22.03.2018 - 21:52 Uhr
Deutschland & Welt

Zwölf Stämme Ämter im Recht

Die "Zwölf Stämme" sehen Rutenschläge als angemessene Strafe für Kinder - deshalb schritten 2013 die bayerischen Behörden ein. Der teilweise Entzug des Sorgerechts war zulässig. Dies entschied nun der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte.

von Agentur DPAProfil

Straßburg. Die Zwangs-Unterbringung in Heimen oder Pflegefamilien habe nicht gegen die Menschenrechte der Eltern verstoßen, urteilte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte am Donnerstag in Straßburg. Die Behörden hatten eingegriffen, weil in der Glaubensgemeinschaft Kinder gezüchtigt worden sein sollen. Die Gruppe beruft sich auf die Bibel und sieht Rutenschläge als angemessene Strafe für Kinder bis etwa 14 Jahre an.

2013 holte die Polizei dann etwa 40 Kinder aus den bayerischen Gemeinschaften im Gut Klosterzimmern und in Wörnitz. Zuvor hatte ein Fernsehjournalist heimlich gefilmte Aufnahmen ans Jugendamt geschickt, die laut Menschenrechtsgericht zeigen, wie Kinder geprügelt werden.

Vier betroffene Familien hatten gegen Deutschland geklagt, sie sahen durch den teilweisen Entzug des Sorgerechts ihr Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens verletzt. Die Richter stellten sich aber hinter die Entscheidungen der Familiengerichte: Das Risiko einer systematischen und regelmäßigen körperlichen Züchtigung von Kindern könne es rechtfertigen, sie in Obhut zu nehmen. Die Gerichte hätten fair zwischen den Interessen der Eltern und dem Wohl der Kinder abgewogen.

Auch wenn der Gerichtshof den Sorgerechtsentzug für zulässig erklärte, erzielten zwei klagende Familien einen Teilerfolg. Sie erhielten wegen der Dauer des Verfahrens in Deutschland eine Entschädigung zugesprochen. Die deutsche Regierung hatte schon vorab erklärt, dass hier das Recht auf Achtung des Familienlebens verletzt worden sei. Die Richter forderten Deutschland auf, den Familien 9000 beziehungsweise 8000 Euro zu zahlen. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

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