26.09.2017 - 12:50 Uhr
Deutschland & Welt

Wie man seine Angst überwindet, einen Menschen zu reanimieren Erste Hilfe

Es kann überall zu jeder Zeit passieren: Ein Mensch bricht plötzlich vor einem zusammen und bleibt regungslos liegen. Wenn die Atmung ausgesetzt hat und andere Lebenszeichen fehlen, ist mit großer Wahrscheinlichkeit der Herzstillstand eingetreten – dann muss die Person schnellstmöglich wiederbelebt werden. Untersuchungen haben gezeigt, dass sich helfende Laien immer die gleichen angstvollen Fragen stellen: Kann ich mit einer fehlerhaften Herzmassage Schäden anrichten? Kann ich eine Rippe brechen? Was, wenn ich reanimiere, die Person zwar bewusstlos ist, aber kein Herzstillstand vorliegt? Nachvollziehbare Ängste, die jedoch unbegründet sind.

von Gesund & VitalProfil

Ist eine Person tatsächlich „nur“ bewusstlos und liegt kein Herzstillstand vor, dann werden mit der Herzdruckmassage keine Schäden angerichtet, in diesem Fall kommt der Betroffene wieder zu Bewusstsein. Die Angst, dass der Betroffene bei der Herzdruckmassage verletzt wird, etwa durch Rippenbrüche, ist unbegründet – bei der Herz-Lungen-Wiederbelebung kann es zwar durchaus zu Rippenbrüchen kommen, doch dies ist kein Fehler der Herzdruckmassage, sondern eine bisweilen unvermeidbare Begleitwirkung. Eine oder mehrere gebrochene Rippen sind in einer solchen Situation das kleinere Problem.

Die Angst, man leiste keine vollwertige Hilfe, wenn man nur die Herzdruckmassage ausübe, die Mund-zu-Mund-Beatmung allerdings weglasse, ist ebenfalls unbegründet. Forschungsergebnisse aus den letzten Jahren haben gezeigt, dass bei einem plötzlichen Herzstillstand eines Erwachsenen für etwa acht Minuten ausreichend Sauerstoff im Blut ist. Das Problem ist jedoch, dass der Sauerstoff bei einem Herzstillstand nicht dort ankommt, wo er gebraucht wird: im Gehirn. Dorthin muss er also gepumpt werden. Das wird mit einer wirksamen Herzdruckmassage erreicht. Weil Laienhelfer, die die Mund-zu-Mund-Beatmung nicht beherrschen, oft Fehler machen, sollten sich Ungeübte auf die Herzdruckmassage beschränken. Grundsätzlich gilt: Wenn die bewusstlose Person nicht auf lautes Zurufen, Zwicken oder Kneifen reagiert, muss als erstes die 112 gewählt werden, damit so schnell wie möglich professionelle Hilfe vor Ort ist.

Ist die verletzte Person ansprechbar, gilt es, dieser ein Gefühl von Sicherheit und Nähe zu vermitteln, ihr zu sagen, dass jemand da ist und gleich ein Arzt kommt. Bei Bewusstlosigkeit: Kopf überstrecken und Atmung überprüfen. Wenn kein Luftstrom zu spüren ist oder sich der Brustkorb nicht nach oben und unten senkt, muss eine Wiederbelebung durchgeführt werden. Dabei die Ballen einer Hand auf die Mitte des Brustkorbs legen, Ballen der anderen darüber und Finger ineinander verschränken. Mit durchgestreckten Armen 100 bis 120 Mal pro Minute fünf bis sechs Zentimeter tief drücken. Nach jedem Druckstoß den Brustkorb vollständig entlasten, Hände aber nicht abheben. Nach je 30 Druckstößen zwei Atemspenden von Mund zu Mund oder Mund zu Nase geben.

Atmet der Bewusstlose normal, in die stabile Seitenlage versetzen. Der Helfer kniet sich seitlich neben den Betroffenen und dreht ihn auf den Rücken mit zunächst gestreckten Beinen. Als Erstes legt der Helfer den nahen Arm des Bewusstlosen angewinkelt nach oben, wobei die Handinnenfläche nach oben zeigt. Dann greift er die ferne Hand des Betroffenen am Handgelenk und legt den Handrücken an dessen Wange, sodass der Arm vor der Brust kreuzt. Die Hand muss der Helfer weiter festhalten. Mit seiner freien eigenen Hand greift er nun den fernen Oberschenkel und winkelt das Bein des Bewusstlosen an.

Anschließend dreht der Helfer den Betroffenen auf die Seite, indem er Hüfte und Schulter zu sich herüberzieht. Das nun oben liegende Bein bringt er in einen rechten Winkel zur Hüfte. Anschließend überstreckt der Helfende den Hals des Bewusstlosen. So bleiben die Atemwege frei. Dann öffnet er vorsichtig den Mund des Betroffenen. Die an der Wange liegende Hand sollte der Helfer so ausrichten, dass der Mund der tiefste Punkt des Körpers ist und Erbrochenes abfließen kann. Gleichzeitig stabilisiert diese Lagerung die Überstreckung des Kopfes: Die Atemwege bleiben frei. Der Helfer muss in dieser Lage die Atmung weiter regelmäßig kontrollieren.

Die genannten Verhaltensregeln ersetzen keinen Erste Hilfe Kurs! Nur eine Ausbildung bei qualifizierten Stellen sowie regelmäßige Kurs-Wiederholungen stellen sicher, dass man im Notfall adäquat helfen kann. Erste Hilfe Kurse werden unter anderem vom Bayerischen Roten Kreuz, den Johannitern und Maltesern angeboten.

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