25.08.2017 - 20:10 Uhr
Deutschland & Welt

40 Monate Haft und 200 000 Dollar Strafe Exempel an VW-Ingenieur statuiert

Das erste "Dieselgate"-Urteil gegen einen VW-Mitarbeiter fällt wesentlich härter aus als erwartet. Der langjährige Konzerningenieur James Liang muss über drei Jahre ins Gefängnis. Damit geht der Richter deutlich über die Forderungen der Staatsanwaltschaft hinaus.

James Liang (63). Bild: Virginia Lozano/dpa
von Agentur DPAProfil

Detroit. Ungläubiges Schweigen im Gerichtssaal, selbst der Staatsanwalt wirkt konsterniert. Richter Sean Cox kennt keine Gnade und geht im Strafmaß deutlich höher als die Anklage es gefordert hatte. Konzerningenieur James Liang (63) muss für 40 Monate in Haft und 200 000 Dollar Strafe zahlen. Wie ein Häufchen Elend fällt er auf der Anklagebank in sich zusammen, die Ehefrau bricht hinter ihm in Tränen aus, die Töchter und der Sohn wirken versteinert. Mit dem Urteil beginnt im Abgas-Skandal ein neues Kapitel. Nachdem VW die Affäre in den USA mit Milliarden-Vergleichen abhakte, sollen dort nun die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.

James Liang taugt dazu bedingt. Die Drahtzieher vermutet die Anklage woanders und hatte nur eine dreijährige Haftstrafe und 20 000 Dollar Bußgeld für den "Leiter Dieselkompetenz" der VW-US-Tochter gefordert, der 35 Jahre lang für VW tätig war. Zugleich machte sie deutlich, dass sie Liang nicht für das "Mastermind" im Abgas-Skandal hält. "Er saß weder in den Vorstandsetagen von VW, wo die Betrugs-Software diskutiert wurde, noch hat er andere am kriminellen Komplott Beteiligte im Unternehmen angewiesen oder beaufsichtigt." Doch Cox wollte ein Exempel mit Abschreckungswirkung statuieren. "Sie waren eine Schlüsselfigur bei einem sehr ernsten und bedenklichen Verbrechen", sagt er zu Liang. Die Verschwörer hätten das Vertrauen der Verbraucher und das Fundament der US-Wirtschaft unterminiert. Die harte Strafe sei nötig.

"Kronzeuge" Liang hatte im September 2016 ein Geständnis abgelegt und belastete Kollegen und Vorgesetzte zum Teil schwer - gegen sieben Mitarbeiter wurden Strafanzeigen gestellt. Liangs Anwalt bezeichnete ihn als loyalen Angestellten, dem eine Unternehmenskultur zum Verhängnis geworden sei. Cox' hartes Urteil wirft die Frage auf, welches Strafmaß erst für die Hintermänner vorgesehen sein mag. Oliver Schmidt (48) etwa - bei VW zuständig für Umweltfragen -, der in U-Haft sitzt, drohen bis zu sieben Jahre Haft und bis zu 500 000 Dollar Geldstrafe.

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