Vollmundige Versprechen
Briefe an die Redaktion

Die Windrad-Diskussion wird immer wieder neu entfacht. Diesmal geht es um den sogenannten "Bürgerwindpark" bei Ellenfeld

Über eine "Bürgerwindpark Ellenfeld GmbH & Co.KG" versucht man Investoren zu finden für den dortigen Windpark. Schon der Name allein ist eine Verhöhnung der Bürger, die im Einzugsbereich der Anlagen wohnen und direkt betroffen sind. Denn die "Bürger" in unseren Gemeinden sprechen sich mit großer Mehrheit gegen eine Errichtung von Windkraftanlagen aus.

Was sind die vollmundigen Versprechen von Windkraftprojektanten wert? Über die "gemessene" Windgeschwindigkeit auf Rotorhöhe vom Boden aus vor Erstellung des Bauantrags wird die Rendite d hochgerechnet. Die Messungen sind äußerst zweifelhaft. Simmersfeld/Nordschwarzwald ist das krasseste Beispiel. Auf 760 m.ü.NN wurde ein Windpark errichtet. Prognose 64 Millionen Kilowattstunden - tatsächlicher Ertrag 34 Millionen. Ein Minus 47 Prozent.

Im Hochschwarzwald liegt der Ertrag im Schnitt 20 Prozent unter den Prognosen! Keine Gewinne heißt für die Gemeinden keine Gewerbesteuer. Aber mit diesen Versprechungen wurden sie in die WKA-Falle gelockt. Die falschen Prognosen ziehen sich wie ein roter Faden vom Nordschwarzwald bis zum Hochschwarzwald, über das Allgäu bis nach Oberfranken.
Die ersten Windkraftanlagen in Oberfranken sind insolvent. Die hochgepriesenen WKAs um Hof mit gemessenen Windgeschwindigkeiten von 6,5 Meter pro Sekunde und sechs bis acht Prozent versprochener Rendite liegen im Ertrag deutlich unter den Erwartungen. Wie Bärnau zehn bis zwölf Prozent Rendite mit ähnlichen Werten erzielen will, bleibt das Geheimnis der Projektanten, die ihre Provisionen eingestrichen haben.

Der Rechtsstatus einer "GmbH & Co KG" heißt nichts anderes, als dass die Mindesteinlage 25 000 Euro beträgt, der Rest ist hohe finanzielle Verpflichtung mit vollem Risiko. Vor dem Hintergrund muss man sich wundern, dass die Stadt Bärnau mit ihrem Stadtwald bürgt.

Peter Meyer95695 Mähring

Windradvirus breitet sich infektiös aus

Ist erst einmal ein Standort für Windkraftanlagen gefunden, wird dieser voll ausgeschöpft. Bei 600 Hektar Waldfläche im Pfuderforst, die der Regionalplan Oberpfalz Nord immer noch vorsieht, wäre es das Potenzial für ca. 60 Windkraftanlagen.
In Hof-Gattendorf waren es zunächst auch nur fünf Anlagen, die gebaut wurden, jetzt sind es bereits 18. Im Landkreis Hof stehen heute 60 Anlagen, weitere 40 sind genehmigt. Es gehört eine Portion Naivität dazu, wenn eine Interessensgruppe eine Fläche für Windindustrieanlagen auf dem Tablett serviert; dann kommt es noch hurtiger zur Verwirklichung als in Gattendorf oder neuerdings Ellenfeld, wo zu zwei kleinen Anlagen jetzt die großen kommen.

Einmal vom Windradvirus befallen breitet sich dieser infektiös aus. Gierige Kapitalgeber gibt es mehr als einem lieb sein kann. Was soll da der besänftigende Hinweis auf zwei Prozent der Stadtfläche Waldsassens? Der Blick wird zig-kilometerweit auf diese Drehspieße hin gefangen und aus unserer wunderschönen Landschaft weggelenkt. Und neben den Schäden an der Gesundheit durch Lärm und Infraschall sowie der Tierwelt ist dies für uns Menschen die unmittelbarste Verletzung unserer Lebenswelt.

Und da ist es egal, ob die Windraddreizacke auf Waldsassener, Leonberger oder Bärnauer Gebiet ständen, überall stören sie. Jede Anbiederung - ich bin Waldsassener - kann ich deshalb nur als Basilikaturm-Florians-Prinzip bezeichnen. Die rechtliche Frage, was Vorrang hat, geschützte Tiere oder Landschaft, tut hier nichts zur Sache, auch, weil beides sehr die Existenz des Menschen berührt.
Weiden bekommt jedenfalls wegen des Vorhandenseins geschützter Tiere keine Windkraft. Der Unsinn von Windkraft an Land muss auch technisch, nicht nur "idealistisch", verstanden werden, von Speicherunfähigkeit bis Nennleistung versus tatsächlich erzeugter Strommenge. Wie kommen wir im arbeitsplatzarmen Stiftland dazu, uns von dieser strompreistreibenden Windkraft ausnehmen zu lassen, wo sie uns nicht mal mit dauerhaften Arbeitsplätzen locken kann? Die Finanzindustrie wird mit dieser Windkraftplanwirtschaft zugunsten weniger oft weit weg wohnender Investoren in Gang gehalten. Sogenannte Bürgerwindräder sollen dabei die Trostpflästerchen sein. Deshalb: Wehret den Anfängen!

Die amtlichen Bekanntmachungen aus dem Landratsamt vom 16. April zeugen vom Anfang der Verspargelung rund um Ellenfeld-Ahornberg. Weitere drei Windparke (was für ein Wort!) verjagen bzw. belasten Tiere und Menschen. Und die schönen Hügel vor dem auch ins Visier genommenen Grenzkamm werden zum plumpen Industriegebiet. Tourismus ade!
Abschließend ein Hoch auf den Egerer Oberbürgermeister Pavel Vanousek, der, erwartet, dass bei in Grenznähe geplanten Windkraftanlagen auch die Nachbarn in die Planungen einbezogen werden. Deutsche Investoren-Anträge seien abgelehnt worden, wenn sie Windkraftanlagen auf tschechischer Seite in Grenznähe beinhalteten. Den gleichen Schneid und Sachverstand würden wir liebend gerne von Bürgermeistern diesseits der Grenze erwarten.

Josef Kolb 95671 Bärnau

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