Urteil gegen Todesschützen Dylann Roof
Rassistischer Mörder von Charleston schuldig gesprochen

Dylann Roof (Mitte) wurde während des Prozesses per Videoübertragung zugeschaltet. Die Geschworenen sprachen ihn schuldig. Bild: dpa

Dylann Roofs Tat hat weit über die USA hinaus viele Menschen schockiert. Der selbst ernannte Rassist platzte in eine Bibelstunde in Charleston und eröffnete das Feuer auf Schwarze. Die Geschworenen haben nun ihr Urteil gefällt.

Charleston. Zwei Stunden berät die Geschworenen-Jury. Drei Schwarze, neun Weiße. Dann spricht sie ihr Urteil: "Dylann Storm Roof ist schuldig." Neun Menschen hat Roof getötet, in einer Kirche in Charleston. In den USA ragte seine entsetzliche Tat aus vielen rassistischen Zwischenfällen der vergangenen Jahre heraus. Sie bewegte US-Präsident Barack Obama dazu, bei einer Gedenkfeier für die Opfer das "Amazing Grace" zu singen, Hymne von Schwarzen und Menschenrechtlern.

70 Schüsse abgegeben

Der Abend des 17. Juni 2015. Die Emanuel Kirche in Charleston, ein Gotteshaus afroamerikanischer Methodisten. Eine Bibelstunde. Das Video einer Sicherheitskamera zeigt Roof beim Betreten und Verlassen der Kirche. Später wird er sagen, tatsächlich habe er sich fast nicht getraut - dann aber habe er sich doch entschlossen. Erst 22 Jahre alt, betritt Roof die Kirche und feuert mit seiner Glock Pistole, Kaliber 45, auf die wehrlosen Gläubigen. 70 Mal, sagt der Staatsanwalt. Später wird Roof sich selber als Rassisten bezeichnen, die "Überlegenheit der weißen Rasse" in Anspruch nehmen. Alle Opfer waren Schwarze. Später sagt Roof, er habe einen Krieg zwischen Schwarz und Weiß anzetteln wollen: "Mit einer geplanten, durchdachten, schrecklichen Attacke."

In 33 Punkten war Roof vor dem Bundesgericht angeklagt, unter anderem wegen Mordes und Hassverbrechens. Er wurde in allen Punkten schuldig gesprochen. Für seine Tat fordert die Staatsanwaltschaft die Todesstrafe. Die Jury wird ab dem 3. Januar beraten, ob Roof hingerichtet werden oder lebenslang ins Gefängnis kommen soll. Die Verteidigung hatte gar nicht den Versuch gemacht, Roofs Unschuld zu beweisen. Stattdessen versuchte sie, ihn als Einzelgänger zu zeichnen, irregeleitet von rassistischer Hetze im Internet. Staatsanwaltschaft und die Jury des Bundesgerichts folgten dem nicht.

"Gefühlloser Hass"

Sie beschrieben Roof als kaltblütigen, methodischen Mörder, voll von grenzenlosem Hass. Sechs Mal hat er die Kirche vor seiner Bluttat ausgekundschaftet, schreibt die Zeitung "The Post and Courier". Monatelang sammelte er Munition. Staatsanwalt Jay Richardson sagte: "Er hat sich entschieden, neun gute und unschuldige Frauen und Männer hinzurichten - aus gefühllosem Hass auf ihre Hautfarbe." Roof verfolgte Flüchtende, schoss auf Liegende, auf Menschen, die sich unter Tischen versteckten. Eine Frau verschonte er gezielt und sagte: "Ich werde dich hier lassen, damit du die Geschichte erzählen kannst."
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