11.03.2018 - 20:32 Uhr
Deutschland & Welt

Anlagetipps statt Vorurteile Was bringt eine gute Rendite?

Viele Anleger sehen Gold als Schutz vor Inflation, Immobilien als lohnende Geldanlagen und Aktien als Teufelszeug. Doch einige vermeintliche Wahrheiten an der Börse fallen ganz anders aus.

Gold gilt als sicherer Hafen. Archivbild: Sven Hoppe/dpa
von Agentur DPAProfil

Frankfurt/Berlin. Geht es ums Geld, gibt es viele Vorurteile. Zum Beispiel, dass man an der Börse nur verlieren kann. Oder dass Gold ein sicherer Hafen ist und Immobilien sich immer rentieren. Einer Überprüfung halten diese Vorurteile allerdings nicht stand, wie auch eine neue Studie von Wissenschaftlern der London Business School und Experten der Schweizer Bank Credit Suisse eindrucksvoll zeigt.

Die Forscher verglichen verschiedene Anlageklassen seit dem Jahr 1900. Analysiert wurden 23 Länder und 3 Kontinente, darunter die USA, China und Japan sowie wichtige europäische Länder wie Deutschland. Zusammen stehen sie bei Aktien etwa für 91 Prozent der weltweiten Märkte.

Eine Erkenntnis: Aktien zahlen sich auf lange Sicht immens aus. So lag die Rendite bei einer weltweiten Aktienanlage seit 1900 bei 5,2 Prozent - pro Jahr. Für Anleihen, die vielen Anlegern wegen ihrer Verzinsung als sicher gelten, ermittelten die Forscher eine jährliche Rendite von 2 Prozent. Betrachtet man die vergangenen 50 Jahre, brachten weltweite Aktien jährlich 5,3 und Anleihen 4,4 Prozent. Das vermeintlich sichere Gold brachte in dem Zeitraum nur 0,7 Prozent.

Allerdings betonen die Autoren der Langzeitstudie: Gewinne sind an der Börse nicht garantiert. Denn in dem langen Beobachtungszeitraum mussten Anleger auch äußerst schwierige Zeiten durchstehen: die beiden Weltkriege, die große Depression in den 1930er Jahren, die Ölkrise in den 1970er Jahren, den Schwarzen Freitag 1987, das Platzen der Internetblase oder die Finanzkrise nach der Lehman-Pleite.

Auch mit einem anderen Vorurteil räumt die Studie auf: Immobilien sind demnach im Schnitt keine rentable Anlage, sondern eher ein Verlustbringer. Seit 1900, so die Forscher, lagen die jährlichen Erträge mit Immobilien weltweit im Schnitt zwischen jenen von Aktien (5,2 Prozent jährlich) und Anleihen (2 Prozent). Der Großteil der Immobilienerträge von 4,8 Prozent nach Inflation seien aber Mieteinkünfte, der Wertgewinn der Gebäude betrage nur 1,3 Prozent. Bereinige man gängige Immobilien-Indizes um den Effekt von Metropolen, schrumpfe der Ertrag. Und nach Instandhaltungskosten und Versicherung stehe ein Verlust von rund zwei Prozent pro Jahr, so die Forscher. Naturgemäß sieht das Bild in gefragten Städten besser aus.

Auch gibt es neben Aktien und Immobilien laut der Credit-Suisse-Studie exotische Renditebringer, die viele nicht auf der Rechnung haben. So stiegen die Preise für einige Sammlerobjekte seit dem Jahr 1900 stärker als von Anleihen, die in Depots oft großes Gewicht haben. Mit Wein etwa konnten Investoren jährlich im Schnitt etwa 3,7 Prozent nach Inflation verdienen, mehr als mit Briefmarken (2,6) und Violinen (2,4). Mit globalen Anleihen waren es nur 2,0 Prozent. Kunst kommt immerhin auf eine Steigerung von 1,9 Prozent.

Die Renditen ergeben sich aber nur für Spitzenobjekte wie erlesene Weine, nicht für Standard-Tropfen. Auch kommen sie für die meisten Sparer mangels Vermögen ohnehin kaum in Frage. Ein Plus indes aus Sicht von Liebhabern: Während Zinsen, Dividenden und Kursgewinne oft hoch besteuert werden, bleiben viele Sammelgüter verschont.

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