11.10.2017 - 22:12 Uhr
Deutschland & Welt

Wissenschaftler weisen Männern egoistisches Verhalten nach Teilen ist weiblich

"Gib den anderen doch was ab", bekommt ein Mädchen häufiger gesagt. "Wehr dich, lass dir nix wegnehmen", heißt es bei einem Jungen eher. Im Gehirn hinterlässt das lebenslang Spuren: Teilen macht Frauen im Mittel glücklicher als Männer.

von Agentur DPAProfil

Zürich. Frauen teilen eher als Männer - weil ihr Belohnungszentrum im Gehirn dabei stärker aktiviert wird. Das zeigt eine neurologische Studie aus der Schweiz. Die Forscher hatten mit einem Medikament die Aktivität des Belohnungszentrums blockiert. Frauen verhielten sich daraufhin in Tests egoistischer, Männer wurden großzügiger.

Die Wissenschaftler nehmen an, dass das geschlechtsabhängige Verhalten von der Gesellschaft antrainiert wird. Die Ergebnisse sind im Fachmagazin "Nature Human Behaviour" veröffentlicht. Das Forscherteam um Alexander Soutschek von der Universität Zürich hatte mit 21 Männern und 19 Frauen einen Verhaltenstest gemacht, während sie in einem Kernspintomographen (MRI) lagen. Die Teilnehmer sollten entscheiden, ob sie lieber eine größere Summe Geld für sich allein haben wollen oder eine kleinere Summe für jeweils sich selbst und einen anonymen Mitspieler. Das Geld wurde beiden tatsächlich ausgezahlt. Die Teilnehmer entschieden sich für eine Variante, indem sie die Pfeiltasten einer Tastatur drückten. Aus vorherigen Studien war bereits bekannt, dass Frauen das Geld bei diesem Standardtest häufiger teilen als Männer.

Die Forscher untersuchten während des Tests die Aktivität des Striatums, eines Bereiches in der Hirnmitte, der für die Bewertungs- und Belohnungsverarbeitung zuständig und bei jeder Entscheidung aktiv ist. Er bewirkt positive Gefühle, indem die Ausschüttung von Glückshormonen wie Endorphinen ausgelöst wird. Der Hirnbereich war bei Frauen besonders aktiv, wenn sie teilten, wie die Forscher berichten. Bei Männern hingegen war er aktiver, wenn sie eine egoistische Entscheidung trafen. Um diese ersten Ergebnisse zu überprüfen, führte das Team den Test noch einmal mit 65 anderen Teilnehmern durch, ohne dabei das Gehirn zu scannen. Untersucht wurde nun, ob sich das Verhalten ändert, wenn die Aktivität des Striatums durch Medikamente unterdrückt wird. Die Hälfte der Gruppe bekam dazu den Wirkstoff Amisulprid. Dieser hemmt den Botenstoff Dopamin, der das Belohnungssystem aktiviert. Die andere Hälfte der Gruppe erhielt ein wirkungsloses Placebo. Die Forscher konnten damit erstmals neurologisch nachweisen, dass das männliche Gehirn eher egoistische Entscheidungen belohnt, das Gehirn der Frauen eher soziale Entscheidungen. Dies sei allerdings nicht angeboren,. Das Belohnungszentrum sei stark mit Lernprozessen im Gehirn verbunden: "Frauen lernen eher, eine Belohnung für pro-soziales als für egoistisches Verhalten zu erwarten".

Deutschland nur Mittelmaß

Deutschland ist bei der Gleichstellung der Geschlechter gemäß einer EU-Untersuchung nur Mittelmaß. Im Index für 2017, den das Europäische Institut für Geschlechter-Gleichstellung am Mittwoch in Brüssel vorlegte, kam die Bundesrepublik unter allen 28 EU-Ländern im Gesamt-Ranking auf den zwölften Platz. Abgerutscht ist Deutschland nach den Berechnungen des EU-Instituts bei der Bildung: Vor allem wegen der großen Unterschiede bei der Fächerwahl von Studentinnen und Studenten kam das Land nur noch auf Platz 25, hinter Estland und vor Rumänien. Zuletzt hatte es noch für Platz 16 gereicht. "Die Segregation bei Ausbildung und Arbeitsmarkt ist sehr groß", sagte die Direktorin des Instituts, Virginija Langbakk. Und diese Kluft werde tiefer. Nach wie vor studierten vor allem Männer mathematisch-naturwissenschaftliche Fächer und würden Ingenieure. (dpa)

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