21.02.2018 - 22:22 Uhr
Deutschland & Welt

Urteil des Oberverwaltungsgerichts Bremen Profi-Vereine sollen für Polizeieinsätze zahlen

Deutlicher hätte die Schlappe für die Deutsche Fußball-Liga im Streit mit Bremen um Kosten für Polizeieinsätze nicht ausfallen können. Es geht um Millionen. Einige Länder dürften nun hellhörig werden. Bei der Liga schrillen die Alarmglocken. Auch der DFB ist empört.

"Der Kampf gegen Gewalt darf nicht privatisiert und kommerzialisiert werden, sondern ist Aufgabe der Polizei." Zitat: DFB-Präsident Reinhard Grindel
von Agentur DPAProfil

Bremen/Frankfurt. Auf den Profifußball in Deutschland kommen möglicherweise Millionenforderungen für polizeiliche Mehrkosten bei Hochrisikospielen der Bundesliga zu. Das Oberverwaltungsgericht (OVG) Bremen billigte im Grundsatz entsprechende Gebührenbescheide des Bundeslandes Bremen an die Deutsche Fußball-Liga (DFL) und gab dem Stadtstaat am Mittwoch in fast allen Punkten Recht. "Ein guter Tag für den Steuerzahler", so Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD), der auf Nachahmer in den Reihen der Bundesländer hofft. Das an Bundesliga-Standorten reiche Nordrhein-Westfalen reagierte zurückhaltend. Hamburg will den Bremer Weg nicht gehen. Der Innenminister von Rheinland-Pfalz, Roger Lewentz (SPD), begrüßte das Urteil. Es sei zwar noch nicht rechtskräftig, treffe aber den richtigen Tenor. "Die zunehmende Wirtschaftskraft der Profivereine und der Deutschen Fußball-Liga gibt es durchaus her, dass Clubs und DFL an den Kosten für Hochrisikospiele beteiligt werden", so Lewentz. Im Bundesinnenministerium will man abwarten. Die Richterin und OVG-Präsidentin Ilsemarie Meyer ließ in ihrer über einstündigen Urteilsbegründung keinen Zweifel, dass die Forderungen Bremens nach einer Kostenbeteiligung rechtmäßig sind. Die DFL sei als Mitveranstalter zu sehen, und Bremen dürfe sie deshalb zu den Gebühren heranziehen.

Die DFL kündigte Revision beim Bundesverwaltungsgericht an. "Der Fußball ist nicht Verursacher von Gewalt, und eine bloße Umverteilung von Kosten führt nicht zur notwendigen Reduzierung der Polizeieinsätze", sagte Liga-Präsident Reinhard Rauball. Sein Argument: Die öffentliche Sicherheit ist Kernaufgabe des Staates. DFB-Präsident Reinhard Grindel sieht das ähnlich: "Der Fußball ist nicht Störer. Störer sind Gewalttäter, die die Plattform des Fußballs ausnutzen. " Seite 13

Der Kampf gegen Gewalt darf nicht privatisiert und kommerzialisiert werden, sondern ist Aufgabe der Polizei.DFB-Präsident Reinhard Grindel
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