30.03.2017 - 21:54 Uhr
Deutschland & Welt

Autonomes Fahren: Computer am Steuer

Wir sind bereit, signalisieren die Autobauer seit Jahren. Bereit für neue Technologien, die Fahrern das Fahren abnehmen können. Nun schafft die Politik einen rechtlichen Rahmen. Doch es gibt erste Kritik.

von Agentur DPAProfil

Berlin. Wenn es um computergesteuerte Autos und ihre neuen Möglichkeiten geht, sind für Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) die Vorteile klar: weniger Unfälle, weniger Staus, weniger Parkplatz-Suche. Das sei "die größte Mobilitätsrevolution seit der Erfindung des Automobils". Und das Autoland Deutschland solle dabei vorweg fahren.

Was regelt das Gesetz? "In der Zukunft darf der Computer ans Steuer", lautet eine zentrale Neuerung, wie Dobrindt sagt. "Wenn der Computer fährt, dann haftet am Schluss der Hersteller", eine andere. Gesetzlich geregelt werden nun die Voraussetzungen. So muss das System durch den Fahrer jederzeit per Hand übersteuerbar oder deaktivierbar sein - und "rechtzeitig" mit Ton- oder Lichtsignalen anzeigen, wenn das nötig wird. Fahrer müssen also wieder eingreifen können, wenn etwa aufgewirbelter Regen auf der Fahrbahn die Sensoren stört. Ist eine Computerfunktion nur für Autobahnen gedacht, darf man sie nicht auf Landstraßen nutzen.

Was gibt es schon an Automatisierungen? Möglich ist eine Menge. So werden Notbremsassistenten in immer mehr Autos eingebaut. Futuristisch muten Parkhilfen an, die Autos mit einer Smartphone-Steuerung in die Garage lenken. Der Fahrer muss nur zur Sicherheit einen Finger auf dem Bildschirm haben - unterbricht der Kontakt, bremst der Wagen. Das Auto findet den Weg aber allein. Auf der Autobahn sollen Fahrer die Hände vom Steuer nehmen können, wenn das Auto selbst Abstand zum Vordermann hält und eigenständig Spuren wechselt.

Was verspricht sich die Autoindustrie? Für die Autohersteller sind die kleinen Helfer ein Zusatzgeschäft. Nicht zufällig wird die Technologie zuerst in den Flaggschiffen eingebaut. Insbesondere Oberklassehersteller wie BMW, Daimler und Audi wollen sich damit abheben. Stecken Kameras, Sensoren, Radar und dazugehörige Steuerung auf Bremsen und Lenkung einmal im Auto drin, werden zusätzliche Anwendungen für die Hersteller nur wenig teurer. "Jedes Mal wenn wir einen neuen Legobaustein haben, können wir ihn einbauen", sagt Daimler-Entwicklungsvorstand Ola Källenius.

Kaufen die Leute so etwas? Das Interesse ist bei Neuwagenkäufern laut einer Umfrage von Dekra zumindest da. Vor allem offensichtliche Helfer wie Notbremsassistenten hätten viele Menschen gern im Auto. Diese sollen verhindern, dass der Wagen Fußgänger erfasst. Weniger dringend werden Spurhalteassistent oder Verkehrszeichenerkennung bewertet.

Wie geht es weiter? An den neuen Regelungen wird schon Kritik laut, vor allem bei der Haftung. Der "schwarze Peter" bleibe beim Autofahrer, kritisiert der Deutsche Anwaltverein. "Bei einer immer stärkeren Automatisierung des Straßenverkehrs wäre eine stärkere Einbeziehung der Hersteller in die Haftung nur konsequent", fordert Präsident Ulrich Schellenberg. Der Autofahrerclub ADAC mahnte verbindliche Vorgaben dazu an, dass eine "Übernahmeaufforderung" an den Fahrer nicht zu kurz im Voraus kommt. Über ethische Regeln für die Programme berät eine Expertenkommission. Geklärt sehen will Dobrindt auch den Umgang mit den Fahrzeugdaten.

Was ist noch Zukunftsmusik? Alles was auf der Straße ist, läuft unter "Level 2". Darunter versteht die Branche teilautomatisiertes Fahren - der Mensch kann eingreifen und überwacht die Systeme. Als "Level 3" gilt hochautomatisiertes Fahren, bei dem sich der Fahrer sich zeitweise anderen Tätigkeiten zuwenden kann. Das soll nicht vor 2020 kommen.

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