09.08.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

7,9 Milliarden Euro Verlust durch Produktpiraterie "Made in Germany" Ideendieb wohnt nebenan

Für Ideenklau ist oft nicht ein Produzent im fernen China, sondern der Konkurrent um die Ecke verantwortlich: Im Kampf gegen Produktpiraten müssen es deutsche Unternehmen zunehmend mit Tätern aus dem eigenen Land aufnehmen.

Christine Lacroix, Geschäftsführerin der Aktion "Plagiarius", zeigt Beispiele für deutsche Plagiate: das Original des Wischmopphalters "Sprintus Magic Click" (rechts) neben dem Plagiat aus Franken. Bild: dpa
von Agentur DPAProfil

Nach einer in diesem Jahr vorgelegten Auswertung des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) rangieren deutsche Unternehmen als Plagiatoren mittlerweile auf Platz zwei - hinter dem unangefochtenen Spitzenreiter China und noch vor der Türkei und Indien. Fast jedes vierte Plagiat (23 Prozent) werde mittlerweile im Auftrag eines deutschen Unternehmens hergestellt, berichtet Steffen Zimmermann, zuständiger Geschäftsführer beim VDMA. Kopiert würden ganze Maschinen, Komponenten oder auch Ersatzteile.

"Alarmierende Zahlen"

Im Gegensatz zu den oft minderwertigen Nachahmungen aus China handele es sich bei den Plagiaten von deutschen Unternehmen in der Regel um Hightech-Produkte. Meist seien Wettbewerber Initiatoren der Plagiate. Insgesamt schätzt der Verband den durch Plagiate im vergangenen Jahr verursachten Umsatzverlust in der Branche auf rund 7,9 Milliarden Euro. Der Maschinenbauverband spricht mittlerweile ganz offen von "alarmierenden Zahlen" zur Produktpiraterie aus Deutschland.

Deutliche Worte findet auch die Aktion Plagiarius, die sich aus Sponsorengeldern der Industrie finanziert. In der Liste der unfreiwilligen Preisträger für den seit 1977 von dem Verein vergebenen Schmähpreis Plagiarius tauchen hinter der allgegenwärtigen Konkurrenz aus China auch deutsche Unternehmen auf. So entstand nach Angaben des Vereins nach der Erfindung eines magnetischen Wischmopphalters aus der baden-württembergischen Provinz ein ähnlich aussehender Putzhelfer bei einem nur etwa 200 Kilometer entfernten Konkurrenten aus Franken. Das Ergebnis des Streits in der "Wischmoppszene" war ein Vitrinen-Platz für das Reinigungsduo im Plagiate-Museum des Vereins.

Immer bessere Kopien

Den Solinger Fälschungsjägern würden zunehmend Probleme mit Nachahmern aus dem eigenen Land gemeldet, berichtet Plagiarius-Sprecherin Christine Lacroix. Dabei würden sogar Markenhersteller selbst zum Täter. Betroffen seien alle Branchen vom Spielzeughersteller bis zum Werkzeugmacher. Während früher Fälschungen bereits von weitem anhand der mangelhaften Qualität einwandfrei zu identifizieren gewesen seien, reiche die Bandbreite nun von der gefährlichen Billigkopie bis zum hochwertigen Nachbau, so der Verein.

Während die Initiative Plagiarius beim Schutz vor Fälschungen vor allem auf die Aufklärung von Verbrauchern setzt, versucht sich die Industrie die unerwünschten Nachahmer mit technischen Tricks vom Leibe zu halten. Fälschungsbedrohte Bauteile würden etwa mit Harz vergossen oder mit einem Hologramm oder einem chemischen Marker gekennzeichnet, so Zimmermann.

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