Skifahren in grau-brauner Bergwelt
Ohne Kunstschnee geht es nicht

Nur künstliche Beschneiung macht südlich des Alpenhauptkamms Skifahren überhaupt möglich. Im Hintergrund links der Sella-Stock, in der Foto-Mitte die Südwand der Marmolada. Bis weit in den Januar hinein dürfte in Südtirol der Mangel an (Natur-)Schnee anhalten. Bild: Fütterer

Die Bilder gleichen sich. Wie genau vor einem Jahr warnen an den Talstationen Schilder vor Waldbrandgefahr. An den Südhängen erblüht das Heidekraut. Ohne technisch erzeugten Schnee würden in den meisten Skigebiete die Lifte still stehen.

Obereggen/Corvara. Surreal mutet die Szenerie an, die sich seit der Eröffnung der Skisaison 2016/17 vor einigen Wochen bietet: Bis weit über 2000 Meter hinauf sind die Hänge in der Regel nahezu schneefrei, besonders südlich des Alpenhauptkamms. Die Sonne lacht tagsüber so mild, dass sich mitten im Dezember ein Gefühl des Frühjahrsskilaufens einstellt. So zeigt das digitale Thermometer an der Bergstation Oberholz im Skicenter Latemar (Dolomiten) am frühen Nachmittag schon mal 7 Grad plus in rund 2200 Meter Höhe.

Verzicht auf die Optik

Wenn schon nicht die sonnig-milden Tage, so erlauben die meist frostigen Nächte den Einsatz der Schneekanonen. Ohne die künstlichen Eiskristalle wäre ans Skilaufen nicht zu denken. Hier sind die Südtiroler Skigebiete klar im Vorteil: Schneearme Winter zwangen die Norditaliener schon vor Jahrzehnten zur flächendeckenden Beschneiung. Die "Könige des Schneemachens" zwischen Corvara und Obereggen, Bruneck (Kronplatz) und Brixen (Plose) schaffen optimale Pisten; die weißen Bänder kontrastieren zur grau-braunen Bergwelt und wirken unwirklich. Wer auf das Ambiente verschneiter Landschaften verzichtet und keinen Wert auf die "Optik" legt, findet dennoch ausgezeichnete Ski-Bedingungen.

Auf "Frau Holle" ist in Zeiten klimatischer Veränderungen immer weniger Verlass. Allein 2016 beliefen sich die Investitionen im Verbund Dolomiti Superski für Beschneiungsanlagen auf rund 20 Millionen Euro. Ohne die Anschaffung modernster Hochleistungs-Schneekanonen stünden viele Wintersportorte wohl vor massiven wirtschaftlichen Problemen. Allein an Dolomiti Superski mit 130 angeschlossenen Liftgesellschaften "hängen" 10 000 Beherbergungsbetriebe, ganz zu schweigen von den 3000 direkten Mitarbeitern.

Wasser knapp

Von den 1200 Kilometern präparierten Pistenkilometern bei Dolomiti Superski sind inzwischen fast 1000 Kilometer geöffnet, ebenso der Betrieb von rund 420 der 460 Lifte und Seilbahnen. Erschöpfte Wasserspeicher drosseln allerdings das Tempo der kompletten Beschneiung.

Bis Mitte Januar 2017 sind auf der Alpen-Südseite keine nennenswerten Schneefälle in Sicht. Besser sieht es ab der ersten Januar-Woche auf der Alpen-Nordseite aus. Hier wird zum Teil ergiebiger Neuschnee erwartet: rechtzeitig zum Ende der Winter- und Weihnachtsferien.
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