16.02.2018 - 21:36 Uhr
Deutschland & Welt

25 Jahre Gazprom: Fit für die Zukunft? Druck auf Gazprom

25 Jahre nach seiner Umwandlung in eine Aktiengesellschaft wähnt sich Gazprom im Höhenflug. Doch Experten sind skeptisch, ob der Konzern fit ist für die Zukunft.

Gazprom exportiert über seine Pipelines Rekordmengen an Gas nach Europa. Experten aber glauben, dass der Konzern für die Zukunft nicht optimal gewappnet ist. Bild: Maxim Shipenkov/dpa
von Agentur DPAProfil

Moskau. Die Führung des russischen Energieriesen Gazprom hat Deutschland und Europa zum 25-jährigen Firmenjubiläum fest im Blick. "Im vergangenen Jahr hat unser Unternehmen den absoluten Rekord beim Export von Gas nach Europa aufgestellt", sagt Konzern-Vize Alexander Medwedew. Rund 194 Milliarden Kubikmeter seien an Staaten vor allem in der EU verkauft - mehr als 40 Prozent der Förderung 2017. Auf Deutschland entfiel mehr als ein Viertel der Lieferungen. Das soll noch mehr werden, wenn die Ostseepipeline Nord Stream 2 gebaut ist. Seit Jahren flankiert Gazprom sein Geschäft in Deutschland mit einem Sponsorenvertrag für den Bundesligisten Schalke 04 und setzt bei der Nord Stream AG auf Altkanzler Gerhard Schröder als Aushängeschild.

An diesem Samstag feiert Gazprom seinen 25. Geburtstag. Der Staatskonzern ist 1990 aus einem für die Gasindustrie zuständigen Sowjet-Ministerium hervorgegangen. Am 17. Februar 1993 folgte die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft. Zum Jubiläum lässt sich Präsident Wladimir Putin von der Konzernspitze persönlich über die Erfolge informieren. Doch die Sektkorken dürften in der Moskauer Zentrale dank des jüngsten Export-Allzeithochs schon vor der Feier geknallt haben. Der Marktanteil in Europa sei auf fast 35 Prozent gestiegen, sagte Medwedew vor Investoren. Bis 2035 rechnet Gazprom mit einer Steigerung auf bis zu 41 Prozent.

Gewinnzahlen für 2017 lagen zwar zunächst nicht vor, aber die Werte des dritten Quartals lassen Manager-Herzen höher schlagen: Mit 200 Milliarden Rubel (2,8 Milliarden Euro) hat sich das Ergebnis im Vergleich zu 2016 fast verdoppelt. Experten sehen einen günstigen Rubelkurs zum US-Dollar als Grund.

"Finanziell ist Gazprom weitgehend gesund", sagte Energieexperte Sergej Afonzew, der an zwei renommierten Moskauer Universitäten lehrt. Zugleich gebe es viel Potenzial für Verbesserungen. Die glänzenden Zahlen überstrahlten massive Probleme, heißt es: Zu viele Mitarbeiter (rund 450 000) und Korruptionsanfälligkeit sind Gründe für Ineffizienz. Über Jahre hatte Gazprom hohe Preise bei langen Laufzeiten diktiert. Die Kunden schluckten dies. Als aber 2006 und 2009 zwischen Russland und der Ukraine, dem wichtigsten Transitland für Gas in die EU, ein Streit eskalierte und Gazprom im Winter den Hahn zudrehte, schrillte in Westeuropa der Alarm. "Für das Image von Gazprom war der Streit mit der Ukraine ein Eigentor", sagt Fares Kilzie, Chef der Moskauer Beratungsfirma Creon. Die Zeit der teuren Verträge ist in der EU nun vorbei. Der Preis wird nach einem komplexen Schlüssel durch Angebot und Nachfrage gebildet.

Kaum ins Gewicht fällt dabei Flüssiggas (LNG). "Gazprom verschläft den Trend. Das ist ein strategischer Fehler", kritisiert Kilzie. Denn die USA wollen langfristig große Mengen exportieren und eine Alternative zum russischen Pipeline-Gas bieten. Gazprom wischt dies vom Tisch: LNG sei wegen hoher Kosten keine Konkurrenz, sagt Manager Kirill Polous. Der Druck wächst indes auch von russischer Seite. Die Firma Novatek setzt auf LNG, auch weil Gazprom weiterhin ein Monopol auf Exporte per Pipeline hält. Als Präsident Putin eine mehrere Milliarden Dollar teure LNG-Anlage auf Jamal inspizierte, sagte er: "Russland sollte auf dem LNG-Markt einen gebührenden Platz einnehmen. Bislang ist dieser Platz ziemlich bescheiden." Deutliche Worte, die auch als Kritik an Gazprom gewertet werden können.

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