Besser als ihr Ruf: Jugendliche und ihr Umgang mit Geld - 6,6 Millionen Deutsche überschuldet
"Handys oft die Einstiegsdroge"

Manchmal rettet nicht einmal mehr das Schlachten des Sparschweins. Rund 6,6 Millionen Menschen in Deutschland sind überschuldet. Bild: dpa

Oft reicht eine Unterschrift für den Schritt in die Schulden. "Man wird 18 und freut sich tierisch, endlich Verträge machen zu dürfen", blickt ein Auszubildender in einem Internetforum zurück. Zuerst schließt er einen Handyvertrag ab, es folgen Abos. "Dann wurde das Thema Kreditkarten immer interessanter. Ich beantragte mir also eine Kreditkarte." Drei Wochen später ist der Lehrling mit mehr als 1300 Euro im Minus

"Wie ist es passiert? Ich habe zu wenig drauf geachtet. Hier mal 50 Euro bar abgeholt, da mal Essen mit Freundin, da ne neue CD etc. Häuft sich ja in 3 Wochen etwas an. Nun habe ich ein Problem. Wie werde ich diese verdammten Schulden los?"

Nach Angaben der Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung waren vergangenes Jahr 6,6 Millionen Deutsche überschuldet, knapp jeder zehnte Erwachsene. Ihr Geld reicht über einen längeren Zeitraum nicht für die Tilgung. 216 000 Schuldner waren jünger als 20 Jahre, jeder Fünfte von ihnen hat mehr als 10 000 Euro Schulden. Die Arbeiterwohlfahrt Südost in Berlin hat zusammen mit dem Jugendberatungshaus Neukölln vergangenes Jahr etwa 140 Jugendliche beraten. "Handys sind oft die Einstiegsdroge. Der Vertrag wird abgeschlossen, nicht bezahlt und so geht es dann weiter", schildert Schuldenberater Ralf Rosenberg von der Arbeiterwohlfahrt.

"Hinzugekommen sind in den letzten Jahren diese Bestellungen per Internet, nun muss man nicht mal mehr von Laden zu Laden laufen", sagt Rosenberg. Neben Handy- und Konsumschulden stünden die 21- bis 22-Jährigen zudem häufig bei den Ausgaben für Miete und Energie in der Kreide. "Letztes Jahr waren es im Schnitt 8000 Euro Schulden, wobei es eine große Spannbreite gibt. Das geht von 100 bis hin zu 40 000 Euro", sagt Rosenberg. "Unserer Meinung nach hat es fast immer mit Unwissenheit und Naivität zu tun."

Zu wenig Wissen

Dass Jugendliche zu wenig über Finanzen wissen, hat auch die Kreditauskunftei Schufa in einer Studie festgestellt. Demnach fühlt sich nur ein Drittel aller Jugendlichen gut informiert. Nur 44 Prozent der Jugendlichen gaben an, immer einen Überblick über die eigenen Ausgaben zu haben. Karsten John von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) meint: "Jugendliche müssen immer komplexere Finanzentscheidungen treffen." Deshalb wünschten sich 60 Prozent der Jugendlichen mehr Aufklärung zu Wirtschaftsthemen: "Jugendliche erwarten Informationen von neutraler Stelle, wie der Schule."

Auch Internet und soziale Medien genießen demnach großes Vertrauen - allerdings verliert jeder zweite Jugendliche nach Erkenntnissen der Schufa in der Flut an Informationen den Überblick. "Das ist ein alarmierendes Zeichen, die Informationen sind zu diffus", sagt John. Allerdings sieht die Schufa den Umgang junger Menschen mit finanziellen Dingen generell optimistisch. Mehr als die Hälfte der 15- bis 20-Jährigen spare regelmäßig. Wer einen Kredit aufnehme, zahle ihn in aller Regel zurück. Allerdings erfasst die Schufa-Statistik keine Dispokredite und Verbindlichkeiten, zum Beispiel aus Verträgen mit Mobilfunkanbietern.
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