtete ein Kajakfahrer der Zeitung "Blesk". Die Feuerwehr forschte stundenlang nach möglichen Verschütteten unter den Trümmern. Die Retter suchten mit Booten und Tauchern, Spürhunden sowie einem Hubschrauber mit Wärmebildkamera, die Polizei stellte den Schiffsverkehr vorübergehend ein. Es wurde kein weiteres Opfer gefunden.

Kritik an der Stadt

Wieso die Brücke für Fußgänger und Fahrradfahrer einstürzte, soll nun ein Statiker klären. Die Medien erhoben schwere Vorwürfe gegen die Stadtverwaltung. Demnach habe ein Gutachten aus dem Jahr 2012 die weitere Lebensdauer der Brücke auf maximal fünf bis sieben Jahre geschätzt. Die Spannseile seien durch Rost geschwächt gewesen. Oppositionspolitiker kritisierten, der Unterhalt der Brücken in der Moldaumetropole werde seit Jahren vernachlässigt.

Der Stadtrat kam zu einer Sondersitzung zusammen. Prag entging offenbar nur knapp einer größeren Katastrophe: Im Sommer wären auf dem Weg in den Zoo viele Familien mit Kindern über die Brücke geströmt. Zur Überquerung der Moldau an dieser Stelle soll nun provisorisch eine Fährverbindung eingerichtet werden.

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