02.08.2017 - 18:54 Uhr
Deutschland & Welt

Unwetter über Deutschland Baum erschläft 15-jährigen Jungen

Ein Sturm fegt in der Nacht zum Mittwoch über den Schwarzwald und entwurzelt zahlreiche Bäume. Ein 30 Meter hoher Stamm kracht auf das Zelt einer Jugendgruppe, ein 15-jähriger Junge stirbt.

Blitze erhellen die Nacht über dem Windenergiepark Odervorland im Landkreis Oder-Spree nahe Sieversdorf (Brandenburg). Bild: Patrick Pleul/dpa
von Agentur DPAProfil

Rickenbach/Offenbach. In Deutschland ist es bereits der mindestens sechste unwetterbedingte Todesfall in diesem Jahr. Drei Jugendliche wurden bei dem Unglück auf einem Waldspielplatz in Rickenbach nahe der Schweizer Grenze verletzt, wie die Polizei mitteilte. Die Beamten gingen davon aus, dass der Sturm den Baum auf das Zelt stürzen ließ, Anzeichen eines Blitzeinschlags gab es nicht. Nur ein Teil der Gruppe hatte im Zelt übernachtet, die anderen in einer Schutzhütte aus Holz.

Die Wandergruppe mit 17 Jugendlichen im Alter von 13 bis 16 Jahren und vier Betreuern kam nach dpa-Informationen aus der Nähe von Böblingen und gehörte zu einem größeren Camp der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Rund 100 Teilnehmer hätten sich zu einem einwöchigen Zeltlager bei Lörrach aufgehalten, sagte der Präsident des DLRG-Landesverbands Württemberg, Armin Flohr. Die Jugendlichen, die es in Rickenbach traf, seien zu einer Tour aufgebrochen.

Zum Zeitpunkt des Unglücks gegen 2 Uhr fegten orkanartige Stürme über die Region: Etwa 14 Kilometer vom Unglücksort entfernt wurden im Kreis Waldshut Spitzengeschwindigkeiten von 110 Kilometern pro Stunde gemessen, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) mitteilte. Zwischen 2 Uhr und 3 Uhr war es einem Meteorologen zufolge besonders heftig.

In unmittelbarer Nähe des Unglücksortes stürzte ein weiterer, 40 Meter hoher Baum um. Am Vormittag sicherten Ermittler der Kriminalpolizei Spuren und dokumentierten mit einer exakten Vermessung den Unglücksort. Das Unglück beschäftigt auch die Staatsanwaltschaft. Es gehe um einen nicht natürlichen Todesfall. "Da wird die Staatsanwaltschaft informiert", sagte eine Sprecherin. Ob es Ermittlungen gibt, war zunächst nicht bekannt.

Das Unwetter kam nach Darstellung der Feuerwehr überraschend. Der DWD hatte allerdings eine großflächige Unwetterwarnung für Baden-Württemberg ausgegeben. In Waldkirch bei Freiburg löste ein Blitzeinschlag in der Nacht zum Mittwoch einen Schmorbrand in einem Tunnel aus. Wie die Polizei mitteilte, musste er wegen des Rauchs und technischer Störungen gesperrt werden und war erst am Nachmittag wieder befahrbar. In Konstanz rissen Böen das Flachdach einer Firma ab. Auf der Halbinsel Höri bei Radolfzell stürzte ein Baum auf einen Wohnwagen. Verletzt wurde niemand.

Nach Angaben des DWD werden die Aussichten für Deutschland nun wieder freundlicher: Nach einem regnerischen Tagesauftakt im Norden und in der Mitte Deutschlands soll es am Donnerstag nur noch einzelne Schauer und Gewitter geben. Vor allem im Süden scheine häufiger die Sonne. Mit Unwettern sei nur noch vereinzelt zu rechnen. Die Temperatur erreicht Höchstwerte zwischen 19 Grad an der Nordsee und 33 Grad in Südostbayern.

Sechs Todesopfer durch Unwetter

Unwetter haben in Deutschland allein in diesem Jahr schon sechs Menschen das Leben gekostet - darunter das jüngste Opfer in Baden-Württemberg. Ein Rückblick:

19. Juli: Bei heftigen Gewittern mit starkem Regen, Sturm, Hagel und Blitzeinschlägen wird eine 51 Jahre alte Frau in Dortmund unter einem umgestürzten Baum eingeklemmt. Sie stirbt im Krankenhaus.

22. Juni: In Niedersachsen erschlägt ein umstürzender Baum einen 50 Jahre alten Mann in seinem Auto. Eine 83 Jahre alte Autofahrerin stirbt nach dem Zusammenprall mit einem umgestürzten Baum.

7. Juni: Ein drei Meter langer Ast erschlägt eine 73 Jahre alte Spaziergängerin in Sachsen. Er hatte sich bei starkem Wind in rund 15 Metern Höhe gelöst.

18. März: Eine Autofahrerin in Brandenburg wird nahe der polnischen Grenze tödlich verletzt. Ein Baum stürzte auf ihr Auto. (dpa)

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