Arzneimittelhersteller Stada kommt nicht zur Ruhe
Posse um Stada

Bei Stada herrscht weiterhin Spannung - unter anderem wegen der schweren Vorwürfe gegen frühere Firmenchefs. Bild: Frank Rumpenhorst/dpa

Der Arzneimittelhersteller Stada kommt auch nach dem Verkauf an Finanzinvestoren nicht zur Ruhe. Auf der Hauptversammlung überrascht Aufsichtsratschef Oetker mit schweren Vorwürfen gegen frühere Firmenchefs. Aktionärsvertreter fordern Aufklärung.

Frankfurt. Die Querelen bei Stada gehen nach monatelangem Gezerre um einen Verkauf an Finanzinvestoren weiter. Aufsichtsratschef Carl Ferdinand Oetker, der wegen der Übernahme durch Bain und Cinven selbst abtritt, erhob auf der Hauptversammlung des Arzneimittelherstellers am Mittwoch schwere Vorwürfe gegen die früheren Firmenchefs Hartmut Retzlaff und Matthias Wiedenfels sowie Ex-Finanzvorstand Helmut Kraft. Wegen "belastbaren Hinweisen auf schwerwiegenden Pflichtverletzungen" wolle der Aufsichtsrat sie nicht entlasten, sagte er.

Damit ging Oetker auch auf Konfrontation zu Übergangschef Engelbert Willink, der mehr Zeit für eine Untersuchung forderte. Die Entlastung der früheren Führungsspitze wurde mit großer Mehrheit der Anteilseigner auf das Aktionärstreffen 2018 vertagt. Mit einer Entlastung sprechen Aktionäre auf Hauptversammlungen dem Management üblicherweise ihr Vertrauen aus. Juristisch gesehen hat eine verweigerte Entlastung keine Folgen.

Oetkers Attacke auf die frühere Spitze kam unerwartet: Ursprünglich hatten Vorstand und Aufsichtsrat eine Entlastung gefordert. Oetker erklärte aber, es gebe neue Ermittlungen des Aufsichtsrats wegen Verstößen gegen Rechtsgrundsätze im Asiengeschäft sowie Beraterverträge ohne erkennbare Leistungen für Stada. Die Hinweise hätten die Grundlage für die Zusammenarbeit mit Wiedenfels und Kraft zerstört. Daher seien sie im Juli abgetreten. Mit seinem Vorstoß sende der Aufsichtsrat das Signal, "dass wir solche Geschäftspraktiken nicht tolerieren können."

Der langjährige Firmenchef Retzlaff, den aktivistische Investoren 2016 aus dem Amt drängten, habe ebenfalls die Möglichkeit für Stellungnahmen erhalten. Wiedenfels ließ die Anschuldigungen Oetkers von seiner Anwältin zurückweisen. Die genannten geschäftlichen Themen seien bekannt und böten "nach gründlicher Prüfung keinen Anhaltspunkt für Pflichtverletzungen" durch Wiedenfels. Der plötzliche Schwenk, ihrem Mandanten die Entlastung zu verweigern, sei nicht nachvollziehbar.

Mit den Vorwürfen gegen die früheren Firmenchefs handelt Oetker kurz vor Ende seiner Amtszeit. Er tritt gemeinsam mit vier weiteren Kontrolleuren zum 25. September ab. Die neuen Eigentümer Bain und Cinven wollen eigene Vertreter in den Aufsichtsrat senden. Oetker gilt als Gegner eines Verkaufs und soll mit Wiedenfels über Kreuz gelegen haben.

Stada sei ein Lehrstück für schlechte Unternehmensführung, sagte Winfried Mathes von der Dekabank. "Wir bekommen von allen Protagonisten eine Daily Soap geliefert, die man mit dem Titel ,Alle zusammen - jeder für sich' beschreiben könnte." Peter Barth vom Anlegerschutzverein DSW kritisierte, Wiedenfels und Kraft seien nach dem ersten gescheiterten Übernahmeversuch von Bain und Cinven "aus dem Amt gedrängt worden".

Er kritisierte dass Willink nur einen Vertrag bis Jahresende hat und der dritte Stada-Chef binnen rund eines Jahres ist. Ungereimtheiten müssten "schonungslos aufgeklärt" werden, forderte Barth. "Geld gemacht haben die Hedgefonds, verloren hat die Gesellschaft." Die traditionsreiche Stada habe "ihre über Jahrzehnte aufgebaute Identität verloren".

Die Aktionäre billigten zudem ein neues Vergütungssystem, das der variablen Bezahlung des Stada-Managements mehr Gewicht gibt. Aufsichtsratschef Oetker sowie weitere Kontrolleure wurden mit großer Mehrheit entlastet.
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