26.10.2017 - 16:22 Uhr
Deutschland & Welt

Deutsche Bank trennt sich von Sal. Oppenheim: Mit Einsparungen gegen schrumpfendes Geschäft

Mit einem radikalen Umbau will die Deutsche Bank endlich wieder Anschluss an die internationale Konkurrenz finden. Es gibt auch erste Fortschritte. Doch das Tagesgeschäft läuft nicht wie erhofft.

Die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt. Das Institut schafft es, dank Einsparungen, mehr zu verdienen. Bild: Frank Rumpenhorst/dpa
von Agentur DPAProfil

Frankfurt. Der erhoffte Aufschwung bei der Deutschen Bank lässt auf sich warten. Für das dritte Quartal musste das größte heimische Geldhaus abermals ein rückläufiges Geschäft melden. Allerdings schaffte es das Institut dank Einsparungen, mehr zu verdienen. Unter dem Strich standen 649 Millionen Euro Gewinn - gut doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum. Vor Steuern waren es 933 nach zuvor 619 Millionen Euro.

Die Erträge - die gesamten Einnahmen der Bank - sanken im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um ein Zehntel auf knapp 6,8 Milliarden Euro, wie der Konzern mitteilte. "Während das Umfeld für unsere Erträge eine Herausforderung bleibt, sind wir bei unseren wichtigen Initiativen deutlich vorangekommen", bilanzierte Vorstandschef John Cryan.

So nimmt das Privat- und Firmenkundengeschäft mit der Postbank Gestalt an. Ab dem zweiten Quartal 2018 sollen 13 000 Beschäftigte der Deutschen Bank und 17 000 Beschäftigte der Postbank unter einem rechtlichen Dach arbeiten. Für die Kunden ändert sich nichts, beide Markennamen sollen erhalten bleiben. Steuern wird die neue "Deutsche Privat- und Firmenkundenbank" ein gemeinsames Führungsteam an den Standorten Frankfurt und Bonn. Kunden der Postbank und der Deutschen Post sollen auch in Zukunft weiterhin in den Genuss von Filialdienstleistungen beider Unternehmen kommen. Die Partnerschaft sei vertraglich über das Jahr 2020 hinaus für fünf weitere Jahre verlängert worden, teilte die Deutsche Post am Donnerstag mit.

Auf betriebsbedingte Kündigungen soll in der Einheit bis 30. Juni 2021 verzichtet werden. Dies ist Teil der Tarifeinigung mit den Gewerkschaften für die 18 000 Beschäftigten der Postbank, der BHW-Gruppe und weiterer Töchter. Nach Angaben der Tarifpartner sollen zudem die Gehälter steigen. Rückwirkend zum 1. April 2017 gibt es 1,7 Prozent mehr Geld, zum 1. Januar 2018 dann weitere 0,9 Prozent, der dritte Schritt mit plus 2,3 Prozent ist für Januar 2019 vorgesehen. Der Tarifvertrag läuft bis mindestens zum 31. Juli 2019.

"Es liegt noch viel Arbeit vor uns, und es sind noch verschiedene konkrete Interessensausgleiche abzuschließen", erklärte Cryan zur Integration der Postbank. "Aber ich bin zuversichtlich, dass alle Beteiligten erfolgreich zusammenarbeiten werden, um das beste Ergebnis im langfristigen Interesse unserer Bank zu erzielen." Ursprünglich wollte die Deutsche Bank die Postbank verkaufen, nun will der deutsche Branchenprimus mit gemeinsamer IT und Verwaltung im umkämpften heimischen Markt schlagkräftiger werden.

Dagegen gibt die Deutsche Bank die Traditionsmarke Sal. Oppenheim auf. Die verbliebenen Kunden und Geschäfte der 1789 gegründeten Kölner Privatbank werden auf andere Bereiche aufgeteilt. Beim Zusammenschluss mit der Postbank müssen sich Mitarbeiter und Kunden darauf einstellen, dass mittel- bis langfristig Filialen abgebaut werden.

Die Deutsche Bank leidet wie andere Institute unter den niedrigen Zinsen, die das klassische Einlagen- und Kreditgeschäft weniger profitabel machen. Auch die ruhigen Kapitalmärkte machen ihr zu schaffen, weil dies die Gebühreneinnahmen schmälert. Im Handel mit Währungen und Anleihen brachen die Erträge im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 36 Prozent ein. Der Aktienhandel sowie das Beratungs- und Finanzierungsgeschäft mit Unternehmen schrumpfte ebenfalls. Dagegen verdiente die Bank im Privat- und Firmenkundengeschäft fast so viel wie im sonst wesentlich lukrativeren Investmentbanking.

Beim Abbau juristischer Altlasten kommt das Institut voran. "Von den 20 Fällen, auf die Anfang des vergangenen Jahres rund 90 Prozent unserer finanziellen Rechtsrisiken entfielen, haben wir 13 ganz oder teilweise beigelegt - bei nur geringen zusätzlichen Kosten in diesem Jahr", berichtete Cryan. Für das Gesamtjahr 2017 hatte die Deutsche Bank nach zwei Jahren mit Milliardenverlusten schwarze Zahlen in Aussicht gestellt.

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