03.09.2017 - 20:36 Uhr
Deutschland & Welt

Deutsche Post testet neue Zustellungsmöglichkeiten Briefe nur noch an ausgewählten Tagen?

Die Post ist gesetzlich verpflichtet, flächendeckend an allen Werktagen Briefe zuzustellen. Wegen des rückläufigen Briefvolumens sucht der gelbe Riese nun nach Alternativen und testet derzeit eine Art Wunschzustellung. Das bringt die Gewerkschaft auf die Palme.

Ein Briefträger bei der Arbeit. Die Post testet Zustellverfahren, bei dem Briefe nicht mehr jeden Tag zugestellt werden. Bild: Sebastian Kahnert/dpa
von Agentur DPAProfil

Bonn. Die Deutsche Post experimentiert damit, Briefe nicht mehr jeden Werktag zuzustellen. Anfang Juli startete sie unbemerkt von der Öffentlichkeit ein Pilotprojekt: Ausgewählte Kunden können wählen, ob sie Briefe als Sammelzustellung an einem Wochentag, an drei Wochentagen oder an fünf Tagen, dann aber an den Arbeitsplatz, geliefert bekommen wollen.

"Wir testen neue Zustelloptionen, um Kundenbedürfnisse zu erforschen", sagte ein Postsprecher. Er bestätigte damit einen Bericht des "Bonner Generalanzeigers". Schon vor einem Jahr war das Unternehmen wegen angeblicher Pläne, die Zustellung am Montag zu streichen, in die Schlagzeilen geraten. Die Post möchte herausfinden, ob die drei neuen Formen der Zustellung bei den Postkunden auf fruchtbaren Boden fallen. Dazu hätten 18 geschulte Briefträger in den vergangenen Wochen Kunden angeworben, die bereit seien, in einer Testphase auf eine tägliche Zustellung zu verzichten und eine andere Form zu wählen, sagte der Sprecher. Ausgeschlossen sind Einschreiben, der Versand von Dokumenten oder auch Eilbriefe, die sofort ausgetragen werden.

Die Gewerkschaft Verdi reagierte mit Empörung. Sie befürchtet, dass sich die Deutsche Post, die gesetzlich zu einer flächendeckenden Grundversorgung verpflichtet ist, aus ihrer Pflicht Schritt für Schritt verabschieden wolle. "Bei uns brennt die Hütte", zitierte die Zeitung die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Andrea Kocsis. Sollte die Briefzustellung künftig seltener werden, könnten auch zahlreiche Arbeitsplätze verloren gehen.

Der Briefmarkt in Deutschland sei stabil. "Wenn die Post Kunden anbietet, auf diese Dienstleistung verzichten zu wollen, untergräbt sie die Auflagen einer flächendeckenden Grundversorgung und sägt an dem Ast, auf dem sie sitzt", kritisierte die Gewerkschafterin, die auch stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Post ist. Erfahrungen aus anderen Ländern zeigten, dass eine Verringerung der Zustellfrequenz und längere Laufzeiten postalische Dienstleistungen unattraktiv machten.

Hintergrund der Pläne ist das seit Jahren schrumpfende Briefgeschäft. Die Digitalisierung der Gesellschaft mit E-Mail und Messengerdiensten verdrängt den traditionellen Brief. Im Geschäftsjahr 2006 wurden im Schnitt 70 Millionen Briefe pro Werktag zugestellt, zehn Jahre später waren es 59 Millionen. Die reine Briefkommunikation schrumpfte 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 3,5 Prozent auf 8,2 Milliarden Stück. Die Post gibt sich trotz Kritik gelassen: Der Test, der noch bis Ende September laufe, sei ergebnisoffen und eine Entscheidung noch lange nicht gefallen. Auch die Bundesnetzagentur sei über den Testlauf vorab unterrichtet worden. Es sei überhaupt unklar, ob ein Kundenbedarf vorhanden sei und ob sich neue Formen der Zustellung betrieblich einsetzen ließen. Die Post werde sich auf keinen Fall aus ihrem Versorgungsauftrag mogeln, bekräftigte der Sprecher.

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