28.02.2018 - 16:49 Uhr
Deutschland & Welt

Noch beißender, schneidender, klirrender Frost hat Deutschland im Griff

Von Bayrischzell bis Rostock: Die klirrende Kälte lässt die Menschen bibbern, zaubert aber auch wunderschöne Winterkulissen. Nun soll es milder werden - mancherorts wird es dann erst richtig ungemütlich.

von Agentur DPAProfil

Wer sich heute Morgen bei der klirrenden Kälte nach draußen traute, der bekam vielerorts Sonne und wunderschöne Winterkulissen zu sehen. Etwa in Bayrischzell in den oberbayerischen Alpen stieg über einem Bach vor verschneiter Landschaft Dampf in die kalte Luft auf. In Rostock schien die Sonne und spiegelte sich im Eis des Flusses Warnow. Selbst die Spree in Berlin war fast komplett vereist.

Bis zu minus26 Grad

 
Auf dem Weg zur Arbeit haben es die Menschen vielerorts in Deutschland am Mittwochmorgen schon geahnt: Es war noch kälter als in den beiden Minusrekord-Nächten zuvor. In Lübeck und im Erzgebirge etwa wurden minus 20 Grad erreicht, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) mitteilte. In den Alpen lagen die Temperaturen zwischen minus 20 und minus 26 Grad. Auf der Zugspitze war es mit minus 24 Grad etwas milder als in der Nacht zum Dienstag, als dort minus 30 Grad gemessen worden waren.

Ende der Eiszeit

Pünktlich zum meteorologischen Frühlingsbeginn taut Deutschland allmählich auf. An diesem Donnerstag werden "wieder zarte Plusgrade tagsüber erwartet", wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) mitteilte. Am Wochenende ist es fast überall mit dem Dauerfrost vorbei. Am Oberrhein und im Alpenvorland können Spitzenwerte von 12 Grad erreicht werden. In der Nacht zum Donnerstag sollte es aber noch einmal eisig werden: "Die Tiefstwerte liegen um minus 5 Grad an der Küste, sonst zwischen minus 7 und minus 15 Grad, in windgeschützten Tal- und Muldenlagen auch darunter", hieß es in der DWD-Vorhersage."Die Temperaturen lagen in der Nacht fast landesweit im strengen bis sehr strengen Frostbereich", sagte ein DWD-Sprecher. In den Mittelgebirgen erreichten die Temperaturen Werte zwischen minus 10 und minus 18 Grad. Etwas milder war es entlang des Rheins bei Werten zwischen minus 9 Grad in Düsseldorf und minus 10 Grad in Wiesbaden. Die Minusrekord-Nächte sind wohl erstmal vorbei, doch besonders im Süden und Westen könnte es für Fußgänger und Autofahrer in den kommenden Tagen noch ungemütlicher werden. Es wird dann zwar nicht mehr ganz so kalt, über den Südwesten schiebt sich aber ein Tiefdruckgebiet. Dort kann es vereinzelt regnen oder schneien - und auf den Straßen spiegelglatt werden.

Vier Kältetote in Deutschland

Obdachlose Menschen sind dem strengen Frost oft schutzlos ausgeliefert. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe forderte deshalb, Aufenthaltsräume auch tagsüber geöffnet zu lassen. Es reiche nicht aus, nur nachts Unterkünfte anzubieten und die Obdachlosen morgens wieder auf die Straße zu schicken, kritisierte Geschäftsführerin Werena Rosenke. "Man kann auch tagsüber erfrieren." In dieser Saison habe der Verein deutschlandweit schon vier Kältetote registriert.

Starker Schneefall und Sturm

Starker Schneefall und Sturm führten in Nordfriesland teils zu schwierigen Situationen auf den Straßen. Bei Bredstedt türmte sich die weiße Pracht stellenweise mehr als einen halben Meter, wie eine Polizeisprecherin sagte. Außerhalb der Ortschaften kam es zu Schneeverwehungen. Auf einer Bundessstraße bei Haselund blieben mehrere Lastwagen stecken. Rund um Flensburg zählte die Polizei in der Nacht und am frühen Mittwochmorgen rund ein Dutzend Unfälle auf eisglatten Straßen. Verletzt wurde nach ersten Erkenntnissen niemand. In Hennef in Nordrhein-Westfalen verletzten sich zwei Feuerwehrmänner im Einsatz als sie auf gefrorenem Löschwasser ausrutschten. Die Temperaturen erschwerten auch die Löscharbeiten beim Brand eines Sägewerkes im Westerwald. Ein Sprecher sagte: "Es wäre einfacher, mit Eiswürfeln zu löschen."

Kälte setzt Tieren zu

Der Fall einer bei Eiseskälte in einem Müllcontainer im Saarland ausgesetzten Hündin bewegt viele Tierfreunde. Eine Mitarbeiterin des Saarbrücker Tierheims hatte den mittlerweile auf den Namen Sunny getauften Vierbeiner am Montag zufällig im Müll vor dem Tierheim entdeckt. "Das Tier war völlig unterkühlt und sehr abgemagert", sagte Frederick Guldner, Sprecher und Vorstandsmitglied des "Tierschutzvereins Saarbrücken und Umgebung" am Mittwoch. Die wohl zwei bis drei Jahre alte Pitbull-Mischlingshündin kam am Montag direkt in eine Tierklinik. "Mittlerweile ist sie über den Berg."

Per Facebook hat das Tierheim die Geschichte erzählt und fragt nach Leuten, die den Hund kennen. "Es ist Wahnsinn, wie groß die Resonanz ist", sagte Guldner. "Der Fall bewegt ganz Deutschland - und viele Menschen aus Österreich und der Schweiz." In Baden-Württemberg appellierte die Polizei derweil, Tiere bei extremen Temperaturen nicht im Auto zurückzulassen. In der Nacht zum Mittwoch hatte die Polizei in Gaggenau ein Auto abschleppen lassen, in dem bei klirrender Kälte ein Hund war. Da der Besitzer nicht ausfindig gemacht werden konnte, wurde das Auto mitsamt Hund in einer beheizten Halle untergestellt.

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