Der Goldpreis im freien Fall - Einige Analysten raten zum Ausstieg aus dem Edelmetall
"Panikartige Verkäufe"

Der Goldpreis ist auf rasanter Talfahrt. Am Montag fiel er erstmals seit mehr als zwei Jahren unter die 1400-Dollar-Marke. Noch vor wenigen Monaten lag der Preis für das glänzende Edelmetall über 1800 Dollar für eine Feinunze (etwa 31 Gramm). Bild: dpa

Über Jahre ging es steil nach oben, nun scheint der Sturzflug programmiert. Der Goldpreis kommt immer stärker unter Druck, zuletzt ging der Abwärtstrend in einen freien Fall über. Freunde des Edelmetalls brauchen starke Nerven, denn einige Experten sehen keine Momentaufnahme, sondern eine Trendwende. Investmentbanken und Profi-Anleger setzen Gold in großem Stil auf die Verkaufslisten. Es tauge nicht länger als "sicherer Hafen", sagt Spekulanten-Legende George Soros.

Die "Todesglocken" läuten, meinen Experten der Citigroup. Nichts wie raus, rät Wall-Street-Riese Goldman Sachs seinen Kunden. "Einst der gefeierte Star mit zwölf erfolgreichen Jahren hintereinander, scheint die goldene Dekade ein jähes Ende zu finden", heißt es in einer Analyse der Nord-LB. Am Montag rutschte der Preis für eine Feinunze Gold (etwa 31 Gramm) bis unter die Marke von 1400 US-Dollar. Es ist der tiefste Stand seit mehr als zwei Jahren.

Atemberaubende Talfahrt

Die Talfahrt der vergangenen Tage ist atemberaubend: Am vergangenen Mittwoch kostete die Unze noch 200 Dollar mehr. Bereits am Freitag war der Kurs um etwa fünf Prozent eingebrochen. An der wichtigsten Rohstoff-Terminbörse in New York wurden an diesem Tag fast doppelt so viele Gold-Kontrakte wie im bisher an einem durchschnittlichen Handelstag verzeichnet. Commerzbank-Experte Eugen Weinberg sieht einen "panikartigen Ausverkauf". Auf dem Papier wechselten gut 1140 Tonnen Gold den Besitzer. "Dies ist mehr als die gesamte jährliche Goldnachfrage von Indien oder China", die beiden größten Absatzmärkte der Welt. Zum Wochenauftakt setzte sich der Kursrutsch ungebremst fort. Experten tun sich schwer, fundierte Gründe für die massiven Verluste zu finden. Die Aussicht auf ein frühzeitiges Ende der ultralockeren Geldpolitik in den USA spiele weiterhin eine Rolle, sagten Händler. Aus dem Protokoll der letzten Ratssitzung der US-Notenbank Fed war hervorgegangen, dass die Währungshüter die Liquiditätsflut immer kritischer bewerten. Die breite Mehrheit will spätestens zum Jahresende beginnen, die weit geöffneten Geldschleusen wieder zu schließen. Dadurch könnten Inflationsängste weiter sinken.
"Da Gold als Absicherung gegen Teuerungsrisiken allmählich an Bedeutung verliert, verabschieden sich immer mehr US-Anleger aus dieser Krisenanlage", sagt Analyst Thorsten Proettel von der LBBW. Zudem belasteten zuletzt Pläne der zyprischen Regierung, Goldreserven der Notenbank loszuschlagen, um einen Teil der Eigenbeteiligung am Rettungspaket aufzubringen.

Doch den wesentlichen Ausschlag dürfte einmal mehr der Herdentrieb der Finanzmärkte gegeben haben. Akteure wie Goldman Sachs, Sociét Générale, Citigroup oder Bank of America hatten zuletzt deutliche Verkaufssignale geliefert und damit die Richtung vorgegeben. Großinvestoren zogen massiv Mittel aus dem weltgrößten Goldfonds SPDR Gold Trust ab. Das Volumen erreichte den niedrigsten Wert seit fast drei Jahren. Da viele Anleger bei Unterschreiten bestimmter Kursmarken automatisch verkaufen, um sich vor heftigeren Verlusten zu schützen, kann der Goldpreis bei einer Abwärtsdynamik leicht abstürzen.

Noch keine Schnäppchen

Doch auch wenn das Ende des Gold-Booms tatsächlich eintreten sollte, halten viele Beobachter den derzeitigen Preisverfall für übertrieben. "Mittel- bis langfristig sehen wir weiterhin höhere Goldpreise", sagt Commerzbank-Stratege Weinberg. Allerdings könnte der Verkaufsdruck vorerst hoch bleiben. "Für Schnäppchenjäger ist es noch zu früh", warnt Eugen Keller vom Bankhaus Metzler.
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