29.01.2018 - 20:10 Uhr
Deutschland & Welt

Branchen-Studie: Paketverkehr wird überschätzt Drohnen sind der Paketflut nicht gewachsen

Der Online-Handel legt von Jahr zu Jahr zu, mehr Lieferverkehr in den Städten ist die Folge. Neue Konzepte sollen die Belastungen begrenzen. Eine Branchen-Studie behauptet: Das ist alles halb so wild.

Ein DHL-Paketbote trägt Zalando-Päckchen aus. Bild: Arne Dedert/dpa
von Agentur DPAProfil

Hamburg. Wer bringt künftig die Schuhe von Zalando, den Anzug von Otto.de oder die Büchersendung von Amazon? Eine fliegende Drohne, ein kleiner Zustell-Roboter auf Rädern oder ein autonom fahrendes Elektrofahrzeug? Oder doch weiterhin der Paketbote von UPS, DHL oder Hermes? An der innerstädtischen Logistik entzündet sich die Fantasie von Verkehrsplanern und Versandhändlern. Die "letzte Meile" vom Logistikzentrum am Stadtrand zum Kunden ist noch eine ungelöste Herausforderung.

Im Jahr 2025 werden rund fünf Milliarden Pakete jährlich in Deutschland verschickt, erwartet die Unternehmensberatung McKinsey. Das wären fast doppelt so viele wie heute. Die meisten gehen an private Haushalte - rund ein Fünftel aller Waren sollen dann im Internet bestellt und an die Haustür geliefert werden.

Liefertempo steigt weiter

"In deutschen Großstädten macht sich der Boom im Online-Handel stark bemerkbar", sagt Dirk Rahn, Geschäftsführer Operations von Hermes Deutschland. Das Tempo steigere sich weiter, Sofortlieferung und Lieferung am gleichen Tag gewännen an Bedeutung. Gegen Konzepte mit Drohnen und Robotern spricht die schiere Menge, meint die Hamburger Unternehmensberatung MRU. "Den Geräten fehlt es in aller Regel an einer ausreichenden Transportkapazität und Reichweite", sagt Geschäftsführer Horst Manner-Romberg. Er rechnet damit, dass die Branche eher auf Micro-Hubs oder auch Micro-Depots setzen wird - dezentrale Verteilzentren in den Stadtteilen.

Dafür gibt es eine Reihe von Modellen und Pilotversuchen. UPS hat schon vor Jahren ausprobiert, einen Container mit den Sendungen für ein Quartier morgens abzustellen und die Pakete über den Tag zu Fuß, mit Sackkarren und speziellen elektrischen Lastenrädern zuzustellen.

In einer französischen Stadt wurden ausrangierte Straßenbahnen genutzt, um Pakete von einem Lager am Stadtrand ins Zentrum zu schaffen. In Bremen werden Pakete in einem Bus-Anhänger zu einem zentralen Standort gebracht und dann per Lasten-Pedelec verteilt. Amazon favorisiert Paketautomaten, wie auch DHL. Im nächsten Schritt könnten diese Geräte mobil werden und autonom die Empfänger ansteuern. Eine weitere Lösung sind Paketkästen vor Privat- und Mietshäusern, die ähnlich wie Briefkästen funktionieren.

Die britische Unternehmensberatung Cushman & Wakefield erwartet, dass der Bedarf an innerstädtischen Logistik-Flächen bis 2021 um 77 Prozent steigen wird. "Zukünftig wird es für Online-Einzelhändler und Paketzusteller entscheidend sein, innerstädtische Logistikflächen zu nutzen, um die steigenden Erwartungen der Kunden befriedigen zu können", heißt es in einer Studie.

Studie: Problem überschätzt

Vielleicht wird das Problem aber auch überschätzt. "Besonders in dicht besiedelten Ballungsräumen ist zwar eine beeindruckende Zahl an Lieferfahrzeugen im Einsatz", sagt Manner-Romberg. Im Vergleich zu relevanten Verkehrsströmen in einer Großstadt zeige sich aber, dass Individualverkehr oder gewerbliche Lieferverkehre weiter dominierten. In der Hansestadt sind 770 000 private Pkw registriert, die täglich ohne Pendler 1,7 Millionen Fahrten unternehmen. Dagegen fallen die täglich 870 Lieferfahrten durch Paketdienste bisher kaum ins Gewicht. Der gewerbliche Lieferverkehr versorgt Hamburgs Restaurants, Cafés, Bäckereien, Supermärkte, Apotheken, Zeitschriftenhändler und Floristen oft mehrmals am Tag - mit fast fünf Millionen Fahrten jährlich.

Noch einmal das Dreifache davon macht die Belieferung der mehr als 100 000 Unternehmen mit Vorprodukten oder Roh- und Hilfsstoffen aus. Allerdings hat die Studie einen kleinen Haken: Bezahlt hat sie der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel.

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