Verheerendes Signal an die Männer

Leserbrief eines Urologen zu den Artikeln "Abzocke in Arztpraxen" und "IGel hat so manchen Stachel":

In den beiden Artikeln werden die "Individuellen Gesundheitsleistungen" (IGel) in Arztpraxen als weitgehend unnötig bzw. als "Abzocke" bezeichnet. So wird auch der PSA-Test, mit dem eine Früherkennung von Prostatakrebs möglich ist, kritisiert.

Wenn man bedenkt, dass Prostatakrebs mittlerweile die häufigste Krebsart beim Mann ist (60 000 Neuerkrankungen in Deutschland/Jahr, 12 000 Männer sterben jährlich daran) und Männer leider "Vorsorgemuffel" sind, stellt die Aussage "solange ein Mann keine Beschwerden mit seiner Prostata hat, hat die . . . Bestimmung des PSA-Wertes zur Krebs-Früherkennung keinen Sinn" ein verheerendes Signal an die Männer dar.

Warum soll man dann überhaupt noch zur Vorsorge gehen? Woher kommen solche Aussagen, die alle Bemühungen, Männer zur Vorsorge zu animieren, konterkarieren? Man muss wissen, dass der IGel-Monitor, auf den sich die Artikel beziehen, vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen herausgegeben und vom Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung finanziert wird. Diese haben natürlich kein Interesse zuzugeben, dass es sinnvolle medizinische Leistungen gibt, die die Kassen nicht übernehmen. Sie behaupten, dass der PSA-Test tendenziell negativ zu bewerten ist. Aktuelle wissenschaftliche Studien zeigen das Gegenteil. Nach Daten, die Mitte März auf dem Europäischen Urologenkongress in Mailand vorgestellt wurden, führt das PSA-Screening zu einer Reduktion der Sterblichkeit an Prostatakrebs um 20 Prozent.

Es wäre den Krankenkassen anzuraten, ihre Versicherten objektiv zu informieren und Leistungen, die sie nicht übernehmen, nicht einfach als "Abzocke" zu diffamieren.

Dr. Dietrich Schreyer92224 Amberg
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