Abgas-Skandal
Erzbischof fordert VW-Manager zur Rückzahlung der Bonis auf

Der Freiburger Erzbischof Stephan Burger. Bild: dpa

Von Volker Hasenauer, KNA

Freiburg. Nach dem Abgasskandal bangen Tausende VW-Mitarbeiter um ihre Arbeitsplätze. Misereor-Bischof Stephan Burger fordert im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Freiburg die Topmanager auf, Boni zurückzuzahlen.

Herr Erzbischof Burger, die Abgasmanipulationen bei Volkswagen haben den Weltkonzern ins Schlingern gebracht. Sollten die verantwortlichen Manager erhaltene Millionen-Boni zurückzahlen?

Burger: Wenn man davon ausgeht, dass ein Manager seine Boni für Erfolge im Sinne des Unternehmens erhält, halte ich es für konsequent, dass sie diese bei Entscheidungen, die sich langfristig als Misserfolge für das Unternehmen herausstellen, wieder zurückzahlen sollten.

Im Gespräch ist, dass VW allein in Deutschland mehr als 20 000 Arbeitsplätze abbauen wird. Wäre eine Boni-Rückzahlung wenigstens ein Akt der Solidarität?

Burger: Ein Unternehmen muss sich als Solidargemeinschaft begreifen. Deshalb ist es wichtig, dass die Zukunft der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei allen Überlegungen ein wichtiges Thema ist. Im konkreten Fall frage ich mich, ob es im Sinne der Solidarität innerhalb des Unternehmens nicht sogar die Pflicht der Manager wäre, ihre Boni zurückzuzahlen. Schließlich haben ihre Entscheidungen weitreichende Folgen für die Mitarbeitenden.

Bislang gibt es keine entsprechenden Signale der Betroffenen. Steht die persönliche Geldgier also über der Verantwortung für die eigenen Mitarbeiter?

Burger: Wenn Entscheidungen, die sich langfristig als tragisch für die Mitarbeitenden herausstellen, für die Führungspersonen ohne Konsequenzen bleiben, scheint mir das kein Ansporn zu sein für ethisch korrektes Verhalten, sondern vielmehr die Haltung der persönlichen Gewinnmaximierung zu fördern. Aus christlicher Perspektive betrachtet darf das nicht sein. Wenn die Mitarbeitenden keine Rolle mehr spielen, muss ich Papst Franziskus zitieren: "Dieser Kapitalismus tötet."
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