06.03.2018 - 21:48 Uhr
Deutschland & Welt

BWM baut Elektro-Auto in München Toyota nimmt Abschied vom Diesel

Die Probleme mit zu hohem Schadstoffausstoß und Tricksereien in der Abgasreinigung lassen die Nachfrage nach Dieselautos vor allem in Deutschland stark zurückgehen. Ein Branchenriese zieht jetzt Konsequenzen - nicht nur in Europa.

Beim Volkswagen-Konzernabend wird im Vorfeld des Genfer Autosalon der VW I.D. Vizzion präsentiert. Damit will VW in Konkurrenz zu Tesla treten. Bild: Uli Deck/dpa
von Agentur DPAProfil

Genf/Tokio. Toyota zieht sich weltweit aus dem Geschäft mit Diesel-Pkw zurück. Wegen der sinkenden Nachfrage will der japanische Autoriese sein Angebot an Personenwagen mit Selbstzünder-Antrieb ab sofort herunterfahren. Entsprechende Schritte würden noch in diesem Jahr unternommen, kündigte der Konzern am Rande des Automobilsalons in Genf an. Man reagiere so auf das geringere Interesse der Kunden. Bei Geländewagen oder leichten Nutzfahrzeugen soll es aber weiterhin auch Diesel-Versionen geben.

Die Pkw-Pläne bezögen sich auf die konzernweite Strategie, betonte eine Sprecherin von Toyota Deutschland am Dienstag - nicht etwa nur auf Europa. Im vorigen Jahr hatten bei den Japanern nur noch weniger als 10 Prozent der verkauften Wagen im Segment einen Dieselantrieb. Fahrzeuge mit Hybridantrieb - einer Kombination aus Verbrennungs- und Elektromotor - kamen dagegen auf einen Anteil von 41 Prozent.

Toyota-Europa-Chef Johan van Zyl erklärte in Genf, der Konzern wolle 2018 erstmals eine Million Autos in Europa verkaufen und den Hybrid-Anteil dabei noch auf 47 Prozent steigern. "Wir bauen auf dem Erfolg unserer Hybrid-Reihe auf und lassen die Dieselmotoren bei unseren Personenwagen auslaufen", sagte van Zyl. Bei Nutzfahrzeugen wie dem Pick-up Hilux oder Geländewagen blieben Dieselmodelle im Angebot. Toyota hat 2017 in Europa 718 000 Autos verkauft. Marktführer VW kam hier auf 3,718 Millionen Exemplare. Volkswagen präsentiert auf der Messe eine Studie seines künftigen vollelektrischen Flaggschiffs für die Luxusklasse, den I.D. Vizzion. In etwa 100 Wochen werde der elektrische I.D. in der Kompaktklasse vom Band laufen, kündigte VW an. Er werde etwa so viel kosten wie ein Diesel gleicher Größe.

Der schwedische Autobauer Volvo hatte 2017 offiziell angekündigt, sich in den kommenden Jahren Schritt für Schritt von Fahrzeugen mit reinen Verbrennungsmotoren zu trennen: Von 2019 an werde jedes neue Modell einen E-Motor haben, Diesel und Benziner sollen Schritt für Schritt durch Elektrofahrzeuge ersetzt werden. Der Chef des PSA-Konzerns (Peugeot, Citroën, Opel), Carlos Tavares, meinte zu den Diesel-Plänen: "Wenn es irgendwann nicht mehr genug Kunden gibt, die einen Diesel wollen, stoppen wir den Diesel. Aber das kommt auf die Kunden an."

In Deutschland gehen die Neuzulassungen von Dieselwagen in den Keller, das Vertrauen vieler Kunden ist wegen Unregelmäßigkeiten in der Abgasreinigung und der Debatte um Fahrverbote für ältere Diesel geschwunden. Auch in den USA kommt der Diesel im Pkw-Geschäft nicht vom Fleck.

BMW hat unterdessen den durchschnittlichen CO2-Ausstoß seiner Neuwagenflotte in Europa 2017 trotz eines geringeren Diesel-Anteils von 124 auf 122 Gramm je Kilometer gesenkt. Das gab BMW ebenfalls am Dienstag bekannt und kündigte zugleich den Bau eines rein elektrischen BMW namens i4 an, der Tesla Paroli bieten soll. Eine Studie dieses viertürigen Autos hatte BMW im September gezeigt. Vorstandschef Harald Krüger sagte am Dienstag: "Dieses Fahrzeug wird Realität: Wir werden es als BMW i4 in München bauen."

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