03.04.2018 - 12:43 Uhr
Deutschland & Welt

Wer tagsüber normal sehen kann, aber in der Dämmerung und bei Dunkelheit Probleme mit der Sicht hat, kann nachtblind sein Wenn es dunkel bleibt

Beim Einfahren oder Verlassen eines Tunnels sind alle Menschen kurzzeitig „blind“. Normalerweise passt sich das Auge mit der Zeit an. Doch manche Menschen sehen im Dunkeln und bei Dämmerung deutlich schlechter als bei Tag, bei Nacht oft gar nichts mehr.

von Gesund & VitalProfil

Die Medizin bezeichnet diese Sehstörung als Nachtblindheit oder Hemeralopie. der Grund: die dafür verantwortlichen Sinneszellen auf der Netzhaut, genannt Stäbchen, funktionieren nicht richtig. Das Auge passt sich nicht an die Lichtverhältnisse an.

Zapfen und Stäbchen

In der Netzhaut des Auges befinden sich zwei verschiedene Sinneszellen (Photorezeptoren), die für die Sehfähigkeit sorgen: die Zapfen und die Stäbchen. während die Zapfen für das farbige Sehen bei tag zuständig sind, unterscheidet das Auge über die Stäbchen zwischen hell und dunkel. das ist vor allem in der Dämmerung und nachts wichtig.

Begibt sich jemand aus dem hellen in einen dunklen Raum, muss sich das Auge den neuen Lichtverhältnissen anpassen. Mediziner nennen das Dunkeladaption. Über die Stäbchen wird die Netzhaut lichtempfindlicher, was das Sehen im Dunkeln ermöglicht. dieser Vorgang dauert etwa 30 Minuten. die ersten fünf Minuten ist jeder Mensch im Dunkeln zunächst „blind“. Erst dann können wir beispielsweise Umrisse in der Dunkelheit erkennen. die Stäbchenzellen können etwa 500 Schattierungen wahrnehmen.

Verschiedene Auslöser

Nachtblindheit kann verschiedene Gründe haben. Zum Beispiel tritt sie bei der angeborenen Augenkrankheit rethinopathia pigmentosa auf. dabei handelt es sich um eine Netzhaut Degeneration, bei der die Photorezeptoren zerstört werden. Allerdings kann auch Diabetes mellitus der Auslöser für Nachtblindheit sein. durch die „Zuckerkrankheit“ kann es zu Netzhautschäden kommen, dabei sind häufig die Sinneszellen der Netzhaut (Zapfen, Stäbchen) betroffen. Auch durch Leberschäden oder Magen-Darm-Erkrankungen kann es zu Nachtblindheit kommen. Generell gilt oft ein Mangel an Vitamin A als Ursache, allerdings kommt das in Westeuropa kaum vor. Bei einem Vitamin-A-Mangel kann in den Stäbchen nicht genügend Rhodopsin (Sehpurpur) gebildet werden.

Die Erkrankung beginnt schleichend, Betroffene sind meistens zwischen 30 und 50 Jahren alt. Erst wenn eine bestimmte Schwelle erreicht ist, merkt derjenige, dass er im Vergleich zu anderen Menschen bei Dämmerung oder in der Nacht wesentlich schlechter sieht und sich hilfloser fühlt. Nachtblindheit ist mit durch die Augenkrankheit rethinopathia pigmentosa vererbbar und kann in diesem Fall bereits im Alter von zwei Jahren auftreten.

Kurzsichtigkeit und ein eingeschränktes Sichtfeld können erste Anzeichen sein. Im Laufe des Lebens verschlechtern sich die Symptome. Allerdings haben lediglich 0,04 Prozent der deutschen diese Krankheit. Echte Nachtblindheit ist also sehr selten. Menschen, die nachtblind sind, sollten das Autofahren bei Dunkelheit oder Dämmerung vermeiden. doch das sind nicht die einzigen Einschränkungen. Auch der Abendspaziergang oder der Kinobesuch bringt die Probleme zum Vorschein.

Arzt zu Rate ziehen

grundsätzlich gilt es dann einen Augenarzt aufzusuchen. Ob eine Nachtblindheit besteht und wenn ja, welche Form, stellt der Arzt mithilfe verschiedener Untersuchungen fest. Anfangs wird er sich ausführlich mit Ihnen über Ihre Beschwerden und Ihre Krankengeschichte unterhalten. Mit einem Adaptometer kann der Augenarzt dann bestimmen, wie gut sich das Auge an einen Wechsel der Lichtverhältnisse anpasst und ob Nachtblindheit vorliegt. Anhand eines Elektroretinogramms kann die Augenkrankheit rethinopathia pigmentosa festgestellt werden, noch bevor der Patient es selbst bemerkt. Bei Untersuchungen mit einem Nyktometer wird das Kontrastsehen in der Dunkelheit mit und ohne Blendung gemessen. das ist vor allem für Autofahrer, die Probleme haben nachts zu sehen, relevant. Mithilfe der medizinischen Untersuchung in der augenärztlichen Praxis finden sich weitere Unterscheidungsmerkmale wie zahlreiche helle Flecken in der Netzhaut (Fundus Albipunctatus) oder eine goldgelbe Färbung des Augenhintergrund. Etwa ein Drittel der Patienten mit hellen Flecken auf der Netzhaut entwickelt zusätzlich zur Nachtblindheit im Lauf des Lebens eine zunehmende Farbenblindheit. grauer Star oder eine Linsentrübung im Auge führen nicht zu echter Nachtblindheit, können aber ähnliche Auswirkungen haben. Allerdings können diese Erkrankungen mit einer Sehhilfe oder durch eine Operation gelindert werden.

Angeborene Nachtblindheit ist nicht heilbar. Auch, wenn sie aufgrund einer anderen Krankheit erworben worden ist, gibt es derzeit keine Therapiemöglichkeit. Allerdings erhoffen sich Wissenschaftler, dass die erblich bedingten Formen der Nachtblindheit in Zukunft durch neue Therapieformen wie Gentherapie oder Stammzelltransplantation geheilt werden können. Die erworbene Nachtblindheit durch Vitamin-A-Mangel ist behandelbar: Liegt die Ursache in einer Mangelernährung oder Darm- oder Lebererkrankungen, kann die zusätzliche Gabe von Vitamin A die Symptome bessern. Im Normalfall stellt eine gesunde Ernährung sicher, dass der Körper genug Vitamin A aufnimmt. Fisch, Fleisch, Eier sowie rotes und gelbes Gemüse, wie Karotten, Paprika oder Tomaten sind Lieferanten des wichtigen Vitamins.

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