26.03.2018 - 20:38 Uhr
Deutschland & Welt

Zukunftsforscher präsentieren neues Lebensmodell "Du hast fünf Leben"

Ausbildung, Beruf, Ruhestand - für die Zukunftsforscher Opaschowski und Zellmann ist das ein Lebensmodell der Vergangenheit. Die Menschen leben immer länger und sollten darum in jeder Lebensphase etwas Neues beginnen. Auch auf Hochbetagte warten Aufgaben, meinen die Forscher.

Nicht zum alten Eisen: Zukunftsforscher raten, Menschen jeden Alters in jeder Lebensphase etwas Neues zu beginnen. Bild: Uwe Zucchi/dpa
von Agentur DPAProfil

Hamburg. Wir leben immer länger, aber was wollen wir mit dem Gewinn an Lebenszeit anfangen? Dieser Frage gehen der Hamburger Zukunftsforscher Horst W. Opaschowski und sein österreichischer Kollege Peter Zellmann in ihrem neuen Buch "Du hast fünf Leben!" nach. Wichtigste Botschaft: Es geht immer wieder weiter, wenn nicht nur materiell, sondern auch körperlich, geistig und sozial vorgesorgt wird. "In einer Du-hast-fünf-Leben-Gesellschaft wird jedes Lebensalter zum Start-up für ein Leben mit immer neuen Anfängen und Aufgaben ohne Ende", erklärt Opaschowski.

Zu den Herausforderungen und Prioritäten in jeder Lebensphase haben die Autoren repräsentative Umfragen in Deutschland und Österreich ausgewertet. Demnach stehen für die Deutschen Gesundheit und Fitness (73 Prozent), Familie und Kinder (63 Prozent) sowie Freunde und Nachbarn (59 Prozent) ganz oben. Geringere Bedeutung haben die Lebensbereiche Beruf und Ausbildung (46 Prozent), Konsum und Medien (40 Prozent), Freizeit und Urlaub (39 Prozent). Die Österreicher antworteten ähnlich. Nur Freunde und Nachbarn hätten einen höheren Stellenwert (70 Prozent), Konsum/Medien dagegen einen etwas geringeren (36 Prozent), so Opaschowski.

Einstellungen im Wandel

Mit dem Alter der Befragten wandelten sich die Prioritäten: Die unter 20-Jährigen, die Generation "Zukunft", legen überdurchschnittlichen Wert auf Medien und Kommunikation. Die Angehörigen der Ü20-Generation sind für Opaschowski und Zellmann die "Lebensplaner". Was für sie zählt, sind Arbeiten, Wohnen und moderne Mobilitätsangebote. Die "Best-Ager" ab 40 nehmen sich die Zeit zum Leben, wollen Urlaube genießen. Der Satz "Auf die jährliche Urlaubsreise will ich nicht verzichten, dafür arbeite und verdiene ich schließlich" findet überdurchschnittliche Zustimmung. Beruflich haben es die Menschen in dieser Lebensphase geschafft oder sich arrangiert, stellen die Autoren fest. "Die mittlere Generation ist die, die am besten lebt", sagt Opaschowski. Die 60plus-Generation besteht aus den "Lebenserfahrenen". Priorität hat für sie der Zusammenhalt von Jung bis Alt. Die über 80-Jährigen gelten als "Beziehungsförderer". Die Hochbetagten entdeckten den Wert der Familie neu, weil sie am meisten auf die familiäre Unterstützung angewiesen seien.

Die Begriffe "Jugend" und "Alter" lösen sich nach Ansicht der Autoren immer mehr auf, in den Biografien wechselten Phasen der Vollzeit- und Teilzeitarbeit ab, dazwischen Babypause oder Sabbatical sowie Zeiten des Lernens oder des sozialen Engagements. Die klassische Dreiteilung des Lebens in Ausbildung, Beruf, Ruhestand habe sich überholt. 40 oder mehr Berufsjahre würden normal, Partnerbeziehungen auf eine harte Probe gestellt werden. "Den Beruf, den Bund und die Freunde fürs Leben wird es bald nicht mehr geben", sagt Opaschowski voraus.

Jede Lebensstufe sollte "blühen", zitieren die Autoren Hermann Hesse. Dafür müsse man sich immer wieder eine neue Herausforderung suchen - ein Job, ein Ehrenamt oder das Erreichen eigener Gesundheitsziele. "Die Altersgrenze können Sie vergessen!", sagt Opaschowski. Die Forscher erkennen aber an, dass es besonders für die über 80-Jährigen schwieriger wird, das Leben bewusst und intensiv zu leben. Opaschowski, (77) und Zellmann (70) raten zur Flucht nach vorn: "Körperlich und geistig beweglich bleiben, die ,Großfamilie' zusammenzuhalten, und allen durch Ruhe, Ausgeglichenheit und Weisheit ein Vorbild zu sein."

In einer Du-hast-fünf-Leben-Gesellschaft wird jedes Lebensalter zum Start-up für ein Leben mit immer neuen Anfängen und Aufgaben ohne Ende.Zukunftsforscher Horst Opaschowski

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