29.12.2017 - 20:00 Uhr
Deutschland & Welt

Abgasskandal: Verbaucherschützer fordern Schadenersatz: Schweizer Klage gegen Volkswagen

Zürich/Karlsruhe. Wegen des Abgas-Skandals bei VW hat die Schweizer Verbraucherschutzorganisation SKS jetzt eine Schadenersatzklage eingereicht. Rund 6000 Betroffene sollen entschädigt werden, wie SKS-Geschäftsleiterin Sandra Stalder am Freitag in Zürich sagte. Die Klage richte sich gegen den Volkswagen-Konzern und den Schweizer Automobilhändler Amag als Importeur.

Der Abgas-Skandal lässt Volkswagen nicht los. Nun haben Schweizer Verbraucherschützer Klage eingereicht. Archivbild: Julian Stratenschulte/dpa
von Agentur DPAProfil

"Die beim Verkauf als umweltfreundlich gepriesenen Autos waren von vornherein überteuert", findet die SKS. Zudem hätten sie wegen der Manipulationen der Abgasvorrichtungen auf dem Gebrauchtwagenmarkt an Wert verloren. "Von einem Wertzerfall kann keine Rede sein", konterte Amag. Sie nehme die Klage mit Unverständnis zur Kenntnis. In der Schweiz seien mehr als 98 Prozent der VW-Modelle und 95,5 Prozent über alle Marken mit dem Dieselmotor vom Typ EA189 inzwischen mit einem Software-Update ausgestattet worden.

Die SKS hat sich nach eigenen Angaben vergeblich um Verhandlungen mit VW und Amag über eine Erstattung finanzieller Schäden für die VW-Käufer bemüht. "Der Konsumentenschutz geht von einem durchschnittlichen Schaden von 15 Prozent des Neuwerts der betroffenen Wagen aus", so die SKS. Mit der Klage muss sich das Handelsgericht in Zürich befassen.

Derweil ist Volkswagen vor dem Bundesverfassungsgericht vorerst mit dem Versuch gescheitert, den Einsatz eines Sonderprüfers in der Abgas-Affäre zu verhindern. Das Gericht in Karlsruhe lehnte einen entsprechenden Antrag des Autokonzerns ab, wie aus einer Mitteilung vom Freitag hervorgeht. VW hatte verhindern wollen, dass der gerichtlich eingesetzte Sonderprüfer tätig wird, solange in Karlsruhe noch über eine Verfassungsbeschwerde des Autobauers gegen den grundsätzlichen Einsatz dieses Kontrolleurs entschieden wird. Dies lehnte das Gericht ab, weil der Antrag unzulässig sei. VW habe unter anderem die "Dringlichkeit einer sofortigen Entscheidung nicht hinreichend dargelegt", heißt es in der Begründung. Die Beschwerde ist aber weiterhin anhängig.

Beantragt worden war die Sonderprüfung von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Die Aktionärsvertreter erhoffen sich Antworten zu den Fragen, ob Vorstand und Aufsichtsrat bei VW in Verbindung mit den Software-Manipulationen rechtliche Pflichten verletzt und wann sie von den Vorgängen erfahren haben. Das Oberlandesgericht Celle (OLG) hatte dem Einsatz eines Sonderprüfers in November stattgegeben.

Bei seiner Beschwerde hatte VW nach Informationen von "Süddeutscher Zeitung", NDR und WDR geltend gemacht, dass die OLG-Entscheidung den Konzern in seinen Grundrechten verletzt habe.

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