26.07.2017 - 21:48 Uhr
Deutschland & Welt

Daimler legt erneut stark zu Vorwürfe überschatten Bilanz

Daimler verkauft so viele Autos wie nie zuvor, aber angesichts von Diesel-Debatte und Kartell-Vorwürfen rücken die Zahlen fast in den Hintergrund. Viele Fragen sind offen.

Im Mercedes-Benz-Werk in Sindelfingen fertigen Arbeiter Fahrzeuge der S-Klasse. Daimler hat von April bis Juni weltweit mehr als 595 000 Autos von Mercedes-Benz verkauft. Bild: Sebastian Kahnert/dpa
von Agentur DPAProfil

Stuttgart/München. Trotz der Debatten um Diesel-Manipulationen und Fahrverbote hat Daimler erneut stark zugelegt. Im zweiten Quartal kletterten Umsatz und Gewinn dank des anhaltenden Aufschwungs bei Mercedes-Benz kräftig, wie der Dax-Konzern mitteilte. Das lag vor allem an der neuen E-Klasse sowie den Stadtgeländewagen (SUV).

Überschattet wird die Vorlage der Zahlen vom Vorwurf, Daimler und andere Autohersteller hätten illegale Absprachen getroffen. Dies wollte Vorstandschef Dieter Zetsche nicht kommentieren. Für bestehende Kooperationen mit anderen Herstellern bedeuteten die Berichte aus seiner Sicht zunächst nichts. "Selbstverständlich haben wir all diese Gespräche und Überlegungen im existierenden Rechtsrahmen angestellt."

BMW hingegen hat einem Pressebericht zufolge Kooperationsgespräche zu neuen Projekten mit dem Rivalen Daimler ausgesetzt. Damit reagiere der Autobauer auf die Kartellvorwürfe gegen die deutschen Autohersteller, schreibt die "Süddeutsche Zeitung". Konzernkreise hätten entsprechende Angaben aus Branchenkreisen bestätigt.

Daimler hat von April bis Juni weltweit mehr als 595 000 Autos von Mercedes-Benz verkauft, so viele wie noch nie in einem zweiten Quartal. Vor allem in Asien legte der Absatz stark zu. Der Daimler-Umsatz stieg im zweiten Quartal um 7 Prozent auf 41,2 Milliarden Euro. Das Konzernergebnis lag bei 2,51 Milliarden Euro (plus 2 Prozent) - nach 2,45 Milliarden im zweiten Quartal 2016. Es bleibt ein Gewinn von 2,44 Milliarden Euro.

Vergangene Woche hatte Daimler angekündigt, bei über drei Millionen Diesel-Fahrzeugen per Software-Update den Schadstoffausstoß zu verringern. Laut Konzern handelt es sich dabei um nahezu alle Fahrzeuge der Abgasnormen EU 5 und 6 in Europa. Die Aktion soll 220 Millionen Euro kosten und in den kommenden Wochen beginnen. Auf die Halbjahresbilanz wirkt sie sich noch nicht aus.

Großbritannien will Diesel- und Benzinautos verbieten

Großbritannien plant ein Verkaufsverbot von Diesel- und Benzinautos ab 2040. Das bestätigte Umweltminister Michael Gove am Mittwoch in London. Diesel- und Benzinfahrzeuge verursachten Gesundheitsprobleme und schadeten dem Klima, sagte Gove dem Sender BBC.

Nach Angaben von Gove sollen Diesel- und Benzinfahrzeuge bis 2050 ganz von den britischen Straßen verschwinden. Neue Gebühren werden bei Diesel-Fahrzeugen auf stark verstopften Straßen ab 2020 erhoben. Besonders London leidet unter schlechter Luft. Dort wurde die jährliche Luftverschmutzungsgrenze der EU heuer schon am 5. Januar überschritten.

Angesichts der britischen Pläne sehen sich die Grünen in ihrem Ziel bestätigt, in Deutschland ab 2030 nur noch abgasfreie Autos neu zuzulassen - damit stehen sie unter den Parteien alleine da. "Während andere Länder wie Großbritannien aus dem fossilen Verbrennungsmotor aussteigen, versuchen CDU/CSU und SPD einen Schutzzaun um eine veraltete Technologie zu ziehen und so die Hersteller vom Innovationsdruck abzuschirmen", kritisierte Grünen-Chef Cem Özdemir. Die Zukunft der deutschen Autobranche mit 800 000 Arbeitsplätzen stehe auf dem Spiel.

Auch Frankreich hatte kürzlich erklärt, den Verkauf von Verbrennungsmotoren bis zum Jahr 2040 einzustellen. Die Bundesregierung lehnt hingegen einen angeordneten Ausstieg ab. (dpa)

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