Besser als erwartet
Wirtschaft in China zieht wieder an

Im Hafen von Shanghai werden Container verladen: Nie zuvor hat China so viel Kapital im Ausland investiert wie im vergangenen Jahr. Archivbild: dpa

Die neuesten Wirtschaftszahlen aus der zweitgrößten Volkswirtschaft fallen besser aus als erwartet. Doch rasant steigende Schulden und ein heißlaufender Bausektor bleiben die wichtigsten Stützen des Wachstums.

Peking. Neue Konjunkturdaten deuten darauf hin, dass China wieder Fahrt aufnimmt. Die Erzeugerpreise sind im Dezember so schnell wie seit fünf Jahren nicht gestiegen. Die Preise machten im Vergleich zu Dezember 2015 einen Sprung um 5,5 Prozent. Analysten hatten mit 4,5 Prozent gerechnet und werten die Zahlen als Zeichen der Stabilisierung.

Steigende Rohstoffpreise und enorme Nachfrage im Bausektor hätten zum Preisschub im Großhandel beigetragen. Auch die Verbraucherpreise stiegen um 2,1 Prozent. Angekurbelt durch boomenden Wohnungsmarkt, steigende Infrastrukturausgaben und Kreditwachstum ist Chinas Wirtschaft von Januar bis September um 6,7 Prozent gewachsen, so langsam wie seit 25 Jahren nicht mehr.

Es gebe Fortschritte im Kohle- und Stahlsektor: Überkapazitäten in Höhe von 295 Millionen Tonnen seien im letzten Jahr abgebaut worden. 800 000 Arbeiter hätten deshalb ihre Jobs verloren, von denen aber die meisten eine neue Beschäftigung gefunden hätten. Neben der steigenden Verschuldung von Unternehmen, gelten Überkapazitäten als eines der größten Wirtschaftsprobleme.

In Erwartung, dass der Wirtschaftsboom immer weiter geht, haben Unternehmen mehr Fabriken gebaut und Arbeiter eingestellt, als nötig wären. Laut Fachleuten müssen Millionen Arbeiter in neue Jobs gebracht werden, bevor das Problem gelöst ist.

Dem chinesischen Automarkt haben staatliche Steueranreize 2016 das stärkste Wachstum seit drei Jahren gebracht. Es wurden 23,9 Millionen Wagen verkauft - fast 16 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Chinesische Auslandsinvestitionen sind um 40 Prozent auf Rekordhöhe von 180 Milliarden Euro gestiegen. Deutschland hat in der EU mit elf Milliarden Euro das meiste Kapital aus China angezogen. Zum ersten Mal floß mehr Kapital aus China nach Deutschland als umgekehrt. Die Europäer sind zögerlicher geworden, in China zu investieren: Die Investitionen in China fielen auf nur acht Milliarden Euro - gut ein Viertel der chinesischen Investitionen in der EU. Ursache für den Rückgang sind das sinkende Wachstum, rückläufige Gewinnmargen und Hürden für ausländische Investoren. Die Europäer fordern, in China ähnlich frei investieren zu dürfen wie chinesische Unternehmen es in Europa tun können.
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