Angela Merkel auf der IAA
Elektro-Show für die Bundeskanzlerin

Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrem Eröffnungsrundgang auf der IAA am Stand von Mercedes neben Daimler-Chef Dieter Zetsche. Im Hintergrund das Elektro-Konzeptfahrzeug EQ A. Bild: Frank Rumpenhorst/dpa

Früher haben sich deutsche Regierungschefs gerne im Glanze der Autoindustrie gesonnt. Das ist nach den Diesel-Sünden vorbei. Doch Autobosse und Kanzlerin versuchen auf der IAA einen Neubeginn.

Frankfurt. Gerade bei Volkswagen kommt Angela Merkel dann doch noch einmal auf das leidige Thema zu sprechen. "Ist das ein Diesel?", fragt die Bundeskanzlerin VW-Markenchef Herbert Diess, als der ihr den neuen Geländewagen T-Roc vorführt. Es ist einer. Und er verbrauche nur fünf Liter, sagt der Manager. Soll heißen: er ist sauber. Die kleine Szene ist eine Ausnahme beim Merkel-Rundgang auf der Automesse IAA - nach "Dieselgate" spielt der umstrittene Antrieb in Frankfurt so gut wie keine Rolle. Die Autobosse wollen viel lieber in die elektrische und vollvernetzte Zukunft schauen.

War da was?

Und so gerät die Merkel-Visite zur am Donnerstag zur Elektro-Show, zur Demonstration der alternativen Antriebe. BMW zeigt sein Elektro-Coupé i-Vision, VW den Elektro-Bulli ID Buzz, Audi den G-tron, der auch mit Erdgas fahren kann sowie die Studie Aicon, ein selbstfahrendes Auto ohne Lenkrad und Pedale. Merkel setzt sich ins Fahrzeug, zeigt auf das Display und meint: "Hier habe ich dann also einen Fernseher"?

Dieselgate, drohende Fahrverbote in Städten, Kartellvorwürfe - war da was? Bei der Eröffnungsfeier der IAA immerhin zeigt sich Merkel verhalten kritisch - im Saal "Harmonie", ausgerechnet. Zehn Tage vor der Bundestagswahl ruft sie die die Autoindustrie zu Lehren aus dem Abgas-Skandal auf. Unternehmen hätten "Regelungslücken exzessiv ausgenutzt". Die Branche müsse stark in neue Antriebe investieren. Es hat allerdings im Wahlkampf schon härtere Kritik von Merkel an der deutschen Schlüsselbranche mit 870 000 Beschäftigten gegeben.

Und so scheint es bei diesem IAA-Rundgang wie immer zu sein. Die Kanzlerin bekommt neue Modelle gezeigt, fragt nach und wünscht danach allen alles Gute und viel Glück. Gelegentlich sorgen auch die staubtrockenen Bemerkungen der Kanzlerin für Heiterkeit beim Fachpublikum. Ford beispielsweise hat vor wenigen Tagen in Köln ein umweltfreundliches Sharing-System installiert, in dem gleichzeitig Fahrräder und Autos entliehen werden können. Merkel zeigt sich mäßig beeindruckt und verweist an ihren CDU-Parteifreund, den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten: "Da wird sich der Herr Laschet freuen."

Keine Jubelstürme

Der neue Opel-Chef Michael Lohscheller ist sicher heilfroh, der Diesel-Skeptikerin Merkel mit dem neuen Modell Grandland einen teilelektrischen Plug-in-Hybrid vorstellen zu können. Die Rüsselsheimer haben den Wagen mit Technik des neuen französischen Mutterkonzerns PSA auf die Reifen gestellt, bemühen sich aber weiter, als deutscher Hersteller wahrgenommen zu werden. Merkel verspricht beim Abgang, darauf zu achten, dass Opels deutsches Standbein erhalten bleibe.

Von der großen Elektro-Show lässt sich die Regierungschefin nicht zu Jubelstürmen hinreißen, betont aber dennoch die Chancen: "Zum Teil ist noch sehr wenig auf der Straße, aber wir sehen, dass die nächsten fünf bis zehn Jahre hier einen massiven, qualitativen Wechsel mit sich bringen werden. Und das ist auch richtig und wichtig."

Man brauche einen kontinuierlichen Übergang vom Verbrennungsmotor, den man noch Jahrzehnte brauchen werde, in die alternativen Antriebstechnologien, ohne sich zu schnell auf eine Lösung festzulegen. Sehr viel anders hätten die versammelten Autobosse wohl auch nicht sagen können.
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