26.08.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Burger King schluckt kanadische Kaffeehaus-Kette und will den USA den Rücken kehren Das schmeckt nach Steuerflucht

Das dürfte den Abgeordneten in Washington überhaupt nicht schmecken, denn die 1954 in Miami gegründete uramerikanische Traditionsmarke Burger King zieht es nach Kanada wegen der hohen Unternehmenssteuern in den USA. Grund für das Manöver: Der Fast-Food-Gigant will die kanadische Kaffee- und Donut-Kette Tim Hortons schlucken.

Im Mai gingen in vielen Städten der USA Mitarbeiter von Burger King auf die Straße, um gegen die ihrer Meinung nach viel zu niedrigen Löhne zu protestieren. Jetzt dürfte der Fast-Food-Konzern für noch mehr Unmut sorgen, allerdings auf höherer Ebene: Das Unternehmen will aus steuerlichen Gründen nach Kanada abwandern. Bild: dpa
von Agentur DPAProfil

Die Verhandlungen seien bereits angelaufen, teilten die beiden Unternehmen in der Nacht zu Montag mit. Anleger reagierten begeistert: Burger Kings Aktie legte im vorbörslichen Handel in New York um mehr als 16 Prozent zu. An der Börse weiß man: Mit dem Zukauf könnte Burger King seinen Hauptsitz nach Kanada verlegen und so Steuern sparen. Die beiden Unternehmen würden zusammen auf einen Marktwert von rund 18 Milliarden Dollar (13,6 Milliarden Euro) kommen - davon entfallen etwa 8,4 Milliarden Dollar auf Tim Hortons.

Die Rahmenbedingungen für den Zusammenschluss müssten noch ausgehandelt werden, hieß es. Klar ist aber schon, dass die Beteiligungsgesellschaft 3G Capital als bisheriger Burger-King-Hauptaktionär auch die Mehrheit an einem fusionierten Unternehmen halten will. Gemeinsam brächten es die Firmen laut eigenen Angaben auf einen Jahresumsatz von 22 Milliarden Dollar und mehr als 18 000 Läden in rund 100 Ländern. Tim Hortons ist die größte Restaurantkette in Kanada und Burger King hinter dem amerikanischen Konkurrenten McDonald's'weltweit die Nummer Zwei im Hamburger-Bratgeschäft.

Burger King geht es bei der möglichen Übernahme vor allem darum, dem amerikanischen Fiskus ein Schnippchen zu schlagen. Die Unternehmenssteuerquote in Kanada liegt laut Daten der Wirtschaftsberatungsgesellschaft KPMG bei 26,5 Prozent, in den USA sind es rund 40 Prozent.

Ein Trick namens Inversion

"Die USA haben die höchsten Unternehmensteuern aller Industrieländer und sie sind der einzige G7-Staat, der an einem überholten Steuersystem festhält, bei dem im Ausland erzielte Gewinne zusätzlich im Inland belastet werden", erläuterte Expertin Laura Tyson von der Universität Berkeley in Kalifornien.

Bislang machen es die US-Gesetze den Konzernen relativ leicht, den hohen Steuern aus dem Weg zu gehen. Die Verlagerung des Hauptsitzes ins Ausland - Inversion genannt - ist etwa gestattet, wenn bei einem Zusammenschluss mindestens 20 Prozent der Anteile an dem fusionierten Unternehmen an die ausländischen Aktionäre übergehen.

Dieser Steuertrick ist zwar nicht neu, doch er wird immer beliebter. So bemühten sich zuletzt unter anderem der Bananenhändler Chiquita und der Pharmariese Pfizer, mit diesem Motiv Wettbewerber im Ausland zu übernehmen. Die Unternehmen wandern in der Regel aber nur auf dem Papier aus. Denn Werke und Verwaltung der Firmen können in den USA bleiben.

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