09.08.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Das russische Einfuhrverbot trifft in den EU-Ländern vor allem die Landwirte - Hilfe in Aussicht Wohin mit Käse und Oliven?

Angesichts des Moskauer Importverbots für Lebensmittel stellt die EU-Kommission Europas Bauern Hilfe in Aussicht. "Ich bin zuversichtlich, dass unser widerstandsfähiger Landwirtschaftssektor sich schnell hin zu neuen Märkten und Möglichkeiten orientieren wird", teilte EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos am Freitag in Brüssel mit. Es müsse jedoch Unterstützung geben, damit das reibungslos verlaufe.

Feta-Käse und Oliven gehören zu den Exportschlagern der griechischen Landwirtschaft, und Russland gehörte bisher zu den wichtigen Abnehmern. Aber nicht nur Griechenland hat an dem Einfuhrverbot zu kauen. Bild: dpa
von Agentur DPAProfil

Die EU könne dabei auf Agrargeld zum Beispiel aus einem Krisenfonds zurückgreifen, sagte Ciolos. Er kündigte die Einrichtung einer Arbeitsgruppe an, die die Folgen des russischen Importverbots für die europäische Landwirtschaft prüfen soll. Am Donnerstag will seine Behörde mit Vertretern der EU-Staaten beraten.

Die EU führt nach Zahlen von 2013 jährlich Agrarprodukte im Wert von 11,9 Milliarden Euro nach Russland aus. Von den jüngsten Einschränkungen betroffen sind nach Angaben der EU-Kommission Güter im Wert von jährlich 5,2 Milliarden Euro. Betroffen sind die Länder vom Einfuhrstopp unterschiedlich hart:

Für das Agrarland Polen ist der russische Einfuhrstopp schmerzhaft. Landwirtschaftsminister Marek Sawicki kündigte an, Klage bei der Welthandelsorganisation WTO ein- reichen. "Wir sind der Meinung, dass Russland sowohl beim Embargo gegen Polen wie auch beim Embargo gegen die EU internationales Recht gebrochen hat", sagte er im Fernsehsender TVP.

Italiens Wirtschaft und Politik befürchten wegen der russischen Sanktionen Hunderte Millionen Euro an Einbußen für den Agrar-Sektor. "Die Entscheidung der Regierung in Moskau wird zum Rückgang von etwa 25 Prozent unserer Exporte nach Russland führen", schätzte Riccardo Monti, Chef des Außenhandelsverbandes ICE. Das Embargo drohe derzeit Agrargüter im Wert von etwa 183 Millionen Euro zu treffen. 2013 hat Italien nach Angaben des Statistikamtes Istat Agrargüter im Wert von etwa 700 Millionen Euro nach Russland exportiert, bei Gesamtausfuhren nach Russland in Höhe von mehr als zehn Milliarden Euro.

Die russischen Sanktionen treffen in Griechenland vor allem die Obst- und Gemüseproduzenten im Norden des Landes. Auch die Fischerei und die Produzenten von Joghurt und Fetakäse könnten schwere Verluste erleiden, wie der Verband der griechischen Exporteure mitteilte. Man bräuchte dringend einen "Alternativplan", um die Produkte an andere Märkte zu leiten. Nach ersten Schätzungen könnten die Gemüse- und Obstexporteure Verluste in Höhe von 178 Millionen Euro erleiden. Die Gesamtexporte Griechenlands nach Russland betrugen im vergangenen Jahr 406 Millionen Euro.

Spanien ist vergleichsweise stark von den Sanktionen betroffen. Die Exporte von Agrarprodukten aus Spanien, die nun unter den russischen Importstopp fallen, machten im vorigen Jahr ein Volumen von etwa 400 Millionen Euro aus. Die Entscheidung des Kreml trifft in Spanien besonders die Hersteller von Zitrusfrüchten, Kernobst, Tomaten, Paprika und anderem Gemüse.

Regierungschefin Laimdota Straujuma rief die Letten auf, mehr einheimische Milch- und Fischprodukte zu kaufen. Dies würde den betroffenen Exportunternehmen helfen. Litauens Wirtschaftsminister Evaldas Gustas schätzte, dass die Handelssanktionen die litauische Wirtschaft 0,2 Prozentpunkte Wachstum kosten könnten.

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