29.12.2016 - 15:24 Uhr
Deutschland & Welt

BA-Chef Weise rät: IT-Kurs statt PC-Spiele

Maschinen, die sich selbst mit Material versorgen, Service-Roboter, die mit Menschen kooperieren - die Entwicklung zur vernetzten Fabrik ist nicht mehr aufzuhalten. Höchste Zeit, dass sich Beschäftigte darauf vorbereiten, findet Bundesagentur-Chef Weise.

Frank-Jürgen Weise. Bild: dpa
von Agentur DPAProfil

Nürnberg. Beschäftigte sollten sich nach Ansicht des Chefs der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, frühzeitig auf den digitalen Wandel der deutschen Wirtschaft vorbereiten. Die Entwicklung sei nicht mehr aufzuhalten und erfordere von jedem einzelnen die Bereitschaft, sich frühzeitig darüber zu informieren, wie sich die Anforderungen im eigenen Job verändern werden, sagte Weise der dpa. Jeder müsse auch bereit sein, sich in Eigeninitiative fortzubilden.

Neue Orientierung nötig

Seiner Einschätzung nach werden von der sogenannten Industrie 4.0 sehr viele Beschäftigte betroffen sein. Er beruft sich dabei auf Forscher, die im Zuge von Wirtschaft 4.0 bis zum Jahr 2025 in Deutschland mit dem Verlust von 1,5 Millionen Jobs bei gleichzeitiger Entstehung von 1,5 Millionen Arbeitsplätzen rechnen. Zwar würden unter dem Strich kaum Arbeitsplätze wegfallen. Hunderttausende von Beschäftigten müssten sich aber beruflich völlig neu orientieren, heißt es in einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung vom vergangenen Herbst. "Und da kann ich jedem einzelnen nur die gute Empfehlung geben, sich darauf einstellen. Da müssen die Menschen entscheiden, ob sie Computerspiele machen oder einen IT-Kurs belegen und ob sie in der Freizeit auch mal Englisch lernen", sagte Weise. Aber auch Firmen seien gefordert. Sie müssten ihre Beschäftigten frühzeitig für die neuen Aufgaben in der digitalen Welt qualifizieren.

Modellprojekt

Derzeit würden in einem Modellprojekt BA-Mitarbeiter darauf vorbereitet, künftig Menschen bei ihrer Berufsplanung in Bezug auf die Wirtschaft 4.0 fundiert beraten zu können. "Eine solche Beratung würde dann beispielsweise auch der 50-Jährige bekommen, der als Aufzugsmonteur in einem Maschinenbau-Unternehmen arbeitet und dessen Arbeit sich gewaltig ändern wird." Das Projekt "Lebensbegleitende Berufsberatung" solle von März 2017 an in drei Arbeitsagenturen in Deutschland erprobt werden. Dem Projekt liege die Annahme zugrunde, dass sich im Zuge der Digitalisierung Berufsbilder schneller verändern als früher. Berufs- und Weiterbildungsberatung müsse sich daher durch das gesamte Erwerbsleben ziehen.

Nach der Definition des Bundeswirtschaftsministeriums zeichnet sich Wirtschaft 4.0 durch eine enge Verzahnung der Produktion mit modernster Informations- und Kommunikationstechnik aus. Dabei koordinieren unter anderem intelligente Maschinen selbstständig Fertigungsprozesse, Service-Roboter kooperieren in der Montage mit Menschen. Roboter sollen auch eigenständig Abläufe organisieren, Mängel melden und Nachschub organisieren - und das alles vernetzt mit den Kunden.

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