Abgas-Skandal
VW vor Vergleich in USA

VW präsentierte im Vorfeld der Automesse in Detroit den neuen Atlas. Die North American International Auto Show (NAIAS) öffnete am Montag ihre Pforten zunächst nur für die Presse und Händler. Vom 14. bis zum 22. Januar sind dann auch Privatbesucher willkommen. Bild: dpa

Im September hatte sich ein VW-Ingenieur im Abgas-Skandal in den USA schuldig bekannt. Nun knöpfen sich die Behörden dort einen weiteren Mitarbeiter vor: Das FBI nahm einen VW-Manager fest. Zugleich soll der Konzern kurz vor einem Vergleich mit der US-Justiz stehen.

Berlin/Detroit. Die US-Bundespolizei FBI hat einem Bericht zufolge im Zusammenhang mit dem Abgas-Skandal einen VW-Manager festgenommen. Ihm werde Verabredung zum Betrug vorgeworfen, schreibt die "New York Times" (Montag) unter Berufung auf informierte Kreise. Er soll demnach eine Schlüsselrolle bei der versuchten Vertuschung des Skandals gespielt haben. "Mit Blick auf laufende Untersuchungen äußern wir uns nicht dazu", sagte ein VW-Sprecher am Montag.

Anderen Medienberichten zufolge steht Volkswagen kurz vor einem Vergleich mit der US-Justiz. Schon in den kommenden Tagen könnte eine Einigung erzielt werden, die strafrechtlichen Ermittlungen beizulegen, schrieben US-Medien unter Berufung auf eingeweihte Kreise. Die damit verbundene Strafzahlung dürfte dem "Wall Street Journal" zufolge bei mehreren Milliarden Dollar liegen. Auch dies wollte eine VW-Sprecherin auf Nachfrage nicht kommentieren. Offen ist auch, ob und welchen Zusammenhang es zwischen einem Vergleich und der Festnahme des Managers gibt.

Schuldeingeständnis?

Unklar ist den Berichten zufolge auch, ob VW im Rahmen des Vergleichs mit dem Justizministerium ein Schuldgeständnis abgeben werde, schreibt das "Wall Street Journal" weiter. Den Quellen zufolge dürften dem Konzern Betrug und Irreführung von Regierungsbeamten zur Last gelegt werden. Der Kompromiss dürfte demnach neben strafrechtlichen weitere zivilrechtliche Bußgelder umfassen. Volkswagen bemüht sich, die Auseinandersetzung mit dem US-Justizministerium noch vor Amtsantritt des künftigen Präsidenten Donald Trump am 20. Januar beizulegen. Konzernchef Matthias Müller hatte im November nach den US-Wahlen gesagt, er hoffe, dass sich das Ergebnis nicht negativ auf die Verhandlungen auswirken werde.

VW hatte im September 2015 nach Vorwürfen der US-Umweltbehörden eingeräumt, in großem Stil bei Abgastests manipuliert zu haben. Die US-Ermittler prüfen in diesem Zusammenhang seit über einem Jahr kriminelle Vergehen. Weltweit sind rund elf Millionen Fahrzeuge von dem Skandal betroffen, davon mehr als 550 000 in den USA. Im September hatte sich ein VW-Mitarbeiter im Diesel-Skandal schuldig bekannt. Er hatte zugegeben am Konzernsitz in Wolfsburg und später in den USA Teil einer fast zehn Jahre andauernden Verschwörung gewesen zu sein. Ziel sei die Entwicklung spezieller Software zur Manipulation von Emissionstests gewesen, mit der in den USA Behörden und Kunden getäuscht worden seien. Damit hat der Skandal um manipulierte Abgaswerte erstmals persönliche strafrechtliche Konsequenzen für einen Verantwortlichen in den USA.

Marke VW schafft AbsatzplusDie Marke VW hat 2016 trotz des Abgas-Skandals mehr Autos verkauft. Der Absatz weltweit sei um 2,8 Prozent auf knapp sechs Millionen Fahrzeuge gestiegen, sagte VW-Markenchef Herbert Diess in Detroit. Vor allem der wichtige chinesische Markt hat die Verkäufe angekurbelt. In den USA lief es zumindest zum Jahresende wieder besser - ein Jahr zuvor hatte ein von US-Behörden verhängter Verkaufsstopp für Dieselfahrzeuge den Absatz kräftig gedämpft. Diess setzt in den USA trotz der Probleme durch die Diesel-Krise hohe, wenn auch sehr langfristige Ziele: "Wir sind entschlossen, in den nächsten zehn Jahren ein wichtiger und profitabler Volumenhersteller in den USA zu werden", kündigte Diess an. Die USA waren für VW aber auch vor dem Bekanntwerden der massenhaften Manipulation von Abgaswerten bei Dieselautos ein schwieriger Markt. Seit 2007 weist VW bereits keine Gewinnkennzahlen mehr für die USA aus. (dpa)
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