01.11.2017 - 00:18 Uhr
Deutschland & Welt

Mindestens acht Tote bei Terrorakt in New York an Halloween "Tragödie größten Ausmaßes" [aktualisiert]

Schon wieder nutzt ein Attentäter ein Fahrzeug als Waffe: Mitten in New York überfährt ein Mann mehrere Menschen auf einem beliebten Fuß- und Fahrradweg. Acht Menschen sterben und elf werden verletzt.

von Agentur DPAProfil

New York. Bürgermeister Bill de Blasio sprach von einem feigen «Terrorakt». Ein Polizist schoss den mutmaßlichen Angreifer nieder, der verletzt in ein Krankenhaus gebracht wurde.Der 29-jährige Mann handelte nach Polizeiangaben alleine. Er stammt Medienberichten zufolge aus der muslimisch geprägten Ex-Sowjetrepublik Usbekistan. Demnach lebte er seit 2010 legal in den Vereinigten Staaten, zuletzt im Bundesstaat New Jersey. Dort soll er kurz vor dem Attentat den Pick-up-Truck gemietet haben.

Die Attacke weckt Erinnerungen an ähnlich verheerende Terrorangriffe mit Fahrzeugen in den vergangenen Jahren. Anfang Juni hatten Angreifer in London mit einem Transporter mehrere Menschen auf einer Brücke überfahren. Knapp ein Jahr zuvor war ein islamistischer Attentäter in Nizza mit einem Lastwagen in ein Menschenmenge gerast. Im Dezember 2016 hatte der Tunesier Anis Amri einen gekaperten Lkw in einen Weihnachtsmarkt in Berlin gesteuert.

Unterstützung beim Kampf gegen den Terror

Medien gaben den Namen des Verdächtigen mit Sayfullo S. an. Er habe zuletzt im Bundesstaat New Jersey nahe New York gelebt und für den Fahrdienstvermittler Uber gearbeitet, berichtete etwa die «New York Times». Das Unternehmen kündigte an, mit den Behörden zu kooperieren. Die autoritäre Führung von Usbekistan sagte den USA Unterstützung bei den Ermittlungen zu.

Für die Bundesregierung sicherten Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) und Innenminister Thomas de Maizière (CDU) den USA ihre Unterstützung beim Kampf gegen den Terror zu. «Wir stehen im Kampf gegen diese sinnlose Gewalt fest an der Seite der USA», sagte Gabriel. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) rief zu Solidarität mit der US-Millionenstadt auf.

Zahlreiche Regierungen verurteilten den Anschlag. In Teheran sprach Außenamtssprecher Bahram Ghassemi den Angehörigen der Opfer das Beileid der iranischen Führung aus. Zugleich kritisierte er die Politik der USA und ihrer Verbündeten im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

Sicherheitsvorkehrungen verstärkt

Unter den Toten von New York waren nach Angaben der Behörden der jeweiligen Länder auch eine Belgierin sowie fünf Argentinier. Elf Menschen wurden verletzt -  auch eine belgische Familie. Zwei Lehrer und zwei Schüler wurden verletzt, als der Pick-up-Truck vor einer High School mit ihrem Schulbus kollidierte. Die Identität der übrigen Opfer war zunächst nicht bekannt.

Die Sicherheitsvorkehrungen in New York wurden verstärkt. Die traditionelle Halloween-Parade am Abend des 31. Oktober fand dennoch statt. «Das ist ein sehr schmerzhafter Tag für unsere Stadt, aber die New Yorker werden sich nicht wegen eines Terroranschlags ändern», sagte Bürgermeister De Blasio. Polizeichef James O'Neill sprach von eine «Tragödie größten Ausmaßes». Es gebe keine Hinweise auf eine andere akute Bedrohung in der Stadt, sagte Gouverneur Andrew Cuomo.

Keine offizielle Bestätigung für Notiz

Das Attentat ereignete sich im Südwesten Manhattans. Auf Höhe der West Houston Street raste der 29-Jährige mit einem gemieteten weißen Pick-up-Truck mehr als einen Kilometer weit auf einer Länge von etwa 20 Straßenblocks über einen beliebten Fußgänger- und Fahrradweg. Auf Höhe der Chambers Street kollidierte der Truck vor einer High School mit einem Schulbus und kam zum Stehen.

Der Fahrer stieg aus und rief nach Berichten «Allahu Akbar», arabisch für «Gott ist groß». Dann hielt er zwei Waffen hoch, die sich später als eine relativ ungefährliche Paintballpistole und ein Luftgewehr herausstellten. Daraufhin schoss ihm ein Polizist in den Bauch. Der 29-Jährige wurde festgenommen, in eine Klinik gebracht und operiert.

Der US-Nachrichtensender CNN meldete unter Berufung auf eine Polizeiquelle, in dem Fahrzeug sei eine auf Englisch verfasste Notiz gefunden worden. In ihr heiße es, die Tat sei im Namen der Terrormiliz IS verübt worden. Andere Medien sprachen von einer arabischen Notiz. Eine offizielle Bestätigung gab es für diese Berichte zunächst nicht.

Trump macht IS verantwortlich

US-Präsident Donald Trump machte den IS für die Tat verantwortlich. «Wir dürfen ISIS (engl. für IS) nicht erlauben, in unser Land zurückzukommen oder einzureisen, nachdem wir sie im Nahen Osten und anderswo besiegt haben. Genug!», schrieb Trump beim Kurznachrichtendienst Twitter. Er kündigte an, dass er seine Regierung angewiesen habe, die Sicherheitsüberprüfungen zu verschärfen. «Ich habe das Heimatschutzministerium gerade damit beauftragt, unser schon jetzt extremes Programm an Sicherheitsüberprüfungen zu intensivieren», twitterte Trump am Dienstagabend (Ortszeit).

Trump hat sich für eine Verschärfung der US-Einwanderungspolitik stark gemacht und dies damit begründet, dass er die Terrorgefahr für die USA als sehr konkret einschätze. So wollte er ein Einreiseverbot für Menschen aus überwiegend muslimisch geprägten Ländern einführen, scheiterte damit aber vor Gerichten.

Der Tatort wurde abgesperrt, Polizei und Feuerwehr waren vor Ort, Hubschrauber kreisten über der Gegend. Auf den Straßen stauten sich Tausende von Fahrzeugen. Wegen des Halloween-Fests waren zudem deutlich mehr Menschen unterwegs als sonst.

«Wir denken an die Menschen unserer großartigen Gastgeberstadt; heute sind wir alle im UN-Hauptquartier New Yorker», schrieb UN-Generalsekretär António Guterres via Kurznachrichtendienst Twitter. Er sei «geschockt und zutiefst traurig». New York sei als weltweites Symbol der Freiheit getroffen worden, sagte New Yorks Gouverneur Cuomo. «Seien Sie New Yorker! Leben Sie ihr Leben, lassen Sie ihr Leben nicht von anderen bestimmen.»

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.