28.08.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Bafin registriert Tausende Beschwerden über Anlageberater - Register nach wie vor umstritten Massenhaft verärgerte Bankkunden

Trotz strengerer Auflagen für Anlageberater nach der Finanzkrise fühlen sich Tausende Bankkunden schlecht behandelt. Seit Einführung neuer Vorgaben im November 2012 registrierte die Finanzaufsicht Bafin bis Juli 16 274 Anzeigen in ihrem neuen Mitarbeiter- und Beschwerderegister.

Wie lege ich mein Geld am besten an? Wer sich diese Frage von einem Bankberater beantworten lässt, bekommt nicht immer eine gute Antwort. Das legen zumindest die Zahlen der Finanzaufsicht Bafin nahe. Bild: dpa
von Agentur DPAProfil

Diese Zahl geht aus einer Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine Anfrage der Grünen im Bundestag hervor. Sanktionen oder Bußgelder wurden noch nicht verhängt. Gemessen an der Zahl von insgesamt etwa 70 Millionen Anlageberatungen pro Jahr hatte die Kreditwirtschaft schon länger von einer "relativ geringen" Zahl im neuen Beschwerderegister gesprochen. Zumal bei der Bafin die gesamte Bandbreite registriert werde - von Kritik über Reklamationen bis hin zu tatsächlichen Beschwerden.

"Kein Respekt" vor Kunden

Die Grünen-Abgeordnete Bärbel Höhn kritisierte, es werde immer deutlicher, dass die nach der Finanzkrise ergriffenen Maßnahmen wenig bringen, um Bankkunden vor schlechter Beratung und schlechten Produkten zu schützen. "Außer frommen Gesprächen zwischen Aufsichtsbehörden und Vertriebsverantwortlichen in den Banken gibt es scheinbar keinen Effekt", sagte Höhn. Ohne Bußgelder und staatliche Testkäufer entwickelten Banken und Versicherungen "keinen größeren Respekt" vor ihren Kunden.

Zu den aktuellen Zahlen erklärte die Deutsche Kreditwirtschaft, der Spitzenverband der Bankenbranche, schon vor Einführung des Melderegisters hätten umfassende Anforderungen gegolten. Zudem gebe es seit langem bewährte Verfahren des Beschwerdemanagements. Ende 2013 lagen nach Bafin-Angaben 9720 reine Beschwerden vor. Davon entfielen 4019 auf Privat- und Auslandsbanken sowie 3234 auf Sparkassen/Landesbanken. 2246 Anzeigen betrafen genossenschaftliche Banken und 221 Finanzdienstleister.

Unter Generalverdacht

Banken müssen jede Beschwerde bei der Bafin melden - unabhängig davon, ob sie begründet oder unbegründet ist. Übermittelt werden müssen sämtliche Unmutsäußerungen der Kunden gegenüber ihren Anlageberatern. Dies gilt auch für Beschwerden, die sich später als Missverständnis erweisen. Die Beschwerden werden zunächst als bloße Zahl im Mitarbeiter- und Beschwerderegister erfasst. Die Aufseher ordnen sie den einzelnen Beratern und Filialen zu, um eingreifen zu können. Als letzte Möglichkeit kann der Einsatz eines Anlageberaters befristet untersagt werden.

Die meisten Institute beurteilen den Nutzen des Registers nach einer Umfrage des Deutschen Aktieninstituts als gering. Auch die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hatte sich in der Vergangenheit gegen das Register ausgesprochen und auf die relativ geringe Beschwerdequote verwiesen. Zudem würden Anlageberater zu Unrecht unter Generalverdacht gestellt.

Themenseiten:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.