08.09.2017 - 20:52 Uhr
Deutschland & Welt

Deutsche Autobauer prophezeien grundlegenden Umbruch Festhalten am Diesel

Das Image des Diesel ist schwer belastet. Kommt in der Automobilbranche schon bald der Abschied vom Selbstzünder? Nein, sagen viele Autohersteller. Sie brauchen den Diesel noch - und sprechen gleichzeitig von einem grundlegenden Wandel.

Auslaufmodell Diesel? Hierzulande wohl noch nicht, denn die deutsche Autoindustrie setzt weiter auf solche Motoren. Bild: Bodo Marks/dpa
von Agentur DPAProfil

Berlin. Die deutschen Autobauer wollen noch lange am Diesel festhalten - mindestens als Brückentechnologie. Zum einen seien die neuesten Motoren umweltfreundlich, zum anderen gebe es noch viel Potenzial, sie weiterzuentwickeln. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter Autobauern. Die Hersteller wollen außerdem die Elektromobilität massiv ausbauen. Auch die Brennstoffzelle ist im Spiel. Die beiden wichtigsten Zukunftsthemen sind daneben autonomes Fahren und Mobilitätsdienstleistungen.

Über die Zukunft des Dieselantriebs läuft seit Monaten eine Debatte. Grund sind der Abgas-Skandal und drohende Fahrverbote in Innenstädten. Auch der Autohersteller PSA mit den Marken Citroën und Peugeot ist inzwischen unter Druck geraten: Er soll laut einem Medienbericht in Frankreich über 1,9 Millionen Dieselautos mit einer Betrugssoftware verkauft haben.

Ähnlich wie bei VW sollen so die Abgaswerte manipuliert worden sein. Der PSA-Konzern, der inzwischen auch die deutsche Marke Opel führt, wies den Bericht zurück. Man verfolge keine "betrügerische Strategie" und halte in allen Ländern die Vorschriften ein.

In Deutschland sinkt der Diesel-Marktanteil bei den Neuzulassungen. Die Grünen fordern einen Ausstieg aus dem Benzin- und Dieselmotor im Jahr 2030. Volvo hat angekündigt, sich Schritt für Schritt von reinen Verbrennungsmotoren zu verabschieden.

Antriebsmix angepeilt

VW-Entwicklungschef Ulrich Eichhorn sagte mit Blick auf das Jahr 2030: "Wir werden einen Antriebsmix aus Verbrennungsmotoren, Hybridantrieb und E-Antrieb haben." Ein Opel-Sprecher erläuterte, auf dem Weg in die elektrische Zukunft würden herkömmliche Antriebssysteme weiter benötigt. "Die Automobilindustrie braucht die moderne Technik von heute, um die notwendigen Investitionen für die Weiterentwicklungen der Zukunft zu erwirtschaften." Die Autoindustrie braucht den Diesel auch, um die europäischen Grenzwerte beim "Klimakiller" CO2 zu erreichen. Denn Diesel stoßen, so argumentiert die Branche, bei gleicher Motorleistung weniger Kohlendioxid (CO2) aus als Benziner.

25 Prozent E-Autos

Dennoch zeigen sich viele überzeugt, dass sich die Elektromobilität durchsetzt. Daimler will bis 2025 zwischen 15 und 25 Prozent des weltweiten Absatzes über batterieelektrische Fahrzeuge erwirtschaften. VW hat sich zum Ziel gesetzt, im Jahr 2025 rund ein Viertel des weltweiten Volumens mit batterieelektrischen Fahrzeugen zu erzielen. Generell sieht sich die Branche vor einem grundlegenden Umbruch. "Die Automobilindustrie wandelt sich aktuell in bislang nicht für möglich gehaltener Geschwindigkeit", sagte ein Opel-Sprecher. "Die Veränderungen in den nächsten Jahren werden größer sein als in ganzen Jahrzehnten zuvor."

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